Investitionen

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Warum ein Mittelständler jetzt investiert – und warum das für viele andere Unternehmen schwierig ist

Remscheid. Hoppla, das war knapp! Gerade sind gleich zwei Kollegen dem Gabelstapler-Fahrer Thomas Pötzsch in die Quere gekommen – denn im Lager der Werkzeugfabrik Kukko in Remscheid (Nordrhein-Westfalen) ist es eng wie in einer Puppenstube. „Aber das wird sich ändern“, sagt Pötzsch – und lacht seinem Chef zu.

Michael Kleinbongartz, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt, könnte an diesem Tag die Welt umarmen. Er zieht ein Foto aus der Tasche, es zeigt ein riesiges Grundstück mitsamt Hallen im 35 Kilometer weiter westlich gelegenen Hilden, das er zwei Tage zuvor gekauft hat: „Nach 92 Jahren Firmengeschichte kann ich die inzwischen drei Werke, die alle in Remscheid liegen und viel zu eng geworden sind, endlich zusammenführen.“

Dem Unternehmer Kleinbongartz, der 100 Leute beschäftigt, hat dazu die Krise die Chance geboten: in Form eines Kredits zum Zins von nur 2 Prozent.

Insgesamt 8 Prozent mehr Investitionen

Nicht nur in Remscheid erweitern und modernisieren Firmen. Im zweiten Vierteljahr 2010, so weit reicht die Statistik, hat die deutsche Wirtschaft schlagartig 5 Prozent mehr investiert – in Grundstücke, Fabrikhallen, Maschinen, Patente und sonstige Werte. Die staatliche Förderbank KfW schätzt: Insgesamt fallen die Unternehmensinvestitionen dieses Jahr um 8 Prozent höher aus als 2009.

Dann liegen sie allerdings immer noch um fast 10 Prozent unter dem Niveau von 2008. Und: Der „atemberaubende“ Zuwachs im April, Mai und Juni dieses Jahres, betont KfW-Chef Ulrich Schröder, wird sich „so nicht stetig wiederholen“.

Reserven sind vielfach aufgezehrt

Denn nicht alle Betriebe bekommen so gute Kreditkonditionen wie Kukko: Die Werkzeugfabrik ist bislang stets ohne Fremdkapital ausgekommen und leiht sich für den Umzug überhaupt zum ersten Mal Geld bei der Bank. Laut einer KfW-Studie hatten die deutschen Betriebe vor der Krise im Schnitt eine Eigenkapitalquote von 26 Prozent. Fremdkapital brauchen die meisten, wie der Fisch das Wasser, um wachsen zu können. 

Die Eigenkapitalquote ist ein wichtiges Kriterium für Banken, und hier hat die Krise Spuren hinterlassen: Die Quo-te hat sich bei vielen Firmen verringert, stellt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fest.

Diese Entwicklung könne anstehende Kreditverhandlungen noch stark belasten. In Zeiten des Aufschwungs steige der Liquiditätsbedarf der Firmen, beobachtet DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier – doch die Reserven seien „in vielen Betrieben nach der Durststrecke aufgezehrt“.

„Banken suchen mit der Lupe aus“

Unternehmer Kleinbongartz weiß seine Chance zu schätzen. Die Banken seien ihm hinterhergelaufen: „Sie suchen zurzeit die Firmen, denen sie Kredite geben, mit der Lupe aus.“ Dass es aber nicht allen Betrieben wieder gut geht, zeigt sich schon daran, dass der verkehrsgünstige Standort Hilden überhaupt zum Verkauf stand – der Vorbesitzer musste ihn aufgeben.

Die Firma Kukko ist Weltmarktführer für „Abzieh-Werkzeuge“: Diese braucht man, um verspannte Bauteile von Maschinen oder Fahrzeugen zu lösen, etwa Kugellager, Zahnräder oder Bolzen. Rund 4.500 verschiedene hat Kukko im Programm. Die meisten sind maßgeschneidert.

Derzeit arbeiten einige Mitarbeiter an einem Abziehwerkzeug für das neue Auto der Bundeskanzlerin. „Angela Merkel bekommt einen gepanzerten Audi A8“, weiß Kleinbongartz. „Wir machen das Werkzeug für die Achsschenkelbolzen.“ Das benötigt die Werkstatt, wenn sie mal die Achse auseinanderbaut.

„Bald können wir sehr viel effizienter produzieren“, freut sich der Chef. Momentan kostet es ihn viel Zeit und Nerven, dass die Teile zwischen den Werken hin- und hergekarrt und dort mit Aufzügen befördert werden müssen. Jetzt schmiedet er Pläne: Nach der Verdoppelung der Produktionsfläche will er den Umsatz steigern – „in zehn Jahren um 100 Prozent“.

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