Druckmaschinen

Wie sich eine Firma aus Niedersachsen bei Spezialwalzen die Natur zum Vorbild nimmt


Melle. Klaus Hinney (55) guckt ganz genau hin. Welches Druckbild liefert die neue Spezialwalze? Wo muss noch was verändert werden? Er setzt sie in die Druckmaschine ein, lässt mehrere Bogen Papier durchlaufen. „Als gelerntem Drucker blutet mir manchmal das Herz“, sagt Hinney. Klar: Er produziert Makulatur – alle Bögen wandern in den Papierkorb.

Doch er hilft so der Druck-Industrie, produktiver und effektiver zu arbeiten. Für fast jede Anwendung hat Hinneys Arbeitgeber, die Westland Gummiwerke in Melle südöstlich von Osnabrück, Walzengummierungen entwickelt. „In deren stetiger Weiterentwicklung liegt unsere Kernkompetenz“, sagt Georg zur Nedden, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt.

Der einst klassische Gummiproduzent, der nach der Gründung 1920 mit der massenhaften Produktion von Schuhsohlen erfolgreich war, ist heute Technologieführer bei der Beschichtung von Spezialwalzen. Dabei hat man auch der Natur über die Schulter geschaut und den Lotus-Effekt für sich entdeckt: Wasser perlt von den Blättern der Lotuspflanze einfach ab – und nimmt dabei Schmutz und Staub mit. Dieses Phänomen bilden die Westland-Walzen perfekt nach.

In jahrelanger Arbeit, berichtet zur Nedden, haben die Ingenieure und Techniker „das System LotoTec entwickelt und zur Marktreife gebracht“. Die derart beschichteten Walzen sind gegen chemische Stoffe resistent, einfach und schnell zu reinigen, sorgen für ein exzellentes Druckbild – und meistern auch schwierigste industrielle Anforderungen: Bei der Produktion von Klebeband etwa sorgen sie dafür, dass der Klebstoff nur am Produkt haftet.

Gummiprodukte auch für den Maschinenbau und zahlreiche weitere Industriebranchen

Für die Walzen bietet Westland einen Runderneuerungsservice an. Zum Kundenstamm zählen neben der grafischen Industrie auch der Maschinenbau. An die Haushaltsgeräte-, Armaturen- und Zuliefer-Industrie liefert Westland darüber hinaus Elastomer-Formteile. Auch dabei gilt: Gummi ist nicht gleich Gummi, auf die Mischung kommt es an. Man macht sie selbst, im eigenen Mischwerk.

Westland ist der Prototyp des erfolgreichen deutschen Mittelständlers: hoch innovativ, in Nischenmärkten aktiv, lokal fest verwurzelt – und weltweit vertreten. Mit allen Töchtern und Auslandsniederlassungen in Europa, Asien und Amerika beschäftigt man etwa 650 Mitarbeiter. 280 sind es am Stammsitz, darunter 20 Auszubildende. Man bleibe den Wurzeln treu, versichert der Firmenchef: „Westland ist und bleibt ein Familienbetrieb.“

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