Gesundheit

Wo Zellkulturen Medizin produzieren


Biberach. Europas größte Produktionsanlage für Biopharmazeutika steht in Biberach. Am Standort des Pharma-Herstellers Boehringer Ingelheim (4.600 Mitarbeiter) arbeiten Säugetierzellen für unsere Gesundheit.

In riesigen Bio-Reaktoren aus glänzendem Edelstahl (Fermentern) erzeugen sie Medikamente, die sich nicht über chemische Reaktionen gewinnen lassen. Die Herstellung der Wirkstoffe, die zum Beispiel Blutgerinnsel bei Schlaganfall und Herzinfarkt auflösen oder in der Krebstherapie eingesetzt werden, ist kompliziert. Denn dazu benötigt man lebende Zellen von Bakterien oder von Hamster-Eierstöcken (Ovarien).

„Wir verwenden eine Zell-Linie, die schon vor vielen Jahren aus Ovarien des Chinesischen Hamsters gewonnen wurde“, erklärt Produktionsleiter Christian Eckermann. Damit die Zelle wie eine Mini-Fabrik das gewünschte Produkt – ein Eiweiß – erzeugt, schleusen ihr die Forscher eine Erbinformation ein, die DNA.

Die Zellen müssen „gefüttert“ werden

Für die Anzucht vermehren die Wissenschaftler die Zellen zunächst in kleinen Fermentern in wenigen Millilitern Nährlösung. „Die enthält unter anderem Zucker, Salze, Vitamine und Aminosäuren“, sagt Markus Brakel, der für die Prozess-Entwicklung im Labor zuständig ist. Die Zellen teilen sich einmal am Tag und vermehren sich fortlaufend. Immer wieder muss man die ständig trüber werdende schaumige Lösung in größere Behälter umschütten. Das Problem dabei: Je größer die Fermenter, umso schwieriger ist es, innerhalb der Tanks die gleichen Bedingungen zu erreichen.

Ständig kontrollieren Mitarbeiter den pH-Wert, die Temperatur und die Zusammensetzung der Nährlösung. Nach sechs bis acht Wochen füllt die Mischung sechs Edelstahltanks, die gleich drei Stockwerke einnehmen.

Viel Lösung, wenig Ertrag

In den 15.000 Litern fassenden Behältern leben die Zellen mehrere Tage und scheiden das gewünschte Eiweiß aus. „Dieses Protein müssen wir nun aus der Lösung isolieren“, erklärt Biochemiker Eckermann. Das geschieht mithilfe von Filtern und Zentrifugen.

Die Ausbeute ist gering. Eckermann: „Am Ende bleiben von den 15.000 Litern nur wenige Kilo Wirkstoff übrig.“ Das Medikament wird abschließend durch Gefriertrocknung stabilisiert und die Sicherheit streng überprüft. Die Behörden fordern für die Zulassung eine Reinheit von 99,9 Prozent.

Am Standort entstehen insgesamt 19 verschiedene Wirkstoffe.

www.boehringer-ingelheim.de

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Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

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