Nord-Wort

Zeitarbeit in Verruf – warum?


Das schlechte Image hat historische Gründe, aber die Dinge haben sich geändert

Die Zeitarbeit genießt einen schlechten Ruf in Deutschland, nicht erst seit eine Handelskette in skandalöser Weise ihre Stammbelegschaft „umschichten“ wollte.

Vor vielen Jahren noch war die Leiharbeit sogar unzulässig, wurde 1972 sehr begrenzt möglich und ist in ihrer heutigen Form nicht mehr wegzudenken. Aber der schlechte Ruf ist geblieben; von „Sklavenhändlern“ ist die Rede, von einer „Bedrohung der Stammbelegschaften“.

Schauen wir ´mal näher hin. In der jüngsten Krise haben die Stammbelegschaften von diesem Instrument eher profitiert, als dass es ihnen geschadet hätte. Um sie zu schützen, wurden erst´ mal die Zeitarbeiter weggeschickt – und später wieder eingestellt. Das ist Personalflexibilität, ohne die geht es nicht im Auf und Ab des Wirtschaftslebens. „Zeitarbeit ist die flexible Antwort auf den starren Kündigungsschutz“, sagen sogar sozial engagierte Politiker.

Zeitarbeiter „bezahlen“ diese Flexibilität des Betriebes mit der Unsicherheit über ihren Einsatz. Aber wenn die Alternative „Arbeitslosigkeit“ heißt, ist Zeitarbeit das kleinere Übel.

Bedenkt man, dass unter den Zeitarbeitern erstaunlich viele Menschen ohne Ausbildung sind, erkennt man rasch auch Vorteile. Obwohl der klassische „Hilfsarbeiter“ kaum noch gebraucht wird, ist wissenschaftlich belegt: Zeitarbeit erleichtert Langzeitarbeitslosen den Zugang in Dauerbeschäftigung.

Das ist doch was!

Dabei sind Zeitarbeiter kein Freiwild. Sie sind in ihrer Zeitarbeitsfirma fest angestellt, inklusive Sozialversicherung und Urlaub. Der Lohn ist in der Regel tariflich, also mit der Gewerkschaft (!), fixiert – andernfalls muss er wie im Einsatzbetrieb gezahlt werden.

Also: Zeitarbeit erfüllt nicht alle Blütenträume vom idealen Arbeitsplatz – aber er hat am Arbeitsmarkt viele nützliche Funktionen. Für alle!

Elbe

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