Weiterbildung

„Wir wollen die Zeit nutzen!"


Kurzarbeit: Bei der Schweizer Group stehen jetzt Seminare auf dem Programm

Hattenhofen. Bei Thorsten Butter klingelt das Schnurlos-Telefon. Er läuft durch die Gießerei, sein Rat ist mal hier gefragt, mal dort: Ist das Gussteil in Ordnung? Ist die Maschine richtig eingestellt? Vor sechs Jahren hat er als Maschinenbediener angefangen, heute ist er stellvertretender Schichtführer. Er hat sich hochgearbeitet bis zum Industriemeister der Fachrichtung Gießereitechnik.

Doch jetzt ist Kurzarbeit angesagt, phasenweise steht die Produktion still. Däumchen drehen? Das ist nichts für Butter. Er hat einen Kurs gemacht. Titel: „Vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten“. Butter: „Alles, was ich jetzt mitnehmen kann, bringt mir später was!“

Jeder Zweite bildet sich jetzt weiter

So denken bei der Schweizer Group im schwäbischen Hattenhofen viele. Personalleiter Martin Oberle hat extra für die Zeit der Kurzarbeit ein Programm zusammengestellt. Der Arbeitsausfall liegt bei 25 bis 30 Prozent, die Zeit will er nutzen. Denn: „Wenn Sie als Automobil-Zulieferer am Hochlohn-Standort Deutschland bestehen wollen, ist qualifiziertes Personal Grundvoraussetzung.“

Der Betrieb produziert innovative Druckguss-Lösungen aus Aluminium und Magnesium, etwa für Motoren und Getriebe. 350 Beschäftigte arbeiten in Hattenhofen, 70 im Zweigwerk in Murrhardt. „Wir sind Highend-Anbieter“, betont Oberle, „da kommt es auf Perfektion an.“ Deshalb gibt es auch Kurse wie „Einführung in das Druckgießen“, oder „Fehler an Druckgussteilen“ für ungelernte Mitarbeiter. Jeder Zweite bildet sich jetzt weiter.

Der Mittelständler investierte schon vor der Krise viel in Weiterbildung. Die alten und neuen Angebote hat Oberle auf die Zeit der Kurzarbeit zugeschneidert. Die meisten Kurse laufen jetzt in überschaubaren Tagesetappen ab, bauen aufeinander auf. So bleibt die Produktion flexibel.

Weiterbildung statt Stillstand – das findet Thorsten Butter super. Auch fürs Teamgefühl: „In meinem Kurs waren Kollegen dabei, mit denen ich bisher nicht viel zu tun hatte“, erzählt er. Personalleiter Oberle stellt die meisten Seminare selbst auf die Beine, damit sie optimal zum Betrieb passen. Dafür nimmt er auch in Kauf, dass er sie zertifizieren lassen muss. Nur so werden sie von der Arbeitsagentur gefördert.

Der Personaler will damit auch ein Stück Sicherheit vermitteln. Er sagt: „Nach dem  Regen  kommt  wieder Sonnenschein!“

Barbara Auer

Entlastung für Betriebe

Der „Tarifvertrag zu Kurzarbeit, Qualifizierung und Beschäftigung 2009/2010“ entlastet Betriebe, die in Phasen der Kurzarbeit Qualifizierungsangebote machen: Weiterbildung wird nicht mehr generell als Arbeitszeit gewertet.

Die Unternehmen können daher auch für diese Zeiten staatliche Förderungen in Anspruch nehmen.

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