Weltmarktführer

Wo der Schoko-Nikolaus herkommt


Eine Firma aus Oberbayern stellt die Formen her

Glonn. „Schau mal, ich hab ihm den Kopf abgebissen, Papa!“ Aber ja, den Bischöfen und Weihnachtsmännern geht es jetzt an den Kragen. Ratzfatz sind sie verputzt. Dabei steckt so viel Aufwand in den hübschen Naschereien,  wie ein Besuch beim Familienbetrieb Brunner in Glonn bei München zeigt. Dort ist die Geburtsstätte der meisten Schoko-Nikoläuse.

400 neue Figuren pro Jahr

Die Firma Brunner mit ihren 110 Mitarbeitern ist Weltmarktführer für Schokoladenformen. Hier entstehen jährlich rund 400 neue Figuren, nicht nur der Nikolaus.

Ob Bischof oder Weihnachtsfrau, Kamel oder Osterhase auf Schlittschuhen, australische Beutelratte oder Fotoapparat: Im Beratungsraum des Unternehmens zeigt Geschäftsführer Rudolf Schwai­ger Süßwaren-Herstellern, was alles möglich ist. „Es gibt nichts aus dem alltäglichen Gebrauch, was es nicht auch in Schokolade gibt“, sagt er dann, und zeigt auf meterhohe Regale voller Schoko-Schöpfungen.

Für Kunden in Dubai stellt Brunner sogar Formen her, die mit Kamelmilch ausgegossen werden. Der krisenfeste Betrieb setzt jährlich rund 10 Millionen Euro um.

In den Formen steckt viel Handarbeit. Und Kreativität: Designer Toni Asanger zeichnete früher Fahndungsbilder für die Polizei. Er skizziert die Figuren und modelliert sie mit Plastilin oder Gips. Für die Entwürfe eignet sich kein Computerprogramm – nicht einmal das, mit dem die Saurier des Films „Jurassic Park“ kreiert wurden. Für Brunner arbeiten auch drei externe Designer, darunter eine Holzbildhauerin aus Kanada.

Erst wenn die Entwürfe fertig sind, werden sie digitalisiert, für die computergesteuerte Produktion. Dann fräsen Maschinen, wie von Geisterhand dirigiert, die Details der Figuren in Rohlinge aus Aluminium oder Kunststoff. Um diese Zeit sind es schon Hasen und Hennen – die müssen zu Ostern in den Regalen stehen.

Designer reagieren auf Trends

Die fertigen Teile nennen Experten Stempel oder Werkzeuge. Sie kommen in die Kunststoffpresse, denn die eigentlichen Formen sind aus „Polycarbonat“. Damit revolutionierte Brunner in den           50er-Jahren die Welt der Schoko-Formen. Zuvor waren sie nämlich aus Metall und viel teurer.

Weggeworfen hat Schwaiger die alten Formen nicht. Zum Glück: 2008 war der „echte  Nikolaus“ mit Mitra und Bischofsstab wieder gefragt, als Gegenpol zum zipfelmützigen Coca-Cola-Mann.

Den finsteren Nikolaus aus Omas Zeiten ließ Schwaiger allerdings aufpeppen. Er guckt jetzt freundlich aus großen Augen, ist von Kindern umringt: „Die Kleinen sollen sich ja freuen und nicht Angst haben, wenn sie so einen Schokokerl geschenkt bekommen.“ 

Carola Renzikowski

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