Heimtextilien

Wülfing fertigt Wäsche aus flauschigem Flanell – und will jetzt sein Personal aufstocken

Der 450-Mann-Betrieb aus dem Münsterland liefert übergroße Bettwäsche in die USA und tüftelt ständig an Innovationen. Neuester Trend: Jacquard-Flanell – der weiche Baumwollstoff eignet sich für Kissen und Bettwäsche.

Prüfender Griff: Dirk Hinsel braucht Fingerspitzengefühl für seine Arbeit. Foto: Wirtz

Prüfender Griff: Dirk Hinsel braucht Fingerspitzengefühl für seine Arbeit. Foto: Wirtz

Neuheit: Geschäftsführer Johannes Dowe (links) und Josef Kölker mit Kissen aus Jacquard-Flanell. Foto: Wirtz

Neuheit: Geschäftsführer Johannes Dowe (links) und Josef Kölker mit Kissen aus Jacquard-Flanell. Foto: Wirtz

Ausgefallen: Marketing-Leiterin Beata Rauer mit einem Bou Bou. Foto: Wirtz

Ausgefallen: Marketing-Leiterin Beata Rauer mit einem Bou Bou. Foto: Wirtz

Speziell: Näherin Brigitte Velken mit indianischen Stoffmustern für den US-Markt. Foto: Wirtz

Speziell: Näherin Brigitte Velken mit indianischen Stoffmustern für den US-Markt. Foto: Wirtz

Borken. Weiße Stoffbahnen fallen in Wellen herab und bilden einen wachsenden Haufen vor Dirk Hinsels Füßen. „Ich habe einen echt rauen Job“, ruft der Maschinenführer und lacht.

Wie bitte, rau? Dabei ist der Stoff doch ganz flauschig. „Aber er darf nicht dick sein“, sagt der 44-Jährige. Der Borkener überwacht die riesigen Raumaschinen, in denen mit winzigen Nadeln bespickte Walzen laufen. Sie rauen die Meterware schonend. Die Baumwollfasern strecken sich dabei und stellen sich dann auf.

So entsteht flauschiger Flanell oder klassischer Molton – je nachdem, für welchen Einsatzzweck die Gewebe mit Gewichten zwischen 150 und 450 Gramm pro Quadratmeter vorgesehen sind. Das weiche Textil ist eine Kernkompetenz der Borkener Firma Wülfing, die Heim- und Betttextilien fertigt, außerdem Matratzenschutzauflagen und Inkontinenzartikel.

US-Amerikaner schlafen in „German Flanell“

Das Familienunternehmen profitiert vom Kuschelfaktor der Deutschen. Sie wollen es zu Hause gemütlich haben und gaben allein 2015 mehr als 10 Milliarden Euro für Haus- und Heimtextilien aus.

„Wir können uns als Nischenanbieter gut auf dem heimischen Markt behaupten“, sagt Geschäftsführer Josef Kölker. Jährlich fertigt der vollstufige Betrieb 30 Millionen Quadratmeter Stoff in den eigenen Webereien. Gesamtumsatz 2015: gut 70 Millionen Euro.

Zum Erfolg steuert auch das Ausland bei. Qualität aus dem westlichen Münsterland ist in den USA und in Afrika gefragt. Amerikaner schlafen gern im weichen „German Flanell“ von Wülfing. Und für das übergroße „Master Bed“ wird Bettwäsche mit bis zu 300 Zentimeter Fertigbreite produziert. Für den afrikanischen Markt webt Wülfing am Standort Steinfurt hochwertigen Afrikadamast. Ein anspruchvolles Gewebe, aus dem dort der Bou Bou geschneidert wird – ein traditionelles afrikanisches Festgewand. „Unsere Arbeit beginnt beim Zetteln des Garns und endet beim Verpacken der fertigen Wäsche“, erklärt Geschäftsführer Johannes Dowe. Das sei nur mit qualifizierten Mitarbeitern möglich.

Wülfing hat massiv in die Standorte in Steinfurt und Borken investiert. Ab Ende 2016 laufen dort zusammen 140 Webmaschinen. Dafür suchen die Borkener ständig ausgebildete Weber und Textilmaschinenführer sowie Auszubildende für diese Berufe.

Eine der Fachkräfte ist Webereileiter Thomas Lippe. Er überwacht zehn neue Air-Jet-Picanol-Webmaschinen. Auf ihnen läuft ein Bettwäsche-Auftrag für einen deutschen Discounter – nonstop: „Wir weben abgepasste Dessins mit bis zu acht Farben in Schussrichtung. Jeder Bettbezug ist identisch“, so Lippe.

Sechs Monate tüfteln – dann stimmte der Griff

Wülfing beliefert jede Handelsstufe – vom Fachhändler bis zum Massenmarkt. Auch im Berliner Kaufhaus des Westens ist der Wäschespezialist vertreten. Mit dem modernen Maschinenpark und dem Know-how der Mitarbeiter arbeitet das 450-Mann-Unternehmen ständig an Neuentwicklungen. Das Erfolgsrezept: Bekannte Produktionstechniken kombinieren.

So entstand Jacquard-Flanell, eine Neuheit auf dem Bettwäschemarkt. „Diese Variante hat sonst noch keiner“, sagt Josef Kölker. Gewebt wird der Stoff in der Jacquardweberei in Steinfurt, für den flauschigen Griff an der Oberfläche ist dann wieder Dirk Hinsel in der Borkener Rauerei zuständig.

Ein halbes Jahr hat es dann gedauert, bis er und seine Kollegen letztendlich mit dem Ergebnis zufrieden waren.


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