Leitfaden

Wie tickt mein Chef?


Klar, er will Leistung sehen. Aber was heißt das konkret? AKTIV gibt Antworten

Der Mann kann anspornen: Wenn Thomas Hochgeschurtz (46) nach Feierabend als Fußballtrainer auf dem Sportplatz steht, weiß jeder Spieler, was von ihm erwartet wird.

Im Betrieb war das genauso. Als Geschäftsführer des Tesa-Werks Offenburg konnte Hochgeschurtz die Leistung steigern, die Zahl der Unfälle auf null senken – und den Titel „Fabrik des Jahres“ von der Unternehmensberatung A.T. Kearney holen.

Sein Konzept, beim Sport wie bei der Arbeit,  ist einfach: „Entscheidend ist, die Erwartungen an jeden Einzelnen eindeutig und verständlich zu formulieren. Der Mitarbeiter muss wissen, wie sein Chef tickt.“

Fünf Punkte beherzigen

Wie das im Alltag funktioniert, verriet Hochgeschurtz, mittlerweile selbstständiger Personalberater, jetzt vor 300 Arbeitgebern der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Sie hatten sich zu einem Arbeitswissenschaftlichen Forum in Mainz getroffen.

AKTIV fasst zusammen – ausgehend von jenen fünf Anforderungen, auf die in vielen Betrieben die Gespräche zu „Leistungszulagen“ Bezug nehmen. Wer diese Punkte beherzigt, hat bei seinem Chef  gute Karten:

Zeit und Mittel richtig nutzen. In der Sprache der Chefs heißt das Effizienz. Dabei ist ihnen nicht nur wichtig, dass Termine eingehalten werden und die Arbeit pünktlich fertig wird. Sondern auch, dass die Arbeitsgeräte fachgerecht eingesetzt werden.

Hochgeschurtz gibt ein Beispiel: „Wenn ein Teil in eine drehende Maschine gefallen ist, muss man die natürlich unbedingt ausschalten – bevor man es dann fachmännisch entfernt.“

Interesse zeigen. Wer auch ohne Überwachung zielstrebig und gewissenhaft arbeitet, macht dem Chef das Leben leichter. Und er hilft, die Qualität zu steigern.

Das Gleiche gilt, wenn ein Mitarbeiter Vorschläge macht, etwa für bessere Arbeitsabläufe. Hochgeschurtz: „Dabei ist wichtig, nicht übereinander zu reden, sondern miteinander.“ Schließlich könnten die Mitarbeiter mit ihren Ideen den entscheidenden Vorteil bringen im Wettbewerb mit ausländischen Standorten. „Ich sage immer: Deutschland ist kein Hochlohn-Land, sondern ein Viele-Ideen-Land.“

Beweglich bleiben. Die Flexibilität zeigt sich unter anderem darin, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Wichtig ist auch, so Hochgeschurtz, dass man „nicht vor Arbeitsbeginn das Denkvermögen im Spind einschließt“. Konkret: Man sollte sich auch für die Schritte vor und nach dem eigenen Arbeitsgang interessieren.

Eigenverantwortlich handeln. Auch wenn man beim Chef schon mit scheinbaren Selbstverständlichkeiten punkten kann, etwa Sauberkeit am Arbeitsplatz, pfleglichem Umgang mit Materialien oder Einhalten von Vorschriften des Arbeits- und Gesundheitsschutzes: Das i-Tüpfelchen bringt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Ob einem das gelingt, kann jeder für sich selbst herausfinden, wenn er sich am Ende seines Arbeitstages diese Frage stellt: „Hatte ich die Gelegenheit, Neues zu lernen und mich weiterzuentwickeln?“

Kollegial sein. Der Chef fordert nicht nur Leistung ein – ihm kommt es auch auf den Umgang der Mitarbeiter untereinander an. Wer Kollegen Hilfe anbietet, Erfahrungen weitergibt und sich am Austausch von Informationen beteiligt, der erfüllt auch in diesem wichtigen Punkt die Erwartungen. Jeder Vorgesetzte freut sich, wenn seine Leute Teamspieler sind.

Jenseits dieser fünf Punkte sollte man nicht vergessen, dass auch der Chef nur ein Mensch ist. Hochgeschurtz konfrontierte die Führungskräfte in seinem Werk gern mit der Frage: „Was haben Sie im vergangenen Jahr getan, um unseren Betrieb voranzu- bringen?“ Wer sich das als Mitarbeiter selber fragt – der weiß, wie der Chef tickt.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang