Gesucht: Das Leuchten in den Augen

Wie Unternehmen in Zeiten des Bewerberrückgangs Nachwuchs rekrutieren


Bruchsal. Christian Böser (17) arbeitet an einer Förderanlage. Er montiert einen Motor – das Herzstück, das der Konstruktion Leben einhaucht.

„Technik hat mich schon immer fasziniert“, sagt er und setzt den Ringschlüssel an. „Aus Rohmaterialien Hightech zu machen, ist kreativ. Und man sieht am Ende des Tages, was man geleistet hat.“

Der junge Mann ist angehender Industrie-Mechaniker bei SEW-Eurodrive in Bruchsal. Die Ausbilder in diesem Unternehmen suchen noch viel mehr neugierige Entdecker wie Christian Böser – und das wird schwieriger.

SEW-Eurodrive ist einer der internationalen Marktführer für Antriebstechnik und -automatisierung. Hier entstehen etwa Antriebslösungen für Förderbänder in Produktionsbetrieben oder für riesige Gepäcktransport-Systeme an Flughäfen. Markus Süss, Ausbilder in der technischen Ausbildung, seufzt: „Die Menge und die Qualität der Bewerbungen sinken.“
Ein Problem, das auch andere Firmen kennen.

Teamgefühl wächst beim Orientierungslauf durch den Wald

Denn bei den Arbeitsagenturen Baden-Württembergs sind mehr Lehrstellen als Ausbildungsbewerber gemeldet. Seit Oktober 2012 haben die Agenturen 69.541 Ausbildungsplätze regis­triert, die Zahl der Bewerber liegt um fast 5.500 darunter. Nach einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Jahr 2012 konnten mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen Lehrstellen nicht besetzen – vor allem kleinere Betriebe.

Was der Wirtschaft Schwierigkeiten bereitet, bedeutet für Schulabgänger mehr Chancen. Von jenen des letzten Jahres haben laut BIBB bundesweit 81 Prozent eine Ausbildung in ihrem Wunschberuf gefunden. Bei SEW-Eurodrive gibt es derzeit 250 Azubis und dual Studierende, das Unternehmen hat am Hauptsitz in Bruchsal und im nahen Graben-Neudorf rund 4.000 Mitarbeiter. Um genügend Nachwuchs zu finden, sind die Ausbilder seit einiger Zeit auch überregional viel unterwegs: zum Beispiel auf Messen. Darüber hinaus baut SEW-Eurodrive die  Kooperationen mit regionalen Schulen aus.

Und es bietet ein besonders attraktives Ausbildungskonzept, bei dem neben der Fachvermittlung auch auf die Persönlichkeitsentwicklung großen Wert gelegt wird. So werden nach einem Jahr Ausbildung in einem Seminar die Themen „Selbstverantwortung und Ziele“ bearbeitet.

Erlebbar werden die erarbeiteten Inhalte dann bei einem Orientierungslauf mit Kompass und Karte sowie Unterbringung in einer Selbstversorgerhütte.

Hier werde schnell klar, was es bedeuten kann, keine Entscheidungen zu treffen, meint Ausbildungsleiter Klaus-Peter Schillo: „Sich Problemen stellen und Lösungen finden, sind auch nach der Ausbildung wesentliche Erfolgsfaktoren.“

Diese Erlebnis-Seminare als Teil einer ganzheitlichen Ausbildung findet Julia Weisenburger (21) spitze. Sie absolviert bei SEW-Eurodrive ein duales Studium im Fach Mechatronik. „Man ist hier gleich Teil eines Netzwerks“, sagt die junge Frau, „und hat über die anderen Azubis einen guten Draht in alle Abteilungen.“

Langfristige Perspektive geboten

Dass sie zu SEW-Eurodrive gegangen ist, liegt aber hauptsächlich daran: „Ich habe in der elften Klasse bei einem Praktikum erlebt, wie man hier wertgeschätzt wird.“ Nicht zuletzt ist das Unternehmen einer der größten Ausbilder der Region, hat einen ausgezeichneten Ruf.

Und die Aussichten auf Übernahme sind super. Schillo: „Wir suchen Bewerber, die langfristig zu uns passen.“ Es komme nicht nur auf Noten an: Der Personaler will „die Augen leuchten“ sehen, Begeisterung für Technik spüren: „Dann weiß ich, der beißt sich auch in schwierigen Situationen durch.“

Schillo und Süss sind gerade mitten in der Bewerbungsphase für den Ausbildungsstart 2014. Auch eine schnelle Reaktion zähle, betonen sie, „sonst landen die guten Leute woanders“.

Mehr Informationen unter: karriere.sew-eurodrive.de

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