Betriebskultur

„Wir können nur als Team gewinnen“

Sie stehen zu ihren Produkten: Fast alle Mitarbeiter waren hier schon Azubis – eine gute Basis auch für langjährige Kundenkontakte.

Die Westland Firmengruppe soll ein Familienunternehmen bleiben.

Die Tür zu Torsten Knappes Büro steht offen, Mitarbeiter kommen kurz rein, berichten von der Messe. „Wir kennen keine Hemmschwellen“, sagt der kaufmännische Leiter der Westland Gummiwerke. Später, beim Gang durch die Fertigung, gibt es hier einen Handschlag, da ein Hallo. Knappe betont: „Wir hier oben, ihr da unten – das gibt es bei uns nicht.“

Die Firma in Melle bei Osnabrück, geprägt von Senior-Chefin Dagmar zur Nedden sowie von Georg und Dawn zur Nedden, ist ein Familienunternehmen. Auch die leitenden Mitarbeiter setzen offensichtlich auf Teamgeist. Gutes Klima sei eben wichtig, erklärt der kaufmännische Leiter. „Nur so können wir gute Produkte herstellen und die Kunden zufriedenstellen.“

„Vorteil der ländlichen Struktur“

Knappe hat früher in der Hockey-Bundesliga gespielt, war später Trainer – er weiß also, was Mannschaftssport ist: „Wir können nur als Team gewinnen. Einzelkämpfer haben nur selten eine Chance.“
Westland legt großen Wert auf eine gute Mischung aus handwerklichem Können, theo­retischem Wissen und technischer Neugier. Um auf neue Ideen zu kommen, schauen sich die Entwickler auch schon mal in der Natur um – so hat man bei der Lotus-Pflanze beobachtet, wie sie Wasser abperlen lässt, und daraus neue Walzenbeschichtungen entwickelt. Die sind besser zu reinigen, langlebiger und umweltfreundlicher.

Druckwalzen für die grafische Industrie sind kein Einwegprodukt. Haben sie ihren Dienst getan, kommen sie zu Westland zurück und werden mit einer neuen Gummischicht überzogen. So entstehen jahrzehntelange Kundenbeziehungen: Man kennt sich.

Und das gilt auch intern. Fast jeder der 270 Mitarbeiter hat im Unternehmen seine Ausbildung gemacht, nicht wenige bleiben bis zur Rente. Aktuell zählt Westland 15 Azubis. Sie kommen in der Regel von der Realschule. Zudem beginnen im Herbst zwei Abiturienten einen dualen Studiengang: Im Betrieb bekommen sie das praktische Rüstzeug, das Studium absolvieren sie in der Fachhochschule Bielefeld-Minden.

Dem kaufmännischen Leiter Knappe ist die enge Kombination aus Theorie und Praxis wichtig: „Bildung hat für uns höchste Priorität.“ Dazu zählt für ihn ausdrücklich auch soziale Kompetenz.

Die Anzahl der Bewerbungen geht wie bei vielen Firmen auch bei Westland zurück – doch die Klagen mancher Ausbilder, wonach die Qualifikation der Schulabgänger kontinuierlich sinkt und ihre Bewerbungen immer häufiger schon in der äußeren Form zu wünschen übrig lassen, kann Knappe nicht bestätigen. „Das ist der Vorteil einer wirtschaftlich starken Region mit hoher Identifikation seiner Menschen“, meint er. „Hier stimmen die Familiengemeinschaften. Die Eltern zeigen Verantwortung.“

Trotz Globalisierung geht’s persönlich zu

Westland produziert seit gut 70 Jahren in Melle. Und dort wird das Vereinsleben hochgehalten. Knappe: „Wir achten bei unseren Bewerbern auch auf ein Engagement außerhalb der Schule – etwa in der Feuerwehr, dem Sportverein oder anderen sozialen Einrichtungen.“ Einser-Kandidaten müssen es nicht sein.
Inzwischen ist das Unternehmen zu einer international tätigen Firmengruppe gewachsen. An sechs europäischen Standorten gibt es Tochtergesellschaften mit weiteren 350 Mitarbeitern. Den familiären Charakter will Westland auf keinen Fall verlieren. „Das ist Teil unseres Erfolgsrezeptes“, sagt Knapp.


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