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Wo ist die Höflichkeit geblieben?


Mehr als nur Blick für Technik: Tugenden wie Höflichkeit und Disziplin sind wichtige Stärken – und können sogar fachliche Defizite ausgleichen. Foto: Reintjes

Eine Metall-Firma sponsert Benimm-Kurse

Hannover/Aerzen. Disziplin, Pflichtbewusstsein, Ordnungssinn, Höflichkeit. Oder moderner: Motivation und Teamfähigkeit. Die „Sekundär-Tugenden“ entwickeln sich zu einem kritischen Faktor auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

„Natürlich sind uns Kenntnisse in Naturwissenschaften, Mathe und Deutsch wichtig“, sagt Claudia Beckert, Personalchefin der Aerzener Maschinenfabrik GmbH in Aerzen bei Hameln. „Doch wenn ich bei Kopfnoten wie Sozialkompetenz oder Leistungswille den Vermerk‚ mit Einschränkung lese, schaue ich mir den Bewerber gar nicht erst an.“

Das Unternehmen steuert gegen und betreibt Selbsthilfe: Es sponsert Benimmkurse einer örtlichen Schule, bei denen Hotel-Fachkräfte über Umgangsformen dozieren. „Das Interesse ist groß, auch in unserer Lehrwerkstatt“, erzählt Beckert. „Die Auszubildenden brauchen und wollen Orientierung und eine klare Ansage.“

Sie sieht die Schuld keineswegs bei der Jugend von heute: „Nicht alle Eltern vermitteln ihren Kindern die nötigen Werte. Und die Lehrer können das Elternhaus nicht ersetzen.“ Seriöses Auftreten und ein Mindestmaß an Etikette seien nicht nur bei denjenigen Mitarbeitern gefragt, die das Maschinenbau-Unternehmen aus dem Weserbergland nach außen vertreten, sagt Beckert. „In der Fertigung, in der Verwaltung, in allen Bereichen wird im Team gearbeitet. Damit das funktioniert, muss uns jeder Mitarbeiter gewisse Sekundär-Tugenden mitbringen.“

Das Problem betrifft viele

Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) vermisst jeder zweite Ausbildungsbetrieb  bei Schulabgängern  Leistungsbereit-schaft und Motivation. „Gute Umgangsformen können schwächere schulische Noten in Teilen ausgleichen“, erklärt DIHK-Bildungsexperte Thilo Pahl. „Angesichts des Wettbewerbs um knappe Lehrlinge geben Betriebe zunehmend auch lernschwächeren Jugendlichen eine Chance – wenn die Persönlichkeitsfaktoren stimmen.“

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