Themen-Special: Standort Bayern

Wird einfache Arbeit zu teuer, bedroht das auf Dauer ungelernte Kräfte

Nürnberg. Es zischt und raucht am Schachtschmelzofen – vor der glühenden Hitze schützt eine silberfarbene Spezialkluft: Alltag in der Leichtmetallgießerei Schulte & Schmidt. Hier, im Nürnberger Stadtteil Schweinau, werden viele Aufträge auf klassische Art erledigt. Dazu braucht man Arbeitskräfte, die so etwas noch können. Und die bezahlbar bleiben.

Am gleichen Standort betreibt das Unternehmen auch hochmoderne Gießereianlagen. Da läuft alles vollautomatisch. Warum nicht auch die bisher nur teilautomatisierten Anlagen auf den neuesten Stand bringen?

Diese Frage stellt sich für Firmenchef Roland Schulte durchaus. Doch gibt er zu bedenken: „Da spare ich zwar geringer qualifizierte Anlagenbediener ein – aber ich brauche für die neuen Anlagen höher qualifizierte, teure Programmierer.“ Die Handarbeit für kleine Aufträge mit hohem Rüstaufwand – wie lange wird sie sich noch lohnen?

Mit solchen Überlegungen muss Schulte ständig jonglieren. Er macht die klare Ansage: „Alles, was die Produktion verteuert, ist für den Betrieb negativ.“ Denn im knallharten Wettbewerb sind höhere Preise schon lange nicht mehr durchzusetzen. Im Gegenteil: „Die Kunden fordern Preisnachlässe. Und die Konkurrenz, zum Beispiel in der Türkei, wird stärker.“

Jeder siebte Mitarbeiter am Standort Nürnberg hat keinen oder nur einen branchenfremden Berufsabschluss. Im Schnitt der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) sind es sogar noch mehr: Jeder Fünfte ist un- oder angelernt. Wenn solche Kräfte pro Stunde zu teuer werden – stehen ihre Jobs dann auf der Kippe?

Eine indirekte Antwort gibt im Fall von Schulte & Schmidt nicht nur der Blick auf die vollautomatischen Anlagen. Sondern auch die Firmengeschichte. Seit 2008 gibt es ein Werk in Rumänien, wo die Löhne deutlich niedriger sind. „Die Verlagerung in Low-Cost-Länder ist für uns aber kein Königsweg“, beteuert Schulte. Er will weiter auf Bayern setzen; in Nürnberg sowie in Flossenbürg und Vohenstrauß (beide Oberpfalz) arbeiten insgesamt knapp 700 der 850 Beschäftigten. Dass das mal kippen könnte, hofft Schulte nicht – hält es aber für denkbar.

„Der Planungshorizont wird immer kürzer“, sagt er. „Sogar unsere Preisverhandlungen mit den Kunden für das laufende Jahr sind noch immer nicht unter Dach und Fach.“

Das Beispiel zeigt: Steigen die Arbeitskosten zu stark, gefährdet das auf Dauer Arbeitsplätze. Dabei stehen die Jobs von Kollegen mit geringer Qualifikation ohnehin unter Druck – weil standardisierte Arbeitsschritte seltener werden und mehr Handgriffe durch Roboter erledigt werden können. An- und Ungelernte werden in den Betrieben auch künftig gebraucht. Ihr Anteil dürfte aber deutlich sinken.

Zusätzliche Stellen entstehen vor allem bei den höher qualifizierten Tätigkeiten. Das belegt die jüngste Konjunkturumfrage der M+E-Arbeitgeberverbände bayme und vbm: Gesucht wird zu 80 Prozent Personal für „White-Collar-Jobs“, etwa in Verwaltung, Vertrieb und Forschung.

Für Anwärter auf „Blue-Collar-Jobs“, also M+E-Facharbeiter sowie An- und Ungelernte, bleibt nur jede fünfte offene Stelle.


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