Zeitarbeit

Wir wurden übernommen


Warum SHW Schmiedetechnik zusätzliche Kräfte braucht – und zum Teil behält

Baiersbronn. Das zischt: Soeben hat Mathias Tag einen glühenden Stahlzinken zum Härten ins Wasser gelegt. Eigentlich ist er gelernter Techniker im Bereich Sanitär-Heizung-Klima. Doch seit Oktober gehört er zur Stammbelegschaft der Firma SHW Schmiedetechnik im Schwarzwaldort Baiersbronn. Zuvor war er ein halbes Jahr als Zeitarbeiter in dem Unternehmen.

„Super, dass ich übernommen wurde“, freut sich der Familienvater, „das habe ich gar nicht erwartet.“ Dabei ist ein solcher Einstieg in diesem Betrieb ziemlich häufig. Geschäftsführer Hans-Jörg Wolter hat nachgezählt: „Jeder zweite unserer 55 festen Mitarbeiter hat als Zeitarbeiter bei uns angefangen.“ Für ihn ist das der ideale Weg, um Stammkräfte zu finden.

Stark schwankendes Geschäft

Die Schmiede braucht ohnehin Zeitarbeiter, um Schwankungen auszugleichen. Ihre Spaten, Hacken und Gabeln für Profi- und Hobbygärtner werden nämlich vor allem im Frühjahr gekauft, die Rechen und Äxte im Herbst. Die Bau- und Gartenmärkte ordern bei SHW erst kurz vor dem großen Ansturm, denn Lagerhaltung ist nicht mehr gefragt.

Also produziert der Marktführer jetzt die Hacken, die Gärtner im Frühjahr zum Lockern ihrer Böden kaufen. Mit von der Partie: sechs Zeitarbeiter. Das Unternehmen stellt außerdem Teile für Landmaschinen her. Auch diese werden vor allem zum Frühjahr und Herbst geordert, wenn Landwirte die Felder beackern. Verschiedene Messer, Schlegel und Zinken aus Baiersbronn werden dann als Werkzeuge an Traktoren montiert.

10 Millionen Euro Umsatz macht der Betrieb im Jahr. Allein 450.000 Zinken verlassen in diesem Zeitraum das Werk. Unter den Zeitarbeitern sind etliche Russlanddeutsche, wie Gregor Rudik. Ihre Lehrberufe werden bei uns zum Teil nicht anerkannt.

Rudik bedient den Ofen am Schmiede-Automat. Zwei Jahre war der gelernte Mechaniker bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, seit zweieinhalb Jahren ist er nun bei SHW angestellt, weil eine feste Stelle frei wurde. Darüber ist er froh: „Beim Zeitarbeitsunternehmen habe ich weniger verdient.“

Kein größerer Kostenvorteil

Trotzdem bringt Zeitarbeit den Einsatzbetrieben nicht unbedingt einen Kostenvorteil. Die Firma SHW muss der Zeitarbeitsfirma in etwa so viel zahlen, wie sie auch für einen festen Mitarbeiter ausgibt.

Die großen Walzmaschinen laufen auf Hochtouren. Drei eigene und drei Zeitarbeiter stehen an den Hebeln. Volle Auslastung herrscht dort, im Gegensatz zu den anderen Bereichen, höchstens acht Monate pro Jahr. Wenn es wieder ruhiger wird, geht das Arbeitsleben auch für die Zeitkräfte weiter: Entweder woanders bei SHW oder in einem anderen Betrieb – schließlich haben sie ja bei ihren Zeitarbeitgebern feste Verträge.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang