Arbeitsmarkt

Zeitarbeit hat Zukunft


Sie hilft im Aufschwung – aber auch in der Krise

Nürnberg. Zeitarbeit ist für  Unternehmen ein wichtiges Instrument, um schnell zu reagieren. In guten Zeiten und wie jetzt in der Konjunkturkrise. Das gilt auch für die Betriebe der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie: Rund jeder Zweite hatte nach einer Verbandsumfrage im Jahr 2008 – neuere Zahlen gibt es noch nicht – Leiharbeitnehmer eingesetzt.

Beispiel: die Liebherr-Verzahntechnik GmbH. Sie beschäftigte im Oktober 2008 in Kempten 161 Zeitarbeiter – der bisherige Höchstwert. Aktuell sind es noch 20. Die Stammbelegschaft verkleinerte sich in dieser Zeit von knapp 900 auf 833.

„Wer in Boomphasen die Kapazitäten und die Belegschaft zu stark erhöht, erstickt im Abschwung an zu hohen Kosten“, sagt Geschäftsführer Friedrich Hesemann. Im Gegensatz dazu lasse der mal stärkere, nun schwächere Einsatz von Zeitarbeitern dem Unternehmen Luft zum Atmen.

Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, rechnet daher damit, dass die Bedeutung dieses Instruments zunehmen wird, wenn die Krise ausgestanden ist. Seit Mitte 2009 steigen die Zahlen schon wieder leicht, in Bayern ebenso wie bundesweit (siehe Grafik).

Von der Auto- zur Solar-Industrie

Und nicht nur die Unternehmen profitieren. Für zuvor Arbeitslose ist Zeitarbeit häufig der erste Schritt zu einer festen Anstellung. Bei Liebherr-Verzahntechnik sieht die Bilanz so aus: Noch 2006, so Hesemann, hat das Unternehmen 46 neue Mitarbeiter eingestellt, ein Jahr später 103. Davon war 2006 jeder Sechste und 2007 sogar jeder Dritte zunächst als Zeitarbeiter für den Betrieb tätig gewesen. Auch von den aktuell noch 20 Leihkräften hat nach Auskunft des Geschäftsführers ein großer Teil gute Chancen übernommen zu werden.

Auch wem das nicht gelingt, der kann eine andere Beschäftigung finden. Darauf verweist Ingrid Hofmann, geschäftsführende Gesellschafterin der Nürnberger Zeitarbeitsfirma Hofmann Personal: „Bei uns haben sich viele erfolgreich von der Auto-Industrie auf andere Branchen wie die Solar-Industrie und Windenergie orientiert.“ Weiterbildung macht solche Wechsel möglich und verbessert dauerhaft die Berufsaussichten.

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