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Herrenmode

Wilvorst: Wie der größte Anzugsfertiger Deutschlands Hochzeitskleidung maßschneidert

Ob Jacket, passende Weste oder Hose – in Northeim entstehen in Handarbeit täglich 200 Hochszeits-Outfits. Die Niedersachsen wissen, auf was deutsche Männer bei ihrer Trauung setzen: Modisches Design und ganz viel Blau.

Passt genau: Marketingleiterin Nicola Meyer und Andreas Wolf (rechts) demonstrieren mit Jörg­Spoelstra die „Hochzeit“ von Sakko und Ärmel in der Näherei. Foto: Wirtz

Passt genau: Marketingleiterin Nicola Meyer und Andreas Wolf (rechts) demonstrieren mit Jörg­Spoelstra die „Hochzeit“ von Sakko und Ärmel in der Näherei. Foto: Wirtz

Milena Wiedlitz, Nasser Ahmadi, Sophie Hubrich, Sally-Anne Kalfa. Azubis im ersten Lehrjahr als Mode- und Textilnäher. Foto: Wirtz

Milena Wiedlitz, Nasser Ahmadi, Sophie Hubrich, Sally-Anne Kalfa. Azubis im ersten Lehrjahr als Mode- und Textilnäher. Foto: Wirtz

Gabriele Schlimmer bearbeitet die Eilsendungen. Foto: Wirtz

Gabriele Schlimmer bearbeitet die Eilsendungen. Foto: Wirtz

Belinda Hebel (vorne) und Manuela Rien ettiketieren die Einzelteile der Sakkos. Foto: Wirtz

Belinda Hebel (vorne) und Manuela Rien ettiketieren die Einzelteile der Sakkos. Foto: Wirtz

Northeim. Mitten in der Fertigung beim Anzughersteller Wilvorst passiert der große Moment. Die Hochzeit!

Zwischen Bügel- und Nähmaschine geben sich ein Sakko in edlem Dunkelblau und die passenden Ärmel das Jawort. „So wie in der Auto-Industrie Motor und Karosserie verheiratet werden, finden hier Sakko und Ärmel zusammen“, sagt Betriebsleiter Jörg Spoelstra.

Auf vielen Aufträgen prangt derzeit ein „Eilt sehr“

Viel Zeit für Ergriffenheit bleibt den 240 Mitarbeitern des Northeimer Spezialisten für Hochzeitsanzüge dabei nicht. Es gibt derzeit viel zu tun in der größten Anzugsfertigung Deutschlands. Auf fast jedem Laufzettel, den Gabriele Schlimme im Zuschnitt bearbeitet, prangt ein „Eilt sehr“-Aufkleber: „Die Leute heiraten halt gern im Sommer“, lacht sie.

Hinzu kommt: Viele Männer fahren eine Last-minute-Strategie. Sie zögern den Kauf oft hinaus und gehen erst sechs Wochen vor dem Trautermin auf Shoppingtour. „Das kann schon mal knapp werden“, gibt Geschäftsführer Andreas Wolf zu. Besonders dann, wenn individuelle Änderungen am Anzug nötig sind.

Da ist zügige Lieferung gefragt. In solchen Fällen punkten die Niedersachsen mit ihrer Fertigung. „Wir produzieren zu 35 Prozent in Deutschland, den Rest in Europa“, sagt Wolf. So ist es möglich, dass die Westen von Frau Schlimme innerhalb von acht Wochen geliefert werden können.

Täglicher Output: 200 Sakkos und Hosen

Die Einzelteile von 80 Westen gehen täglich durch ihre Hände, ihre Kolleginnen nähen in der gleichen Zeit 200 Sakkos und Hosen. Die tauchen auf fast jeder festlichen Hochzeit in Deutschland auf. Wolf: „Wenn wir nicht den Bräutigam einkleiden, dann viele seiner Gäste.“

Wolf: „Das kommt einem Maßanzug oft sehr nah.“

7 Prozent der Produktion bei Wilvorst sind Maßanfertigungen. 35 Prozent der Kollektion liefert Wilvorst in die Niederlande, nach Österreich, Italien oder Großbritannien. Dort variieren die Geschmäcker erheblich. Italiener lieben es körperbetont, Niederländer farbig, Engländer stehen auf Frack und Cut.

Und die Deutschen? „Sie setzen auf modische Formen wie modern fit und Blautöne“, so Wolf. Damit steht der Verbleib des blauen Sakkos fest. Es feiert demnächst noch einmal Hochzeit – irgendwo zwischen Hamburg und München.


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