Stark im Team

Wie Unternehmen das Gefühl für die Gemeinschaft fördern


München/Selb/Herzogenaurach. Klatschnass sind alle. Aber stolz auf ihr gemeinsames Abenteuer. Zehn Mitarbeiter hat iwis, Hersteller von Präzisionsketten für Motoren in München, im Gummiboot auf wilde Fahrt die Isar hinabgeschickt. „So ein Erlebnis stärkt den Zusammenhalt der Gruppe ungemein“, stellt Stella Bodensteiner fest. Sie ist Leiterin der Personalentwicklung und Ausbildung von iwis.

Teamgeist ist wichtig. Denn packen alle mit an, geht vieles leichter – auch im Job. Die Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie lassen sich deshalb einiges einfallen, was Mitarbeiter fernab des Arbeitsplatzes zusammenbringt: Seifenkistenrennen, Trommelkurs oder gemeinsamer Iglubau. „Da lernt man die Kollegen von einer anderen Seite kennen“, so Bodensteiner.

„Jeder hat ein anderes Talent“

Vor allem mit Sport sorgt iwis für guten Kontakt untereinander. Ob Skiausfahrt, Radltour, Wandertag oder Firmenlauf: Da mischt sich die Belegschaft. Mitarbeiter aus dem Einkauf sowie aus dem Maschinenbau kümmern sich um die Organisation. Neben Aktionen für alle setzt iwis auf Team-Entwicklung in den Abteilungen. Für Vorgesetzte und für Mitarbeiter an den Maschinen, damit in der Fertigung alles wie am Schnürchen klappt.

Meist geht es dazu raus in die Natur, wo eine knifflige Aufgabe wartet. Etwa der Bau einer Hängebrücke: Aus ein paar Seilen und Brettern entsteht ein sicherer Weg über die Schlucht. „Jeder hat ein anderes Talent“, so Bodensteiner, „das kommt hier ans Licht.“ Und am Ende findet jeder seine Rolle im Team. Das ist gut für die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz.

Kennt man sich, funktioniert die Zusammenarbeit auch gut über Grenzen hinweg

Auch die Netzsch-Gruppe in Selb (Oberfranken) fördert Gemeinschaftsgefühl im Betrieb. Zu Hause in Franken und an seinen Standorten im Ausland unterstützt der Hersteller von Feinmahltechnik, Pumpen, Maschinen und Geräten den Zusammenhalt.

Die Belegschaft in Brasilien etwa trifft sich am Feierabend auf dem firmeneigenen Fußballplatz und brutzelt am Wochenende gemeinsam Steaks auf dem Grill. „Den Zusammenhalt spürt man in der täglichen Arbeit“, sagt Bernd Uebersezig, Personalleiter von Netzsch.

Das Familienunternehmen produziert in aller Welt. Da ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gut funktioniert. Alfred Thumser arbeitet im Vertrieb für Pumpen und Systeme und organisiert jedes Jahr einen Austausch in den Regionen. Seine Erfahrung: „Wenn man sich persönlich kennt, ist der Kontakt einfach besser.“

Heuer trafen sich Mitarbeitern aus Italien mit den deutschen Kollegen zu einem neuen Sport: Fußballgolf in Niederbayern. Statt mit Schlägern wird mit Füßen, Beinen und einem richtigen Fußball gespielt.

„Es hat Spaß gemacht, im Team für jedes Loch die beste Taktik auszuklügeln“, so Thumser. Abends dann gemütlicher Ausklang beim Essen. „Klar, dass man da nicht nur über die Firma redet“, sagt Thumser. Braucht er eine Auskunft, greift er zum Hörer. Und hat meist rasch einen Kollegen, der hilft: „Man kennt sich halt.“

3.776 Meter hoch lag das Ziel der Klettertour

Hoch hinaus wagten sich Mitarbeiter des Automobil- und Industriezulieferers Schaeffler in Herzogenaurach bei Nürnberg. Im Sommer dieses Jahres bestiegen sie den Fudschijama, den mit 3.776 Metern höchsten Berg in Japan. „Von unserem Büro in Yokohama blickt man direkt auf den schneebedeckten Gipfel“, erzählt Klaus Cierocki, Leiter des Geschäftsbereichs Motorenelemente.

Irgendwann beschlossen wir: „Wir wollen da rauf.“ Zehn Freiwillige meldeten sich, fünf deutsche Kollegen und fünf Japaner. Die wählten die Route aus. Von 25 Grad Wärme ging’s auf unter null Grad am Gipfel – dazu Nebel, Windböen.

„Die Sicht reichte keine drei Meter“, so Cierocki. „Da heißt es Zähne zusammenbeißen und auch mal den Rucksack eines Kollegen tragen, wenn der nicht mehr weiterkann.“

Meter für Meter kletterten Entwicklungsleiter, Vertriebsleute und Sachbearbeiter über Geröllhalden und schmale Pfade nach oben. „Das überbrückt alle Hierarchien“, sagt Cierocki. Und es öffnet den Blick für andere Kulturen: „Plötzlich merkt man, dass hinter dem Kollegen ein Mensch steckt. Das kriegt man in Telefonkonferenzen so nicht mit.“

Interview

Professor Peter Schettgen. Foto: Uni Augsburg
Professor Peter Schettgen. Foto: Uni Augsburg

„Raus aus der Routine“

Wie entsteht „Wir-Gefühl“ im Unternehmen, und warum ist es wichtig? Fragen an Professor Peter Schettgen, Direktor des Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer an der Universität Augsburg.

Was schweißt Teams zusammen?
Guter Kontakt und gemeinsame Ziele. Was man zusammen schafft, verbindet. Auch Rituale gehören dazu, und sei es nur das Kaffeetrinken in der Pause.

Was können Firmen tun?
Aktionen anbieten, bei denen sich die Mitarbeiter näher kennenlernen. Ob Kanu fahren oder einen Turm aus Kisten bauen, wichtig ist: Raus aus der Routine.

Worauf kommt es an?
Ein professioneller Trainer sieht, wo es hakt, und denkt mit der Gruppe über das Erlebte nach. So kommen die Erfahrungen auch im Arbeitsalltag an.

Was bringt’s?
Die Mitarbeiter wissen hinterher um ihre Stärken und Schwächen – und die ihrer Kollegen. So können sie sich gezielt unterstützen. Das Team wird besser.

Muss man dazu in den Hochseilgarten?
In kritischen Situationen spürt man besonders, wie wichtig Vertrauen ist. Dass man sich fallen lassen kann und der andere hält. Das kann man nicht aus Büchern lernen.

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