Interview

„Wir müssen Frauen fördern, aber auch fordern“


Eine starke Frau in der Chef-Etage: Martina Nighswonger (links) mit Mitarbeitern im Gechem-Werk an der Weinstraße. Foto: Sandro

Wie die Chefin von Gechem die Diskussion um die Quote bewertet

Sie hat sich durchgesetzt. Seit 2004 ist die 54-jährige Martina Nighswonger Geschäftsführerin und seit 2010 Inhaberin des Chemie-Unternehmens Gechem in Kleinkarlbach. Rund 110 Mitarbeiter hat sie unter ihren Fittichen. Zuvor war sie Führungskraft in der Finanz-Branche. Eine Frauenquote lehnt sie ab.

AKTIV: Wie war Ihre Anfangszeit in Kleinkarlbach?

Nighswonger: Widerstand habe ich nicht bemerkt, aber große Augen, Neugier und auch Skepsis.

AKTIV: Hatten Sie es als Frau schwerer?

Nighswonger: Anfangs schon. Als Frau wird man besonders auf die Probe gestellt. Ich bin zu Besprechungen mit Kunden gefahren und saß statt zwei plötzlich zehn Männern gegenüber – unangekündigt. Man hat meine Kompetenz infrage gestellt. Gerade der Einkauf ist eine Welt für sich. Da begegnet einem viel Arroganz. Heute denke ich: Die haben mich unterschätzt.

AKTIV: Sind Frauen die besseren Manager?

Nighswonger: Wir sind vielleicht nicht unbedingt besser, aber anders.

AKTIV: Inwiefern?

Nighswonger: Frauen sind vor allem klarer in der Ansage. Wissen Sie, Männer sind in Beziehungen eher konfliktscheu und sitzen Probleme aus – warum sollten sie im Beruf konfliktfreudiger sein?

AKTIV: Warum gibt es dann so wenige Spitzen-Frauen?

Nighswonger: Das liegt nicht an ihren Leistungen. Sondern an der Einstellung früherer Generationen. Ich habe meine Lehre als Bankkauffrau 1976 gemacht. Viele meiner Mitstreiterinnen haben schnell Familien gegründet. Kinder und dazu Karriere gab es kaum. Aber das wird sich ändern. Künftig rücken automatisch mehr Frauen nach oben.

AKTIV: Also brauchen wir keine Frauenquote, wie sie in der Politik diskutiert wird?

Nighswonger: Nein! Wer gut ist, macht seinen Weg schon. Wir sollten Frauen zwar fördern, aber eben auch fordern. Ich will Leistung und Biss sehen, egal ob beim Mann oder bei der Frau. Eine Quote würde dieses Prinzip verfälschen.

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