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„Wir halten den Betrieb am Laufen“


Arbeiten, wenn andere feiern: Diese Mitarbeiter übernehmen die Schicht an Heiligabend

 

 

Der Abend am 24. Dezember ist für die Familie reserviert. Man zündet die Lichter an, zerschneidet den Braten, beschenkt sich. Doch das ist nicht selbstverständlich: In vielen Betrieben läuft die Produktion auch an den Feiertagen. Schließlich wäre es bei Großanlagen extrem aufwendig, sie herunter- und kurz darauf wieder hochzufahren.

 

 

 

Und wo Maschinen stehen, packen Mitarbeiter mit an. Ohne sie geht nichts – allein in der Produktion des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen arbeiten rund 1.400 pro Schicht. Auch in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz bereiten sich Mitarbeiter auf die Arbeit an Heiligabend vor.

 

 

 

Gemeinsam kochen und essen

 

 

 

Edwin Kienzle (57), ein gelernter Operateur für technische Chemie, arbeitet schon 32 Jahre bei der BASF. Und davon 26 Jahre in der Budimat-Fabrik. Er ist Schichtführer. Mit seinen Kollegen wird er in der Nacht zum 25. Dezember die Produktion spezieller Chemikalien überwachen. Diese landen etwa in Weichmachern, in Tensiden für Waschmittel und in Aroma-Chemikalien.

 

 

 

Zu Kienzles Arbeit gehören Rundgänge durch die Anlagen mit ihren unzähligen Rohrleitungen, Tanks und Ventilen. Der Aniliner sieht der Weihnachtsschicht gelassen entgegen. „Meine Frau und ich haben uns längst daran gewöhnt.“ Doch er erinnert sich: „Als mein Sohn klein war, haben wir vorher die Bescherung gemacht. Da fiel es mir schwer zu gehen.“

 

 

 

Den Heiligabend wollen sich die Mitarbeiter in der Budimat-Fabrik schön gestalten, gemeinsam kochen und essen. Freilich mit Einschränkungen: Die Messwarte muss schließlich immer besetzt sein.

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Chemikalien-Hersteller Ineos Paraform in Mainz produziert an Heiligabend. Jürgen Höchst (55) leitet die Schicht im Hexa-Betrieb. Zusammen mit zwei Mitarbeitern kontrolliert er die Anlagen und Messwerte, stellt außerdem die Maschinen auf unterschiedliche Qualitäten um. In diesem Betrieb entsteht der chemische Stoff Hexamethylentetramin, der später unter anderem in der Reifen-Industrie landet.

 

 

 

„Heiligabend wird eine normale Schicht“, sagt Höchst. „Irgendwann muss jeder mal ran. Aber man kann das ja gut planen.“ Seit 21 Jahren ist er bei Ineos und seit 30 Jahren Schichtarbeiter.

 

 

 

Heiligabend-Schichten waren schon viele dabei, meist lief alles rund. Bis auf ein Mal: „Da war es auf den Straßen so glatt, dass ich gar nicht kommen konnte“, erinnert sich der Chemiefacharbeiter und schmunzelt.

 

 

 

 

 

 

 

Dass trotz der Routine-Arbeiten im Betrieb das besondere Datum nicht ganz an ihm vorbeizieht, dafür sorgt seine Frau: „Sie packt mir zu Heiligabend immer ein Lebkuchen-Herz ein.“

 

 

 

Ein kleiner Baum und der bunte Teller

 

 

 

Beim Kunststoff-Profilhersteller Profine in Pirmasens stehen an den Feiertagen alle Maschinen still – und doch fällt Arbeit an. Für Achim Siegenthaler (44), Sicherheits- und Schutzfachkraft, ist es die vierte Spätschicht an Heiligabend. „Es ist eine ganz besondere Schicht“, sagt er.

 

 

 

 

 

 

 

„Irgendwann ist alles ganz still, und man weiß, die Menschen sind in der Kirche oder feiern zu Hause.“

 

 

 

Ein kleiner Baum und der bunte Teller seiner Tochter sorgen für weihnachtliche Stimmung. Für mehr bleibt keine Zeit. Mit einem Kollegen besetzt Siegenthaler abwechselnd das Telefon und kontrolliert die Anlagen.

 

 

 

Ein Rundgang dauert vier Stunden. „Vor ein paar Jahren ist an Heiligabend ein Rohr geplatzt, und wir mussten das Leck suchen“, erzählt er und lacht: „Eine schöne Bescherung war das!“

 

 

 

 

 

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