Girls' Day

„Wir hätten gern eine Frau im Team“


Bohren, Löten – fertig ist die Lampe: Vergnügt erobern Schülerinnen bei Evonik am „Girls’ Day“ einstige Männerdomänen. Berührungsangst gibt es kaum. Fotos: Scheffler (2)

Mädchen auf der Suche: Kann denn Technik Frauen-Sache sein

Darmstadt. So, jetzt das Gewinde schneiden. Sorgfältig setzt Clara Schimmer (12) das Werkzeug an, konzentriert sich voll auf die Arbeit. Sie baut eine bunte Lampe aus Plexiglas und testet dabei, ob ihr der Beruf eines Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik liegt. „Das macht echt Spaß“, sagt sie. Azubi René Kolb lobt seinen kleinen Schützling: „Das macht sie wirklich prima!“

„Echt gut“,sagen sogar Jungs

Im Werk von Chemiekonzern Evonik Röhm in Darmstadt schnuppert Clara zusammen mit weiteren 30 Mädchen beim Girls’ Day in verschiedene Berufe hinein. Auch als Elektriker darf Clara sich in der Lehrwerkstatt betätigen: Löten, Leitungen abisolieren, Schalter anschließen. Azubi Felix Martin überwacht die Aktion: „Ich dachte, Mädchen wären dabei ungeschickt“, gibt er zu. Jetzt ist er verblüfft: „Die sind echt gut bei den Lötübungen und haben viel ruhigere Hände als wir Jungs.“

Das Kompliment lässt Nadine Daniel (15) strahlen: „Ich finde es klasse hier und habe gleich meine Freundin mitgebracht“, sagt sie. Elektriker möchte  sie  aber  doch  nicht werden: „Lieber Kauffrau für Bürokommunikation.“ Selina Selb (14) kann dagegen dem Büro nichts abgewinnen: „Ich werde Chemielaborantin“, steht für sie fest. Obwohl auch ihr die handwerkliche Arbeit in der Werkstatt liegt.

„Seit es den Girls’ Day gibt, haben wir deutlich mehr Bewerbungen von Mädchen“, freut sich Ausbilder Bernd Kirschner. Immerhin nehmen allein in Darmstadt über 2.000 Mädchen an dem Aktionstag teil, schätzt die Frauenbeauftragte Sabine Eller.

Kirschners Erfahrung nach können Frauen handwerkliche Dinge wie Schweißen, Biegen, Umformen oder eine Anlage fahren ebenso gut wie Männer: „Wir hätten gerne mehr Frauen im Team“, sagt er.

Mehr Mädchen in der Ausbildung

Auch im Industriepark Höchst haben gleich 50 Mädchen die (Arbeits-)Hosen an: Was machen Chemielaboranten, Mechatroniker oder eine Fachkraft für Schutz und Sicherheit? Das zeigen ihnen Sanofi-Aventis, Infraserv Höchst und Provadis.

Neugierig schauen sich die Schülerinnen die 35 Ausbildungsberufe an und schwingen sich sogar selbstbewusst in den Fahrersitz eines Gabelstaplers: „Sie lernen sehr schnell, wie das geht“, lobt Ausbilder Hans Müller.

Beim Chemie- und Pharmakonzern Merck in Darmstadt nutzen 60 Mädchen die Chance, „Männerberufe“ kennenzu- lernen: „Gerade junge Frauen sind bei Merck in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen willkommen“, versichert Hartmut Sperber, der bei Merck die Azubis auswählt.

Übrigens: Bei Merck sind 34 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Der weibliche Anteil unter den Azubis ist mit 40 Prozent bereits deutlich gestiegen.

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