Familienunternehmen

"Wir denken langfristig"


Nach mehr als 130 Jahren im Geschäft macht der Wuppermann AG die Reform der Erbschaftsteuer Sorgen

Leverkusen. Wohl der Firma, die solche Eigner hat: „Unsere Gesellschafter denken langfristig, wollen die Substanz erhalten,  wissen um ihre  soziale Verantwortung: Etwa 90 Prozent des Gewinns bleiben im Unternehmen.“ Statt „unsere Gesellschafter“ könnte Gerd Edgar Wuppermann auch einfach „meine Verwandten“ sagen. Denn die gleichnamige Aktiengesellschaft, deren Vorstandssprecher Wuppermann ist, gehört zu 100 Prozent der weit verzweigten Familie.

Was so typisch ist für den deutschen Mittelstand, ist gut für die Mitarbeiter. „Heuern und feuern gibt es bei uns nicht“, betont Wuppermann, „der Erhalt der Arbeitsplätze ist uns wichtig, und unsere Betriebe sind fest in der jeweiligen Kommune verankert.“ In Burgbernheim zum Beispiel, einem mittelfränkischen  Dorf  oder im badischen Herbolzheim – und natürlich in Leverkusen.

Denn dort hatte Wuppermanns Urgroßvater in den 1870er-Jahren das erste große Walzwerk der Familie ans Laufen gebracht. „Eigentlich war mein Uropa ja Landwirt“, erzählt der Urenkel, „aber das waren eben die sprichwörtlichen Gründerjahre.“ Mehr als 100 Jahre hielt sich das Werk dann im harten Stahlgeschäft. Die Firmenzentrale ist noch heute in Leverkusen zu finden, und eine Schule und ein Bildungswerk tragen „Wuppermann“ im Namen.

70 neue Jobs geschaffen

Gesteuert werden von hier aus zehn Fertigungsstandorte in sieben Staaten Europas: 720 Menschen erwirtschaften pro Jahr rund 450 Millionen Euro Umsatz, vor allem mit der Verzinkung von Bandstahl sowie der Herstellung von Rohren und Blechteilen. Beliefert werden zum Beispiel der Hallen- oder Ladenbau. Das Geschäft brummt, das zeigen 70 neue Stellen in Deutschland allein im vergangenen Jahr.

Die kleine, aber feine AG würde so mancher Heuschrecke den Mund wässrig machen – Chancen haben fremde Investoren aber nicht: Keiner der inzwischen 70 Nachfahren des Firmengründers darf seinen Anteil auf eigene Faust verkaufen. „Die Familie hat immer ein Vorkaufsrecht“, erklärt Wuppermann, „und das Unternehmen als solches ebenfalls: Das Kapital bleibt im Haus.“

Wobei nicht etwa jeder der vielen Erben, der sich für begabt hält, einfach im Geschäft mitmischen darf: Um den langfristigen Erhalt der Firma zu sichern, haben die vielen Wuppermänner sich auch dafür strenge Regeln gegeben.

Bewertung der Anteile schwierig

Daher sind inzwischen auch externe Manager im Vorstand zu finden. Aber neben Wuppermann sitzt sein Neffe am Tisch – damit ist schon die fünfte Generation der Familie an der Spitze der Firma vertreten.

Mit jeder Generation aber, mit jedem Erbfall, zersplittern die Firmenanteile weiter. Deswegen ist die aktuell diskutierte Reform der Erbschaftsteuer „ein Riesenthema“, wie Wuppermann erklärt: „Im Unternehmen sammelt sich sehr viel Substanz an, die Bewertung ist sehr schwierig, und das große Problem ist: Woher soll ein Anteilserbe das Geld für die Steuer nehmen? Ein Erbe wird also quasi gezwungen, seinen Anteil zu veräußern, um die Steuer bezahlen zu können – und im Extremfall muss eine Firma dafür unter Wert verkauft werden.“

Dass das Thema alle Familienbetriebe bewegt, weiß Wuppermann aus erster Hand: Er engagiert sich im Verband „Die Familienunternehmer – ASU“. Auch die Wissenschaft sieht die Steuerpläne kritisch: „Vor allem große und erfolgreiche Familienunternehmen werden bluten“, warnt etwa Professor Winfried Fuest, Steuerexperte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Hof

 

Für Freiheit und Eigentum

Diese Frage sollte sich jeder Unternehmer stellen: „Wie kann ich  durch Gestaltung der be-trieblichen Abläufe dazu beitragen, dass Deutschland wieder mehr Kinder hat?“ Nicht etwa ein Bevölkerungsforscher oder Familienpolitiker mahnt auf diese Weise unternehmerisches Handeln an – sondern ein Verband, dessen Mitglieder rund 1,7 Millionen Menschen beschäftigen: „Die Familienunternehmer – ASU“.

Kampf für den schlanken Staat

Diese Interessenvertretung der Familienunternehmer, bis 2007 „Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer“, setzt sich für grundsätzliche Werte der Sozialen Marktwirtschaft ein: Freiheit,  Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung.

„Wir kämpfen deshalb für einen schlanken Staat“, betont Verbandspräsident Patrick Adenauer, „und wir folgen dem Leitbild einer echten Partnerschaft des Unternehmers mit seinen Mitarbeitern.“

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