Interview

"Wohlstand gibt es nur mit uns"


Zupacken für den Standort: Der mittelständische Autozulieferer Arndt G. Kirchhoff sitzt im Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Foto: Wirtz

Wofür Industrie steht: Unternehmer Arndt G. Kirchhoff spricht Klartext

Arndt G. Kirchhoff steuert vom sauerländischen Attendorn aus die Kirchhoff Automotive GmbH mit 31 Werken in 12 Ländern.

AKTIV: Herr Kirchhoff, warum soll ein Unternehmer in Nordrhein-Westfalen investieren? Osteuropa ist doch viel billiger!

Kirchhoff: Weil wir hier in der geografischen Mitte Europas leben. Von hier aus kann man Güter kostengünstiger überall hin transportieren. Ein Beispiel: Wenn ich Stahl zur Verarbeitung nach Polen liefern lasse, verteuert die Logistik jede Tonne um 50 Euro. Man soll also nicht nur auf die Löhne schauen.

AKTIV: Dieser Vorteil allein kann die Zukunft des Standortes doch wohl kaum sichern.

Kirchhoff: Richtig. Wir müssen uns anstrengen. Und die Infrastruktur immer auf den neuesten Stand bringen.

AKTIV: Was heißt das?

Kirchhoff: Das heißt, moderne Anlagen nicht zu verhindern. Die Politik muss dafür die Gesetze schaffen. Ich erwarte, dass sie die Bürger davon überzeugt: Projekte wie das Steinkohlekraftwerk in Datteln oder die Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen Uerdingen und Dormagen dienen dem Gemeinwohl.

AKTIV: Alles für die Industrie?

Kirchhoff: Die Industrie erbringt 25 Prozent der Wirtschaftsleistung im Land. Auch die übrigen 75 Prozent von Handel, Handwerk und Dienstleistung hängen stark von der Wertschöpfung der Industrie ab. Wem würde die Bäckerei ihre Brötchen verkaufen, wenn es den Betrieb in der Umgebung nicht gäbe? Wohlstand gibt es nur mit Industrie.

AKTIV: Am 9. Mai sind Landtagswahlen. Kann eine Landesregierung denn noch viel ausrichten in Zeiten der Globalisierung?

Kirchhoff: Und ob. Sie kann zum Beispiel für den Standort werben – etwa mit Reisen des Ministerpräsidenten oder von Kabinettsmitgliedern in die Heimatstaaten potenzieller Investoren.

AKTIV: Was bringt das?

Kirchhoff: Nur im Gespräch kann man die Entscheider von den Vorteilen einer Region überzeugen, die sich nicht in Statistiken nachlesen lassen. Für NRW wären das etwa die Nähe zum Nordseehafen Rotterdam, die hohe Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer und die Attraktivität der Hochschulen.

AKTIV: Aber Reisen sind doch nicht alles?

Kirchhoff: Natürlich nicht. Über den Bundesrat kann die Landesregierung auf die Steuergesetzgebung Einfluss nehmen, die viel zu kompliziert ist und den Unternehmen das Leben schwer macht.

AKTIV: Ihr Fazit, Herr Kirchhoff: Wie hat unser Land die Krise bisher gemeistert?

Kirchhoff: NRW steht gut da. Als eigenständige Exportnation würden wir auf Platz 18 in der Welt liegen. In der Krise hat sich die Flexibilität der Unternehmen einschließlich der Belegschaften bewährt. 

 

www.kirchhoff-gruppe.de

www.bdi.eu

 

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