Mitbestimmung

„Wir kommen von zwei Seiten“


Beispiel BASF: Wie sich der Betriebsrat zur Firma stellt – und was er verdient

Als bundesweit erstes Großunternehmen gewährt der Chemiekonzern BASF einen Blick auf die Betriebsrats-Gehälter – Signal der Offenheit nach den Kungel-Affären bei VW und anderen. Dazu Betriebsratschef  Robert Oswald und Personalchef Hans-Carsten Hansen:

Interview

AKTIV: Wie viel Geld fließt von BASF an die Betriebsräte?

Hansen: Im Schnitt verdient ein Betriebsratsmitglied rund 60.000 Euro brutto im Jahr. Das sind 3 Prozent mehr bei vergleichbaren Mitarbeitern im Betrieb – was sich durch die Vergütung von Mehrarbeit erklärt. Die Spanne reicht von 30.000 bis 150.000 Euro. Über 100.000 Euro liegen drei der 53 Betriebsräte.

AKTIV: Keine Extras, wie sie anderswo Furore machten?

Oswald: Nein, es geht strikt nach beruflicher Herkunft und Entwicklung der einzelnen Mitglieder. Auch außerhalb des Gehalts gelten die gleichen Regeln wie für jeden normalen Beschäftigten. Die Konzernrevision checkt das alles genau.

AKTIV: Wodurch erklärt sich die Spannbreite der Gehälter?

Hansen: Dadurch, dass die Betriebsratsmitglieder aus unterschiedlichsten Qualifikationen und Berufen kommen –  und so viel verdienen, wie sie verdienen würden, wenn sie nicht die Betriebsratslaufbahn eingeschlagen hätten.

AKTIV: Und die Obergrenze liegt irgendwo bei 150.000 Euro?

Hansen: Momentan sind das die Spitzenbeträge inklusive Erfolgsbeteiligung/Bonus bei BASF. In einem Betriebsrat der Fußball-Bundesliga lägen sie wohl höher.

AKTIV: Die Spanne zu veröffentlichen, ist ein ungewöhnlicher Schritt. Was sagen die Kollegen?

Oswald: Wir haben nur positive Rückmeldungen. Einige meinen sogar: „Bei dem, was Ihr alles zu leisten habt, hätten wir Euch komplett im außertariflichen Bereich vermutet.“

AKTIV: Es gibt ja Leute, die sagen: Konzern-Betriebsräte  sind eigentlich Co-Manager, die müssen entsprechend bezahlt werden.

Hansen: Der Betriebsrat hat Interessen zu vertreten, die ihm vom Gesetz zugewiesen sind – und durch die er auch in Konflikt zur Firma geraten kann. Dann muss man zueinander finden, Kompromisse schließen. Aber von zwei verschiedenen Seiten! Nicht in von vornherein untergehakter Position.

Oswald: Der Begriff „Co-Management“ führt wirklich in die Irre. Natürlich müssen Betriebsräte in einer globalisierten Wirtschaft professionell sein – aber auf der Basis klarer Prinzipien, die für Bodenhaftung der Mandatsträger sorgen und für Akzeptanz an der Basis.

AKTIV: Erschrickt es Sie, dass man anderswo mit üppigen Zuwendungen an Arbeitnehmer-Vertreter offenbar Ruhe erkauft hat?

Oswald: Zu Vorgängen in anderen Unternehmen sage ich nur so viel: Wir wollen uns die Sozialpartnerschaft nicht von einigen schwarzen Schafen kaputtmachen lassen.

Hansen: Es ist falsch zu glauben, man könnte mit solchen „Methoden“ dauerhaft Probleme lösen. Kompromisse mit dem Betriebsrat sind nur tragfähig, wenn der Betriebsrat die Unterstützung der Mitarbeiter hat.

AKTIV: Sie wollen mit Ihrer Transparenz-Initiative ausdrücklich eine „Vorreiterrolle“ einnehmen. Was heißt das konkret?

Hansen: Na, dass welche hinterherreiten! Sonst wäre man ja nicht Vorreiter, sondern nur ein einsamer Cowboy!

Interview: Ulrich von Lampe

 

Info: BR-Gehälter

     

  • Das Betriebsverfassungsgesetz sieht das Betriebsrat-Mandat als „unentgeltliches Ehrenamt“.
  • In Betrieben ab 200 Mitarbeiter ermöglicht es freigestellte Betriebsräte.
  • Deren Entgelt soll sich jeweils am „vergleichbaren Arbeitnehmer mit betriebsüblicher beruflicher Entwicklung“ orientieren.
  • Ein Betriebsrat darf nicht „begünstigt“ werden.
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