Gesundheit

Wie sich ein Werkarzt um die Belegschaft kümmert


So wird’s gemacht: Franz Xaver Huber berät Kollegen an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Weigel

Passau. Mehrmals in der Woche schlüpft Franz Xaver Huber (53) aus seinem weißen Kittel und schnürt seine Laufschuhe. „Ein paar Kilometer durch den Wald joggen – das genügt schon“, sagt er. Der promovierte Mediziner, Werkarzt von ZF Friedrichshafen am Standort Passau, will fit bleiben. Und das sollen auch die Kollegen.

Gesundheitsprävention im Betrieb ist das große Thema des Facharztes für Arbeitsmedizin. Seit sieben Jahren trägt er die Verantwortung für rund 4.500 Beschäftigte in dem niederbayerischen Werk für Getriebe und Antriebstechnik. Hauptaufgabe: die medizinische Beratung und Betreuung. Wenn nötig, kümmert er sich aber auch um Notfälle.

„Das große Spektrum eines Werkarztes ist mit dem eines Allgemeinmediziners vergleichbar“, sagt Huber. Von Allergie bis Zuckerkrankheit, vom Bandscheibenvorfall bis zum akuten Erschöpfungszustand – der ZF-Doktor hat alles auf dem Schirm. „Die eigentliche Behandlung ist für uns aber eher die Ausnahme“, sagt er. „Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu den niedergelassenen Haus- und Fachärzten, sondern als deren Partner.“

Der Doc muss sich auch mit Produktionsabläufen und Betriebsstoffen auskennen

Huber muss in erster Linie klären, ob Mitarbeiter für ihre Tätigkeit im Werk gesundheitlich geeignet sind. Mitarbeiter mit besonderer Belastung, etwa körperlich harter Arbeit, Schichtdienst oder Lärm, werden regelmäßig untersucht. Außerdem trägt er Sorge dafür, dass ihre Arbeitsbedingungen die Gesundheit nicht beeinträchtigen.

Ein Beispiel für mögliche Probleme: das regelmäßige Arbeiten mit Kühl- und Schmiermitteln. „Dass man damit auch mal in Kontakt kommt, ist an vielen Arbeitsplätzen nun mal nicht zu vermeiden“, sagt der Arzt. Beobachtet er bei jemandem Haut-Irritationen, muss er einer Allergie-Entwicklung vorbeugen, damit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz weiter beschäftigt werden kann. Dazu muss sich Huber auch mit Produktionsabläufen und Betriebsstoffen auskennen.

Wenn Mitarbeiter nach Verletzungen oder Krankheiten die alte Tätigkeit nicht mehr ausüben können, sucht der Werkarzt in Absprache mit den Vorgesetzten eine Lösung. Der hohe Zeitaufwand für Beratung und Prävention unterscheidet seine Arbeit von der anderer Ärzte.
Manchmal jedoch muss auch er Patienten behandeln – etwa in Notfällen. Rund 20-mal im Jahr ist es so ernst, dass ein Notarzt anrücken muss. Grund sind oft internistische Notfälle wie Herzinfarkte.

20 Einsätze im Jahr muss er als Notarzt machen

Der Werkarzt und seine Betriebssanitäter übernehmen dann die Erstbehandlung und stabilisieren den Patienten, bis der Rettungswagen eintrifft – oder der Hubschrauber. Auch der ist ab und zu nötig: „Wir wissen mittlerweile, wo man auf dem Werkgelände am besten landet.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe mich nach vier Jahren als Krankenhaus-Assistenzarzt für die Arbeitsmedizin entschieden. Wichtigste Aufgaben sind Beratung und Prävention – das gefällt mir.

Was reizt Sie am meisten?

Die große Bandbreite macht meinen Beruf spannend. Ich kümmere mich quasi um alles – von Rückenbeschwerden bis zur Grippe. Langeweile gibt’s da nicht.

Worauf kommt es an?

Als Arzt muss ich für jeden Mitarbeiter ein kompetenter Gesundheitsberater sein.

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