Textil-Industrie

Zeigen, was Sache ist


Wie Azubis Schülern ihre Branche näher bringen

Guckt mal hier: hart wie Stahl – aber leicht wie Alu!“ Hasan Sugoksu hält den Schülern einen Eishockey-Schläger hin. Der ist aber gar nicht aus Metall, sondern aus Kohlefasern; eine Harzschicht macht das Gewebe fest und glatt. Sugoksu lernt beim traditionsreichen Wuppertaler Unternehmen vom Baur – aber heute erklärt er selbst: beim Tag der offenen Tür im überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Rheinischen Textilindustrie.

Stolz zeigt der Azubi weitere Produkte seines Betriebes, darunter Schläuche und Sicherheitsleinen. „Ein schönes Gefühl“ sei das, fertige Ware vor sich zu haben: „Da sieht man gleich den Erfolg seiner Arbeit.“

Ein paar Schritte weiter erklärt Shemsi Syla seinen jugendlichen Gästen, wie man Fäden anknotet. „Wenn man richtig gut ist, braucht man weniger als sechs Sekunden dafür“, sagt der Lehrling bei Hohgardt, einem Sprockhöveler Hersteller von elastischen Bändern.

Unterdessen lassen sich Feride und Yasemin die Nadelautomaten zeigen, die bunte Bänder weben: schmal oder breit, mit Borte oder Muster. Sie gehen auf die Hauptschule Barmen-Südwest, sind im Berufsorientierungsjahr: Viele Praktika sind da angesagt. Der Textilbereich sei nicht gerade beliebt, erzählen die beiden: zu viel Lärm und so. „Aber hier sieht es doch interessant aus“, finden die Mädchen.

„Jugendliche kennen die textilen Berufe einfach zu wenig“, klagt Klaus-Peter Starke, Geschäftsführer der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände.

Betriebe suchen Nachwuchs

Selbst den Berufsberatern sei die Branche nicht so präsent, sagt er. Auch deshalb veranstaltet das Ausbildungszentrum (AZ) jedes Jahr seinen Tag der offenen Tür für Schüler, Lehrer und Eltern. Allein in Nordrhein-Westfalen beschäftigt die Textil- und Mode-Industrie ja immerhin rund 30.000 Menschen. Und die Belegschaften sind laut Starke „relativ alt“: Nachwuchs ist also gefragt.

Wie viele Bewerber auf eine Lehrstelle kommen? In Krisenjahren: Dutzende. Viele Plätze würden aber über Mundpropaganda und Betriebspraktika vergeben, betont AZ-Ausbildungsleiterin Andrea Milunovic. Für manche Firmen seien Noten gar nicht so entscheidend: Pünktlichkeit und Motivation, aber auch eine gewisse Fingerfertigkeit, ein gutes Auge und technisches Verständnis seien ihnen viel wichtiger.

Wie das bei vom Baur läuft, erklärt Thomas Helsberg, Ausbilder in dem Unternehmen: „Wir lassen Jugendliche, die im AZ ihr Werkstattjahr machen, bei uns drei Wochen lang probearbeiten – wer uns gefällt, den nehmen wir.“

Chancen ohne Schulabschluss

Normalerweise vergibt die Firma einen Ausbildungsplatz im Jahr. „Aber nun waren es sogar drei“, so Helsberg, „weil alle Kandidaten gut waren.“

Auf diese Weise bekam damals auch Hasan Sugoksu seine Chance. Ausgerechnet er, der nicht einmal einen Schulabschluss hatte. Aber der Junge sei eben immer pünktlich und engagiert gewesen, erzählt Helsberg.

Mittlerweile hat Sugoksu seine Prüfung zum Maschinen- und Anlagenführer schon hinter sich. Und er lernt weiter, um Produktionsmechaniker zu werden.

Ganz früher, so erinnert sich der junge Mann, hatte er einfach keine Idee, was ihm liegt: Er schnupperte mal in eine Gärtnerei rein, dann in eine Schreinerei. Doch erst in den Probewochen bei vom Baur entdeckte er, dass es ihm Spaß macht, mit Maschinen zu arbeiten. Die neuartigen chemischen Fasern fand er ebenfalls faszinierend.

Zwar arbeitet sein eigener Vater schon lange im gleichen Betrieb. „Aber wenn er versuchte, mir zu erklären, was er macht, konnte ich mir nichts darunter vorstellen.“ Und so gibt Sugoksu aus Erfahrung den Jugendlichen einen guten Rat mit: „Macht ein Praktikum, probiert alles selbst aus!“

Info: Eines für alle

Weben, Flechten, Klöppeln, Stricken, Färben und Beschichten: Das Ausbildungszentrum der Rheinischen Textilindustrie bietet den Betrieben aus dem Bergischen Land, aus Südwestfalen und dem Rheinland eine überbetriebliche Ausbildung im ersten Lehrjahr an. Die jungen Leute lernen so die ganze Bandbreite textiler Tätigkeiten kennen. www.az-textil.de

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Schlagwörter: Ausbildung

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