Autozulieferer

Wieder auf der Rolle


Diese Firma stand vor dem Aus. Jetzt investiert sie kräftig

 

 

Hagen. Den Bolzen in die Feder reindrücken, spannen – fertig. Jetzt wartet Michael Schwalb einen Moment auf das Okay des Messgeräts. Alles bestens! Dann prüft der Monteur noch, ob Kratzer im schwarzen Lack sind. „Und ab geht’s!“ Bald wird ein Autofahrer bequem auf dem Ergebnis dieser Arbeit sitzen. Schwalb hat gerade eine Rückenlehne zusammengebaut.

 

 

 

„Die Stimmung ist entspannt“

 

 

 

Sein Arbeitgeber Prevent TWB ist führender Komponentenhersteller von Autositzen. Allein für die Modelle des VW-Konzerns produzieren die Hagener die Metallteile von 1,2 Millionen Rücksitzlehnen pro Jahr.

 

 

 

Pressen, stanzen, lackieren, mit Teppich bekleben: In den Hallen herrscht reger Drei-Schicht-Betrieb.

Dabei stand das Unternehmen vor nicht mal zwei Jahren vor dem Aus.

 

 

 

Die damaligen Eigentümer hatten sich mit einem riskanten Kredit verschuldet, hinzu kam die Wirtschaftskrise. Einer der gefürchteten Finanzinvestoren hatte ein Auge auf den Mittelständler geworfen. Der Betrieb entschied: Lieber Insolvenz als Heuschrecke.

 

 

 

 

 

 

 

„Unsere Kunden standen zu uns: Wir haben keinen einzigen Auftrag in dieser Zeit verloren“, erinnert sich Hanno Welp, Geschäftsleiter Technik. Ein halbes Jahr später die Wende. Prevent, Hersteller von Autotextilien und -schäumen mit Sitz in Wolfsburg (weltweit 11.000 Beschäftigte) übernimmt die Firma.

 

 

 

Von damals 490 Mitarbeitern in Hagen muss jeder zehnte gehen. „Heute haben wir wieder fast so viele Leute wie vor der Insolvenz“, so Betriebsratsvorsitzender Admir Smajlovic. „Die Stimmung ist entspannt.“

 

 

 

Kein Wunder. Die Autokonjunktur läuft gut: Von Januar bis August wurden laut Branchenverband VDA hierzulande 1,5 Millionen Pkw deutscher Marken neu zugelassen – gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 13 Prozent. Der Export stieg um 8 Prozent auf 2,95 Millionen. Und auf der Internationalen Automobilausstellung waren die deutschen Hersteller in Feierlaune. „Das wirkt sich natürlich auch bei uns aus“, erklärt der TWB-Geschäftsleiter Finanzen Mark Kraneis.

 

 

 

Die Hagener werden ab März 2012 die Hintersitzlehnen für die ganze MQB-Reihe (Modularer Querbaukasten) von VW liefern. Es handelt sich um 1,8 Millionen Fahrzeuge: Audi A3, VW Golf und Passat sowie einige Skoda- und Seat-Modelle. Wobei die Automarken unterschiedliche Anforderungen stellen.

 

 

 

Auch BMW fährt auf Leichtgewichte ab

 

 

 

„Die MQB-Struktur haben wir in unserem Hause entwickelt, wir sind mächtig stolz darauf“, sagt Technik-Chef Welp.

 

 

 

Wichtig sei die Gewichtsersparnis. Wog die Rücksitzlehne des 4er-Golfs vor 15 Jahren fast 23 Kilo, ist die für die MQB-Reihe nur noch neun Kilo schwer. Möglich macht das der Einsatz spezieller Stähle. Und das Laserschweißen: Dadurch sind die Be­rührungsflächen kleiner, was Gewicht einspart. Für den VW-Großauftrag baut TWB zwei weitere komplette Anlagen mit Lasertechnik auf.

 

 

 

Die leichten Lehnen öffnen die Tür zu neuen Märkten: So haben die Hagener den Zuschlag für die Ausrüstung des elektrischen Stadtwagens von BMW erhalten, der zum großen Teil aus Karbon bestehen und 2013 auf den Markt kommen soll. Mark Kraneis: „Wir wollen der größte europäische Hersteller dieser extrem leichten Sitz-Komponenten werden.“

 

 

 


 

Info: Prevent TWB GmbH & Co. KG

 

 

Das Hagener Unternehmen ist auf die Metallstrukturen von Autositzen spezialisiert und gehört zu Prevent DEV in Wolfsburg. Es beschäftigt rund 470 Mitarbeiter. Hauptkunde (über 65 Prozent) ist der VW-Konzern. 2010 setzten die Westfalen rund 100 Millionen Euro um.

 

 

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