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Frühverrentung ist out: Das heißt raus aus dem Sessel – und wieder rein in die Arbeitswelt! Grafik: Tomicek

Frühverrentung ist out – Ältere sind gefragt

Nürnberg. Mit 55 raus aus dem Betrieb, bis 60 die Abfindung verfrühstücken und Arbeitslosengeld kassieren – und dann ab in die Frührente: So oder ähnlich lief es in den 90er-Jahren für Hunderttausende. Das Abschieben aufs Altenteil wurde damals vom Sozialstaat nach Kräften gefördert. Neue Zahlen belegen den gegenteiligen Trend: Die Älteren mischen in den Betrieben immer stärker mit!

Wichtig: Qualifikation und Gesundheit

Ihre Job-Chancen haben sich zuletzt noch einmal „wesentlich günstiger entwickelt“ als in der Gesamtbevölkerung, meldet jetzt die Bundesagentur für Arbeit (BA).

In nur viereinhalb Jahren (bis September 2011, das ist der aktuellste Stand) hat sich der Anteil der 60- bis 64-Jährigen mit einer sozialversicherungspflichtigen Stelle um die Hälfte erhöht: von 18 auf 28 Prozent. Und das, obwohl es 650.000 Ältere mehr gibt. „Hinzu kommt, dass die Beschäftigungsverhältnisse bei den Älteren stabiler sind als vor einigen Jahren“, sagt Professor Joachim Möller, Chef des BA-eigenen Forschungsinstituts IAB.

Dazu muss man wissen: In der Gesamtbevölkerung (auch noch bei den 55- bis 59-Jährigen!) hat jeder Zweite einen sozialversicherungspflichtigen Job. Die 100 Prozent sind kein Maßstab – es gibt ja auch Selbstständige, Beamte, Hausfrauen, Hausmänner, Lebenskünstler, aber auch Kranke und Pflegebedürftige.

Allein in den letzten zwölf Monaten ist die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen um 3,4 Prozentpunkte gestiegen. Wer solide ausgebildet und einigermaßen fit ist, muss sich laut Möller relativ wenig Sorgen machen: „Eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Beschäftigungssituation Älterer kommt den Themen Qualifikation und gesundheitliche Prävention zu.“

Übrigens: Dass jeder zweite Betrieb keinen einzigen Mitarbeiter über 50 beschäftigt, wie es immer wieder heißt, ist ein naives Argument. „Jeder vierte Betrieb hat nur einen einzigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, kontert der Arbeitsmarktforscher. Von den Betrieben mit mindestens zehn Beschäftigten hätten 93 Prozent Mitarbeiter im Alter von 50 und älter.

Die echte Job-Quote liegt bei 68 Prozent

Viele wollen freilich aus eigenem Antrieb früh in Rente. Von den 60- bis 64-Jährigen, die tatsächlich für sozialversicherungspflichtige Jobs zur Verfügung stehen, haben schon heute 68 Prozent eine solche Stelle – das errechnete kürzlich der Arbeitgeber-Dachverband BDA aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Rentenversicherung.

Lesen Sie dazu auch den Leitartikel „Wasch mir den Pelz ...“ –  Langsam nervt sie: Die Endlos-Debatte um die Rente mit 67

 

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