Mittelstand

Wo Sorgfalt Pflicht ist


Die Schreiner Group trägt mit kleinen Etiketten große Verantwortung

Oberschleißheim. Im klinisch wirkenden Raum riecht es, als habe ein Malertrupp gerade erst mit seiner Arbeit aufgehört. Endlos wirkende Bahnen von selbstklebenden Etiketten werden ruckartig durch Druckmaschinen gezogen. Im gleichen monotonen Takt wird Farbe durch feinstes Gewebe gepresst. Das technische Zusammenspiel funktioniert perfekt.

Die mit Hauben bemützten Mitarbeiter der Produktion wirken sehr konzentriert. Sie achten darauf, dass die Maschinen der Schreiner Group vorschriftsmäßig laufen. Die Anlagen bedrucken gerade Etiketten für die Pharma-Industrie – Hunderttausende am Tag. Sie werden einmal Auskunft über den Inhalt von Spritzen geben.

„Mit einem Haar kann man in meiner Branche seinen Ruf verlieren“, erklärt der Unternehmer Helmut Schreiner die große Bedeutung von Sauberkeit und Präzision.

Denn verfälscht nur ein Haar auf der Druckform eine zahl, kann das bereits Leben kosten: Die mit winzigen Buchstaben und Ziffern bedruckten Etiketten müssen eindeutig zu lesen sein. Sie geben Inhaltsstoffe und Dosierung auf Medikamenten, Infusionsflaschen oder Spritzen an.

Auf Spritzen, Maschinen und Autoteilen

Rund 650 Beschäftigte arbeiten in Oberschleißheim nahe München bei der Schreiner Group. Die Firma stellt Spezial-Etiketten unter anderem für den Auto-Sektor, die technische Industrie sowie die Pharma-Branche her. Die Kunden kommen aus 47 Ländern.

Das Unternehmen beziffert die jährliche Fluktuationsquote der Belegschaft auf 2,5 Prozent – ein extrem niedriger Wert. „Die Mitarbeiter fühlen sich wohl bei uns“, erklärt Helmut Schreiner. „Freude an der Arbeit ist die Voraussetzung für dauerhafte Leistung.“

Freude gehört neben Qualität, Leistungskraft und Innovation zu den vier Unternehmenswerten, denen sich die Schreiner Group verpflichtet fühlt.

Die Produkte von heute haben nichts mehr mit den Siegelmarken von 1951, dem Gründungsjahr des Unternehmens, gemein. Damals produzierte Helmut Schreiners Vater, zunächst in einer Garage am Wohnhaus in München, Siegelmarken und Anhänger. Mit Letzteren wurde früher häufig hochwertige Wäsche gekennzeichnet.

Dieses Marktsegment ist mittlerweile nicht mehr im Fokus.  Dafür lassen sich Schreiner-Etiketten  heute  an  anderen  Orten  finden: auf Autoteilen, an Maschinen, in Handys oder eben auf Spritzen. Und sie sind nicht  mehr  bloß Träger von schriftlichen Informationen.

Wasserkontakt verfärbt Handy-Etikett

Manches moderne Handy etwa ist mit einer Art Nässe-Detektor ausgestattet: Ein spezielles Etikett im Inneren verfärbt sich, falls das Gerät ins Wasser fällt. Die Hersteller können auf diese Weise leichter ungerechtfertigte Garantieansprüche abschmettern.

Die jüngste Innovation ist „Needle-Trap“. An dem Spritzenetikett ist ein kleiner „Nadelfänger“ aus Kunststoff angebracht. Nach Gebrauch der Spritze müssen Ärzte oder Krankenschwestern nun nicht mehr die Verschlusskappe vorsichtig mit der zweiten Hand auf die Nadel pfriemeln – und sich dabei womöglich verletzen oder infizieren. Denn die Spitze lässt sich bequem in die Plastik-Vorrichtung drücken und ist somit gesichert.

„Wir brauchen Pioniergeist und müssen kontinuierlich neue Produkte und daher auch das Unternehmen neu erfinden“, erklärt Helmut Schreiner. Und setzt hinzu: „Wenn eine Firma meint, sie könne sich ausruhen, geht es schnell abwärts.“

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