Schulbücher

Wirtschaft wird zu wenig greifbar


Gewinne und Investitionen? Im Unterricht meistens egal

Köln/Potsdam. Wie ein Betrieb funktioniert, ist nicht so wichtig. Was die Unternehmer tun, muss man nicht verstehen. Der Mittelstand ist nicht der Rede wert. Denn der Staat wird’s schon richten ...

Raten Sie mal: Wer vermittelt jeden Tag indirekt solche Botschaften an junge Menschen? Die verblüffende Antwort: Schulbücher.

„Verzerrte Darstellung“

43 Bände, die im bevöl­kerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen für den Unterricht zugelassen sind, haben Helmut Klein und Teresa Schare vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) auf ökonomische Themen abgeklopft.

Ihr Fazit: „Offensichtlich wird ein Teil der wirtschaftlichen Realität ausgeklammert.“ Die Bedeutung von Gewinnen und Investitionen zum Beispiel. Oder Chancen und Risiken der Selbstständigkeit. Oft Fehlanzeige – oder nicht sachgerecht erklärt.

„Unternehmen werden meist eingebettet in einen formalen Wirtschaftskreislauf, der Automatismus und staatliche Lenkung suggeriert“, kritisieren die IW-Forscher.

Ganz ähnlich war schon ihr Befund für rheinland-pfälzische Schulbücher ausgefallen. Und der Ökonomie-Doktorand Justus Lenz, der für die Friedrich-Naumann-Stiftung deutsche und schweizerische Schulbücher unter die Lupe genommen hat, schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Ergebnisse sind zum Teil erschreckend.“ Besonders verzerrt sei die Darstellung wirtschaftlicher Themen in den Erdkunde-Büchern.

Nun können Schulbücher nur so gut sein, wie es die Lehrpläne erlauben. Diese müssten denn auch verbessert werden, empfiehlt das IW jetzt für Nordrhein-Westfalen. Notwendig seien fächerübergreifende Vorgaben in Sachen ökonomische Bildung – als erster Schritt auf dem Weg zu einem eigenständigen Unterrichtsfach Wirtschaft. Ein eigenes Fach fürs wichtige Thema: Das wollen auch die Haupt- und Realschul-Pädagogen im Verband „Lehrer NRW“. Und das fordert natürlich die Wirtschaft selbst.

Der Spitzenverband „Unternehmer NRW“ nennt als Ziel: „In den Schulen muss ein Verständnis für unsere Wirtschaftsordnung einschließlich ihrer ethischen Fundierung vermittelt werden.“

Pflichtfach in Bayern

Das ist kein revolutionäres Verlangen. An Bayerns weiterführenden Schulen etwa ist das Pflichtfach längst eingerichtet. So bekommen Hauptschüler dort schon ab der fünften Klasse Noten für „Arbeit, Wirtschaft, Technik“. Übrigens: Das IW spürt in Sachen ökonomische Bildung nicht etwa nur die Lehrbuch-Lücken auf – es leistet auch ganz praktische Nachhilfe. Etwa mit dem bundesweiten Projekt „Junior“: Jahr um Jahr lernen da Tausende Schüler, ihre eigenen Geschäftsideen im Team zu verfolgen.

Auf der Netz-Seite www.juniorprojekt.de erfährt man dazu Näheres.

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Schlagwörter: Schule

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