Konjunktur

Wie überstehen wir die Krise?


Naschen – und abwarten: Vielleicht ist die Tal­sohle im Sommer schon erreicht. Foto: Vario Images

Nervennahrung, Versandhandel, Möbel, Bücher - da brummt es!

Köln. Wirtschaftskrise, Kurzarbeit, Entlassungen – Nervennahrung ist gefragt. Gummibärchen zum Beispiel. Die miese Stimmung macht Ha­ribo-Chef Hans Riegel froh – und seine Mitarbeiter ebenso: „Dieses Jahr rechnen wir mit bis zu 5 Prozent mehr Um­satz.“ Die Jobs seiner 5.000 Be­schäftigten sind sicher.

Die Knabberbranche steht mit ihrem Wachstum nicht allein da. Egal, ob Baumärkte, Pizzablitz, Möbel oder Bü­cher: Einige Teile der Wirtschaft machen jetzt gute Ge­schäfte. Das löst zwar die Krise nicht, zeigt aber den Trend, wie Bundesbürger da­mit umgehen.

„Keiner will sie hereinlassen“

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski: „In Krisenzeiten su­chen Menschen Beständigkeit, setzen auf Familie, Freunde, Nachbarn. Also gut leben statt viel haben.“

Ähnlich sehen das die Psychologen des Kölner Rheingold-Instituts, das Kaufmotive und Stimmungslage der Verbraucher ermittelt: „Die Krise steht vor der Tür, aber keiner will sie hereinlassen“, so Leiter Hans-Joachim Karopka. Die Bundesbürger igeln sich ein, hübschen ihre Wohnung auf. Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des deutschen Möbel-Verbandes: „Auch wir erwarten 2009 ein Plus.“

Die Obi-Baumärkte, mit 6,1 Milliarden Euro Umsatz Europas Marktführer, spüren – gegen den Branchentrend – bei uns steigende Verkäufe bei Tape­ten und Wandfarben.

„My home is my castle“: Statt ins Restaurant zu ge­hen, wird zu Hause gekocht oder schnell was vom Italiener be­stellt. Pizza-Lie­fer­diens­te und Hamburger-Ketten legen zu. Die Schnellres­tau­rants werden  ihre Um­sätze um 7 Prozent steigern können. Die Fachzeitschrift „food-service“: „Das ist ein Marktsegment mit Rü­ckenwind. Sterne-Res­tau­rants ha­ben dagegen Probleme.“

Zur neuen Ge­mütlichkeit ge­­hört ein Buch. „Der Um­­­satz ist seit Januar um  rund 2 Prozent ge­stiegen“, so Gottfried Honnefelder vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Gute Lektüre lenkt die Menschen von Alltagsproblemen ab.“

Überhaupt – kleiner Luxus muss sein. Eine neue Digi-Kamera, ein schickes Handy. Am bes­ten vom Sofa aus be­stellt: Der deutsche Versandhandel rechnet mit 3 Prozent mehr Umsatz.

Abwarten bis sich die Krise in Luft auflöst? Das könnte klappen. So macht das Zent­rum für Europäische Wirtschaftsforschung uns jetzt Mut. Dessen Präsident Wolfgang Franz: „Die Talsohle dürfte im Sommer er­reicht sein.“

WH/GW

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