Alles ohne Abi

Wo Facharbeiter gute Aufstiegschancen haben


Balingen. Das ist was für Tüftler: Auf den ersten Blick sieht man ein Wirrwarr aus Dioden und Drähten. Doch Michael Schaudt weiß genau, was wohin gehört. Er entwickelt bei Bizerba Verfahren für die Prüfung von Leiterplatten. Kein einfacher Job: „Man braucht technisches Verständnis“, sagt Schaudt mit schwäbischer Bescheidenheit.

In Wahrheit wäre kaum ein anderer bei dem Balinger Waagen-Hersteller in der Lage, seine Aufgabe zu übernehmen. Er ist deshalb geschätzt und gut bezahlt. „Ohne Studium“, wie er betont: „Das habe ich nie angestrebt und bisher nicht bereut.“

Aufstieg und bessere Bezahlung

Nach der mittleren Reife begann Schaudt bei Bizerba eine Elektroniker-Ausbildung. Es folgten einige Jahre als Servicetechniker in Frankfurt. Zurück in der Heimat entschloss Schaudt sich zu einer Techniker-Fortbildung.

einem Arbeitgeber blieb er treu. Und der gab ihm anschließend die Chance, in die Entwicklung von Prüfverfahren einzusteigen.

Diese Aufgabe findet der 38-Jährige nach wie vor spannend: „Hier gibt es immer wieder neue Projekte. Ich lerne ständig dazu.“

Für die Personalleiterin Elsbeth Haberer ist Schaudt „das gelebte Beispiel einer Expertenkarriere“. Ein Weg, den sie bei Bizerba etablieren will.

Deshalb wurde bei dem Technologie-Unternehmen das „Bizerba Kompetenz-Modell“ entwickelt: Expertenwissen wird gleich bewertet wie Führungskompetenz.

Aufstieg und bessere Bezahlung sind so auch für Spezialisten ohne Personalverantwortung möglich.Haberer erklärt den Hintergrund: „Wir wollen klarmachen, dass man auch ohne Studium im Unternehmen etwas werden kann. Die gut ausgebildeten und erfahrenen Facharbeiter sind für den Betrieb unentbehrlich.“

Denn neben dem Ingenieurmangel macht sich in Baden-Württemberg auch ein Mangel an Facharbeitern immer mehr bemerkbar. Nach einer aktuellen Umfrage fehlen fast 130.000 Fachkräfte mit Berufsausbildung. Besonders begehrt in den Südwest-Betrieben sind Facharbeiter mit einer beruflichen Weiterbildung, also Techniker, Meister oder Fachwirte. „Wir unterstützen es auf alle Fälle, wenn sich ein Mitarbeiter fortbilden will“, sagt Personalchefin Haberer.

Unternehmen setzt auf eigenen Nachwuchs

Diese Möglichkeit will auch Mathias Mollenkopf nutzen. Nach der Ausbildung als Elektroniker für Geräte- und Systemsteuerung startete der 23-Jährige gleich als Servicetechniker im Außendienst. Seitdem wartet und repariert er weltweit die Hightech-Waagen, die Bizerba in 120 Länder liefert. „Das Reisen ist interessant und der Verdienst ist gut“, sagt er. Den Techniker-Abschluss will er aber trotzdem noch machen.

Bizerba beschäftigt über 3.100 Mitarbeiter, mehr als 1.000 davon am Stammsitz in Balingen. Das Familienunternehmen setzt auf den eigenen Nachwuchs. Aktuell sind in Balingen 39 junge Menschen in Ausbildung, 14 am Standort Messkirch und weitere 3 in Bochum.

Weil die Ausbildung einen hohen Stellenwert hat, wurde die Lehrwerkstatt Ende letzten Jahres aufwendig erweitert und modernisiert. Denn auch für die Metall- und Elektrobetriebe wird es schwieriger, genügend Nachwuchs zu finden. Bei den Mitgliedsbetrieben des Arbeitgeberverbands Südwestmetall blieben 2012 zwar nur 271 Ausbildungsplätze unbesetzt gegenüber 9.131 besetzten Stellen. Das ist immerhin ein Anstieg um 29 Prozent im Vergleich zu 2011.

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