Standpunkt

Wofür AKTIV steht

Genau hingucken, keinem nach dem Mund reden – und Wirtschaft erklären

Viele haben es nicht lassen können, in dieser Silvesternacht den Beginn eines neuen Jahrzehnts  zu feiern – so wie vor zehn Jahren verfrüht den „Milleniumswechsel“. Dabei begann doch die allererste Dekade nicht mit dem Jahre 0, sondern mit dem Jahre 1. Und folglich beginnt auch jeder weitere Großabschnitt bei einer Jahreszahl mit Eins am Ende.

Auch über den jüngsten Regierungswechsel hat diese Wirtschaftszeitung nicht voreilig gejubelt. Warten wir ab! Die Kanzlerin will ja diesmal ihre Wahlversprechen halten – was freilich derzeit vor allem heißen soll, dass möglichst alles beim Alten bleibt. Und es fällt auf: Es ist just der als marktliberal firmierende neue Koalitionspartner, der die Verwässerung der Hartz- IV-Reform zu seiner Herzensangelegenheit macht. Stichwort „Schonvermögen“.

Nun meint ja so gut wie jeder sofort zu sehen, dass es nur „gerecht“ ist, wenn man nicht nur als Hütten-, sondern auch als Villenbesitzer Arbeitslosengeld II beziehen darf. Noch mehr ins Gewicht schlägt, dass das zu schonen­de Geldvermögen künftig erheblich größer sein darf. Solche Besitzstandsgarantien laufen darauf hinaus, dass die Masse der Steuerzahler den Lebensunterhalt auch für vermögensrechnerisch Zahlungsfähige übernimmt und daher selbst weniger vorsorgen kann. Gerecht? Wie man sieht, beherzigt AKTIV von Anfang an den guten Vorsatz, auch 2010 die Regierung mit kritischem Wirtschaftsblick zu beäugen.

Eine von den Arbeitgebern gesponserte Zeitung für Arbeitnehmer ist ihr Geld nur wert, wenn sie von Arbeitnehmern gelesen wird, nicht bloß von den Sponsoren. Da muss die Platte von der „Lohnzurückhaltung“ gelegentlich in der Hülle bleiben. Öfter anklingen mag dies: dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer erst in zweiter Linie gegensätzliche Interessen haben. In erster Linie sind sie Geschäftspartner. Mögen Arbeitnehmer auch in erster Linie hören wollen, was ihre „Interessen-Vertreter“ sagen: Die meisten werden aber gerne auch mal abgreifen, wie ihr Geschäftspartner das alles so sieht.

Harte Interessen-Vertretung läuft ja eigentlich nur, wenn der Arbeitsplatz sicher ist. In eher schlechten Zeiten rückt auch für die Tarifpartei Gewerkschaft der partnerschaftliche Ausgleich in den Vordergrund. Es brauchen nicht nur die Unternehmen Arbeitskräfte, sondern auch die Arbeitskräfte Unternehmen. Daran zu erinnern, ist Aufgabe von AKTIV – in guten wie in schlechten Zeiten.


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