Papierverarbeitungswerk Herbert Schümann macht Umsatz mit pfiffigen Ideen

„Wir haben Kartons das Rutschen abgewöhnt“

Stadtallendorf. Hektik im Versand: Die Zeit drängt, denn die bestellte Ware soll unbedingt an diesem Tag noch an die Kunden verschickt werden. Ein Gabelstapler, der eine große Menge Kartons geladen hat, muss plötzlich bremsen, weil Pakete im Weg liegen. Glück gehabt. Die Pakete wackeln zwar bedenklich, doch keins verrutscht. Alle bleiben auf ihrem Platz.

Warum rutscht da nichts? Des Rätsels Lösung: An jedem Karton haften Klebestreifen mit einem besonderen Rutschstopp. „Ein plötzliches Herunterkullern vom Stapel ist damit so gut wie ausgeschlossen“, erklärt Albert Zethner, Prokurist und technischer Leiter beim Herbert Schümann Papierverarbeitungswerk im nordhessischen Stadtallendorf. Die „antislip-Nassklebestreifen“ sind seine Erfindung. „So haben wir den Kartons das Rutschen abgewöhnt.“

Mit solchen und anderen pfiffigen Ideen sorgen er und Geschäftsführer Herbert-Stefan Schümann dafür, dass das mittelständische Unternehmen zu den führenden Anbietern im Bereich Packmittelzubehör gehört.

Spezialpapiere sind Exportschlager

Zu den besonderen Stärken von Schümann zählt die Entwicklung und Produktion von umweltschonenden Lösungen für Verpackungstechnik und Holzbearbeitung. So werden hauchdünne Papierstreifen, mitundohne Lochung,von der Möbelindustrie verwendet, um Furnierhölzer sicher zu verbinden. „Diese Spezialpapiere“, so Schümann, „sind einer unsererExportschlager. Möbelbauer in der ganzenWelt setzen sie ein.“

Klebestreifen für die Stabilität

Für die Möbelindustrie wurden außerdem „Hotmelt“-Beschichtungen entwickelt. Diese holzähnlich bedruckten Papiere und Folien werden mit einem Heißschmelzkleber (Hotmelt) beschichtet, der durch Wärme aktiviert wird. Das wasserempfindliche Holz kann so keinen Schaden nehmen. Auch Furnierklebestreifen zur Herstellung hochwertiger Echtholzfurniere hat das Unternehmen im Programm.

Daneben sind vor allem die Nasskleberollen in den unterschiedlichsten Varianten ein Renner. „Jeder Karton wird letztlich erst durch die Klebestreifen zu einem stabilen Karton. Die braucht jede Industrie für den Transport ihrer Waren“, erläutert Schümann. So gehören Lebensmittel- und Pharma-Firmen ebenso zum festen Kundenstamm wie Elektronik-Hersteller und der Automobilbau samt Zulieferer.

Viele Anwender überzeugt vor allem der Sicherheitsfaktor der dünnen Papierstreifen. Gerade Markenhersteller wollen, dass ihre Produkte wohlbehalten beim Kunden ankommen. Zethner: „Teile-Diebstahl aus den Verpackungen, Beschädigungen oder sonstige Manipulationen sollen ausgeschlossen sein.Genau da setzen unsere Nassklebestreifen an.“

Im Gegensatz zu Klebebändern aus Kunststoff ist ein zerstörungsfreies Abziehen der Nassklebestreifen nicht möglich. An der Unterseite angefeuchtet, gehen die gummierten Streifen mit der Kartonoberfläche eine feste, unlösbare Verbindung ein.

„Durch diesen Effekt fallen heimliche Zugriffe oder Manipulationen an der Verpackung sofort auf“, erläutert Zethner. Zusätzlich freuen sich die Kunden über deutliche Kosteneinsparungen durch den Einsatz der ökologisch unbedenklichen Papierstreifen.

Probleme werden gelöst

Als besonderen Service bietet das Unternehmen das vierfarbige Bedrucken der Bänder mit Firmenzeichen, Werbebotschaften oder Warnhinweisen. Und es gibt Hotmelt-Sackverschlüsse zur Verpackung von Schüttgütern, innovative Beutelverschluss-Lösungen, Sicherheitsetiketten sowie die Beschichtung von Dekorfolien und anderen Materialien.

Schümann: „Wir verstehen uns als Problemlöser, der maßgeschneiderte Angebote macht. Deshalb gehören für uns neben Beratung und Entwicklung auch zusätzliche Dienstleistungen zum Tagesgeschäft. Die Ideen gehen uns dabei noch lange nicht aus.“

Info: Schümann GmbH

Die Herbert Schümann Papierverarbeitungswerk GmbH wurde 1920 in Berlin gegründet und zog 1950 ins nordhessische Stadtallendorf. Bis heute ist das Unternehmen im Familienbesitz. Kerngeschäft sind innovative Produkte für die Verpackungstechnik und die Holzverarbeitung. Die Exportquote liegt über 50 Prozent. Schümann beschäftigt aktuell 65 Mitarbeiter.

35-Stunden-Woche – ein Auslaufmodell!

Traditionell öffnen sich bei Schümann in Stadtallendorf schon morgens früh die Werktore.

Die Normalschicht startet bereits um 6 Uhr und endet um 13.30 Uhr. „Das stammt noch aus der Zeit, als viele nebenberuflich einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten“, erzählt Prokurist Albert Zethner. Die meisten Mitarbeiter haben damit heute nichts mehr zu tun. Aber sie wollten diese Arbeitszeit gerne beibehalten, um die Nachmittage freizu- haben.

Bei der 35-Stunden-Woche war dies bisher problemlos möglich. Doch die betriebliche Wirklichkeit erfordert ein neues Arbeitszeit-Denken.

Zethner: „Wenn man wie wir hart kämpfen muss, um sich gegen die internationalen Wettbewerber durchzusetzen, wäre eine Arbeitszeitverlängerung auf 38 Stunden, besser sogar 40 Stunden, ohne Lohnausgleich eine wirkliche Hilfe. Höre ich dagegen Forderungen von Tariferhöhungen um die 8 Prozent, wird mir Angst und Bange.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang