RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Raumfahrt

Wie Technik von MT Aerospace der Ariane-Rakete den richtigen Schub fürs All gibt

Beim Augsburger Raumfahrtunternehmen entstehen sogenannte Feststoffbooster. In den ersten Sekunden nach dem Start schieben sie die Ariane-Raketen der ESA auf ihrem Weg in den Weltraum an.

Stammen aus dem Werk des Raumfahrtunternehmens MT Aerospace aus Augsburg: Die beiden Booster rechts und links vom Hauptteil der Ariane-Rakete. Foto: ESA-CNES-ARIANESPACE

Stammen aus dem Werk des Raumfahrtunternehmens MT Aerospace aus Augsburg: Die beiden Booster rechts und links vom Hauptteil der Ariane-Rakete. Foto: ESA-CNES-ARIANESPACE

Augsburg. Funkelnde Sterne sprüht eine Wunderkerze in der Silvesternacht – und das kurze zwei Minuten lang. Fast ebenso kurze Zeit, nämlich exakt 128 Sekunden, brennen die beiden „Feststoffbooster“ einer Ariane-Rakete nach dem Start ins Weltall. Dann lösen sie sich von der Hauptstufe und versinken letztlich im Ozean.

Der Unterschied zur Wunderkerze: Die beiden Feststoffbooster sind je etwa 30 Meter lang, wiegen 270 Tonnen und bestehen aus hochfestem Stahl. Ihre Hülle stammt aus Bayern: MT Aerospace (700 Mitarbeiter weltweit) fertigt sie in Augsburg – und das seit mehr als 20 Jahren, seit 1996 die erste europäische Trägerrakete vom Typ Ariane 5 ins All aufgebrochen ist.

Doch diese Ära geht langsam zu Ende, während zugleich MT Aerospace die Bauteil-Produktion für den Nachfolger Ariane 6 vorantreibt. Marcel Groenewolt ist Projektleiter für die Booster und an der Steuerung des Übergangs beteiligt: „Die Herausforderung ist, dass wir mehrere Jahre Bauteile für beide Modelle herstellen.“

Zwei Jahre dauert es, bis ein Bauteil aus Augsburg an der Rampe für den Start ins All steht

Eine riesige Aufgabe, denn die Komponenten sind sehr unterschiedlich und werden mittels neuster Prozesse hergestellt. Das erforderte mehr Hallenkapazitäten und auch neue Fertigungstechnologien wie das „Rührreibschweißen“. Das innovative Verfahren verbindet einzelne Strukturteile der Außenhülle. Etwa so, wie ein Kind zwei Klumpen Knete zusammenpappt, indem es mit dem Daumen das Material verreibt.

Bereits im Jahr 2020 wird die erste Ariane-6-Rakete die Erde verlassen, um Satelliten auszusetzen. „Die Bauteile dafür entstehen schon jetzt“, sagt Groenewolt. „Es dauert etwa zwei Jahre, bis sie von Schwaben aus über weitere Verarbeitungsstationen an den Startplatz in Kourou gelangen.“ Dort, in Französisch-Guayana, nördlich von Brasilien, schickt die europäische Weltraumorganisation ESA die Ariane ins All.

Zurzeit entstehen die neuen Bodenanlagen, für die das Mainzer Tochterunternehmen MT Mechatronics kürzlich bereits den 650 Tonnen schweren Starttisch geliefert hat.

In Augsburg baut MT Aerospace neben Boostern weitere Teile der Tankstruktur, auch für die Hauptstufe der Ariane 5. Mit etwa 10 Prozent Lieferanteil ist das schwäbische Unternehmen der größte Zulieferer für die Ariane 5 außerhalb von Frankreich. Für die Ariane 6 wird dieser Anteil sogar noch steigen.


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang