Forschung

Zentimetergenau - Hilfe aus dem All


Was Satelliten können - und wo sie in Deutschland gebaut werden

Außerirdisch präzise: Manches auf unserem Globus lässt sich aus dem Weltraum besser und genauer beobachten. Der Satellit „CryoSat-2“ etwa umkreist demnächst 720 Kilometer über uns die Erde – und misst an den Polen nicht nur die Ausdehnung, sondern erstmals auch die Dicke der Eisschichten: mit Hilfe eines Spezial-Radars, auf ein bis drei Zentimeter genau! Wissenschaftler erhoffen sich bahnbrechende Erkenntnisse für die Klima-Forschung.

Und das ist längst nicht alles, was die rund 800 aktiven Satelliten im Weltraum leisten. Mit den Daten, die sie zur Erde funken, lassen sich zum Beispiel auch der Salzgehalt und die Strömungen der Ozeane bestimmen – oder die Trockenheit von Feldern. Zudem wäre eine zuverlässige Wettervorhersage ohne die Technik im Weltraum kaum möglich. Und ganz wichtig: Nach Katastrophen wie jetzt dem schweren Erdbeben in Haiti leisten Satelliten mit detaillierten Aufnahmen der Region wertvolle Dienste.

„Immer mehr Möglichkeiten“

Hilfskräfte können auf diese Weise schnell erkennen, welche Straßen noch passierbar sind. Oder wo es große freie Plätze für den Aufbau von Notunterkünften gibt.

Satelliten sind aber nicht nur im Einsatz, um unseren Planeten zu erkunden. Sie übertragen auch einfach riesige Datenmengen und Signale: zum Beispiel für Telefon-Verbindungen, für Navigationssysteme in Autos oder für den Empfang von Fernsehprogrammen.

„Es gibt immer mehr Nutzungsmöglichkeiten“, sagt Professor Kai-Uwe Schrogl, Direktor des Instituts für europäische Raumfahrtpolitik in Wien. „Die Hersteller von Satelliten sind deshalb bisher ganz gut durch die allgemeine Konjunkturkrise gekommen.“ Das hat auch noch einen anderen Grund: Schrogl verweist darauf, dass viele Satelliten-Projekte wie alle anderen Raumfahrt-Programme eine Laufzeit über mehrere Jahre haben. Und zum überwiegenden Teil werden sie mit Staatsgeld finanziert.

Europas Antwort auf GPS

Beispiel Deutschland: Nach den neuesten Zahlen für 2008 – die für 2009 gibt es erst im April – steigerte die heimische Raumfahrt-Industrie ihren Umsatz zuletzt um 15 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Davon kamen mehr als die Hälfte, 920 Millionen Euro, vom Staat.

Den Markt teilt sich eine kleine Zahl von Unternehmen. In Europa tummeln sich in der Raumfahrt gerade einmal drei große Produzenten: der internationale Konzern EADS Astrium, die französisch-italienische Firma Thales Alenia Space und die Familiengesellschaft OHB in Bremen. Allerdings beteiligen die Großen viele, zum Teil hoch spezialisierte kleine Zulieferer.

Im Bau der mit Hightech vollgepackten Flugobjekte stehen zwei deutsche Standorte im Mittelpunkt:

lFriedrichshafen am Bodensee ist mit knapp 1000 Beschäftigten das Zentrum für die Satelliten-Produktion des europäischen Branchenführers EADS Astrium.

Bremen ist der Hauptsitz der OHB-System AG. Sie hat vor kurzem mit ihrem bisher größten Einzelauftrag für Furore gesorgt: OHB erhielt von der Europäischen Union den Zuschlag für den Bau der ersten 14 Satelliten des Navigationssystems „Galileo“. Ihr Wert: 566 Millionen Euro.

Galileo ist die europäische Antwort auf das amerikanische GPS und soll Autofahrer oder Flugzeugpiloten noch genauer und zuverlässiger ans Ziel leiten.

Marco Fuchs, der Vorstandsvorsitzende von OHB-System, freut sich über die Großbestellung: „Das bringt uns für die nächsten Jahre eine gute Auslastung in der Produktion.“ Ende 2012 sollen die ersten Galileo-Satelliten geliefert werden. OHB ist in kurzer Zeit in die europäische Spitze aufgestiegen. Erst im Jahr 1985 hatte Unternehmensgründer Manfred Fuchs das Raumfahrt-Geschäft begonnen – mit damals nur vier Mitarbeitern.

Mit dem Galileo-Auftrag haben sich die Bremer Himmelsstürmer gegen den viel größeren Konkurrenten EADS Astrium durchgesetzt: OHB mit 1500 Mitarbeitern und 300 Millionen Euro Jahresumsatz gegen EADS Astrium mit der zehnfachen Beschäftigtenzahl und mehr als 4,8 Milliarden Euro Umsatz.

Mit der „Ariane“ zur Umlaufbahn

Für das Galileo-Projekt wird jedoch zusammengearbeitet: Immerhin 40 Prozent des Auftrags steuert das britische Unternehmen SSTL bei – eine Tochtergesellschaft von EADS Astrium.

Auch in anderen Raumfahrt-Programmen kooperiert Europas Marktführer mit OHB. Beispiel: die europäische Trägerrakete „Ariane 5“. EADS Astrium ist der Hauptauftragnehmer. Und OHB baut als einer der vielen Zulieferer die großen Treibstofftanks. Die wichtigste Aufgabe der Ariane seit dem ersten ihrer mittlerweile 193 Starts vor 31 Jahren: Satelliten zu ihrer Umlaufbahn transportieren.

Ab 2017 dürfen die noch aufwendiger sein: Dann steigt die maximale Nutzlast der „Ariane“ von zehn auf zwölf Tonnen.

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