Mittelstand

Wieder volles Rohr


Firma Rudolf Flender hat die Krise gut überstanden – gestiegene Stahlpreise bereiten Probleme

Siegen. Ein massives Stahlrohr wie einen gewöhnlichen Plastik-Schlauch aufwickeln – geht das? Aber ja! In der Fabrik Rudolf Flender in Siegen kann man sehen, wie es funktioniert. An der Haspel von Daniel Heinbach. Die wickelt ein 28 Millimeter „dickes“ Rohr auf, Meter für Meter. Zwei Kilometer Rohr passen auf die Spule, dann ist Schnitt.

Rohre einfach ausrollen

Dieses „Flex-Rohr“, eine Neuheit, ist gedacht für Wasserleitungen. Früher musste man die Stücke alle paar Meter miteinander verschweißen, so Björn Hees, verantwortlich fürs Marketing. Jetzt brauchen die Kunden das biegsame Rohr nur auf der Baustelle auszurollen und zu verlegen.

Rund 20 Millionen Profil- und Rundrohre unterschiedlicher Stahlqualitäten verlassen Jahr für Jahr das Werk. Sie leiten Gas und Wasser, tragen die Förderbänder im Bergbau, bilden die Rahmenkonstruktion von Bussen und dienen als Tisch- und Stuhlbeine.

„Dank dieser Vielfalt sind wir von Kurzarbeit verschont geblieben“, sagt Peter Feldmann, Vorsitzender der Geschäftsführung. Nach einem leichten Umsatzrückgang im letzten Jahr rechnet er für 2010 wieder mit Wachstum.

Die Krise ist zwar überstanden, doch jetzt gibt es neue Probleme: die Stahlpreise. Pro Jahr verarbeitet das Unternehmen 150.000 Tonnen Stahl, der sich in diesem Jahr enorm verteuert hat. Die vier großen Eisenerz-Produzenten rund um den Globus haben im April fast doppelt so hohe Preise wie letztes Jahr durchgesetzt.

„Das können wir unmöglich komplett an unsere Kunden weitergeben“, so Feldmann. Hinzu kommt, dass die Firma den Stahl weltweit kauft und ihn unter anderem in Dollar bezahlt. Und der starke Dollar verteuert den Stahl zusätzlich. Verkauft werden die fertigen Rohre dagegen zu 80 Prozent im Euro-Raum: bei uns und in den Nachbarländern.

Sägekopf schwebt auf Magnetkissen

Dabei gehen 60 Prozent der Rohre an die Energiebranche – mit steigender Tendenz: Derzeit brummt der Markt. Flenders Erfolg soll aber nicht von einer einzigen Branche abhängen. Deshalb hat der Mittelständler sich ein Entwickler-Team zugelegt und in neue Maschinen investiert.

Ein Beispiel für den Wandel ist die sogenannte Direktumformungsanlage, die Zoran Bijelic gerade für ein neues Rohr-Profil einrichtet.

Die ist einzigartig: Deren tonnenschwerer Sägekopf schwebt in einem Kasten auf einem Magnetkissen mehrere Zentimeter über dem Boden – ähnlich wie der Magnetzug Transrapid. Die Säge „fliegt“ mit dem zu produzierenden Stück Rohr mit und kann 400 Meter pro Minute zurücklegen. Zack, Schnitt, scharf abbremsen und zurück zum nächsten Stück. Dabei spart der Siegener Transrapid im Vergleich zur herkömmlichen Säge eine Menge Energie.

An der Anlage kann Bijelic nun in hohem Tempo und mit großer Genauigkeit auch Kaltband-Stahl verarbeiten. Das ermöglicht schöne glatte Oberflächen und vielfältige Konturen. Wichtig unter anderem für die Möbelindustrie, der es sehr um die Optik geht. „Dadurch haben wir einige neue Kunden gewonnen“, sagt Marketingmann Hees.

Folge: Jetzt fährt die Firma, wieder bis zu drei Schichten, hat seit Anfang 2010 neun Mechaniker, Schweißer und Anlagenführer eingestellt.

Neu dabei ist auch Daniel Heinbach. Sein früherer Arbeitgeber war pleitegegangen.

Matilda Jordanova-Duda

Info: Rudolf Flender GmbH & Co. KG

Der Rohr-Spezialist in Siegen hat 192 Mitarbeiter, einschließlich neun Azubis. Die Kunden sind Energieversorger, Autobranche, Möbelhersteller und Fördertechnik-Unternehmen. Flender setzte 2009 knapp 100 Millionen Euro um.

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