Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Wo junge Designer ihr Handwerk erlernen


Berlin. „Klappern gehört zum Handwerk.“ Annegret Banse lacht über die Doppeldeutigkeit des Satzes. Es klappert tatsächlich in der Werkstatt: Fünf Studenten üben an den 16-schäftigen Muster-Webstühlen. „Weben, stricken oder sticken gehören zum Werkzeugkasten der Studenten für Textil- und Flächendesign“, so die Dozentin. Schließlich müssen sie wissen, wie sie ihrem Material eine neue Form oder andere Oberfläche geben können.

Den Bachelor- und Master-Studenten, alle im zweiten Studienjahr dieser Fachrichtung an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, verrät Banse den einen oder anderen Trick, korrigiert, ist bei Fragen mit einer raschen Antwort zur Stelle. Sie gehört zu einem Team aus drei Professoren, zwei künstlerischen Mitarbeiterinnen und bis zu sechs Dozentinnen.

Mehrtägige Aufnahmeprüfung

„Das Handwerkliche in Verbindung mit konzeptionellem Denken ist eine der Grundlagen, um als Designer arbeiten zu können“, erläutert Zane Berzina, Professorin für Textil- und Flächendesign. Das technische Wissen über das Material und seine Verarbeitung sei natürlich von Vorteil. Begabung, Fantasie und Kreativität wiederum seien unbedingt vonnöten. „Gute Designer arbeiten methodisch, strukturiert und systematisch – und sie brauchen viel Disziplin“, weiß Berzina.

Jedes Jahr meistern 15 junge Leute die drei- bis viertägigen Aufnahmeprüfungen für das Fach Textil- und Flächendesign an der Kunsthochschule Weißensee. Bewerbungen gibt es um die 100. Praktische und theoretische Aufgaben sind zu bewältigen, ein Abschlussgespräch entscheidet über die Aufnahme.

Das erste Studienjahr absolvieren alle Studenten gemeinsam. Ob Bildhauer, Kostüm- und Bühnenbildner, Maler und Mode- oder Textildesigner – in diesem Jahr werden die künstlerisch-gestalterischen Grundlagen gelegt. Erst ab dem zweiten Jahr geht es in die Fachbereiche. Dann warten neben der theoretischen Ausbildung schon die ersten praktischen, selbstständigen Projektarbeiten.

„Wir geben ein generelles Thema vor, wie etwa in diesem Jahr ,gifts‘ (zu Deutsch: Geschenke), dann sind die jungen Leute gefragt“, erklärt Zane Berzina. Für die Umsetzung ihrer Ideen können die Studenten die Werkstätten der Hochschule – von der Färberei über die Buchbinderei bis hin zum Laser-Druck und der Tischlerei – frei nutzen.

Den Studenten bleiben für ihre Semesterarbeiten nur knapp drei Monate. Von der Qualität ist dann selbst Berzina immer wieder überrascht. So dachte sich Stephanie Mittmann das Projekt „Green Jeans“ aus. Sie schredderte alte Jeans und tüftelte so lange, bis sich der Faserbrei wie Papier schöpfen ließ. Der Clou: Durch das Schöpfen in Formen entsteht kein Verschnitt.

Mittmanns Kolleginnen Isabelle Dechamps und Ixmucane Aguilar wiederum setzten im Projekt „able“ ihre Idee um, Behinderte selbst kreativ werden lassen, damit sie Produkte entwerfen und produzieren können.

Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten

Relativ neu ist das „e-Lab“. Hier geht es darum, wie sich elektronische Bauteile ins Design funktional einbinden lassen. „Es ist spannend, die neuen Technologien für unsere Zwecke auszuloten“, so Berzina. Im „Labor“ wird deshalb fächerübergreifend gearbeitet. Neue Ideen entstünden, wenn unterschiedliche Denkweisen zueinanderkämen.

Deswegen lehren regelmäßig Gastprofessoren im Fachgebiet, zum Beispiel aus England. Professorin Berzina: „Wir kooperieren auch mit Fraunhofer- und anderen Instituten.“ Von der Nähe zur Forschung profitieren auch die Studenten. Immer wieder gewinnen die Weißensee-Absolventen Design-Preise, wie den Innovationspreis Textil vom Gesamtverband textil+mode.

Info: Hochschule mit internationalen Kontakten

Die Kunsthochschule Berlin-Weißensee wurde 1946 in Berlin auf dem Areal einer alten Schokoladen-Fabrik gegründet. Heute hat sie 850 Studenten, davon kommt jeder Fünfte aus dem Ausland. In den Studiengängen Modedesign sowie Textil- und Flächendesign werden jedes Jahr rund 30 Studenten aufgenommen. Am 14. und 15. Juli 2012 öffnet die Hochschule von 12 bis 20 Uhr ihre Werkstätten und lädt zum Gespräch mit Dozenten ein.

kh-berlin.de

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