Karriere

Wie sich ein Azubi zum Leiter der Prototypen-Entwicklung von Audi hochgearbeitet hat


Ganz relaxt: Josef Habla geht in diesem Jahr in Rente. Foto: Bodmer

Ingolstadt. Cremeweiße Karosserie, knallrote Ledersitze: In diesem schnittigen Flitzer schwingt sich Josef Habla (64) gerne hinters Lenkrad – und wagt einen Blick zurück. Ins Jahr 1962, als der elegante Roadster in Ingolstadt montiert wurde. Damals war Habla noch Azubi in der Lehrwerkstatt und nicht Leiter des Vorserien-Centers der Audi AG.

Feilen, schweißen, schleifen von morgens um sieben bis nachmittags um vier. „Oft hatte ich Blasen an den Händen“, sagt der heutige Manager, der seine Karriere im Alter von 14 Jahren als Werkzeugmacher begann.
Handwerklich ungeschickt sei er nicht gewesen, meint er. „Doch die Theorie lag mir besser.“ So besuchte der Lehrling nach seiner Ausbildung die Technikerschule.

Im Anschluss setzte ihn Audi 1972 als Planer der Fertigung im Presswerk ein. Dort musste Habla schon bald die erste große Aufgabe alleine meistern: den Anlauf der Produktion des ersten Audi 80. „Sie machen das schon“, redete ihm ein Kollege gut zu. Und es klappte.

Dann folgten neue Aufgaben: Anfang der 80er-Jahre stieg Habla zum Projektleiter des Karosseriebaus auf. In dieser Zeit zogen die ersten Roboter ins Werk ein. Karosserien wurden von nun an auf Knopfdruck zusammengeschweißt. Eine spannende Zeit. „Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne Roboter war“, sagt der Audianer.

Modularisierung war in den 90er-Jahren die nächste Revolution im Fahrzeugbau. Habla, inzwischen Leiter der Technologie-Entwicklung, war wieder dabei. Statt die Teile einzeln nacheinander ins Fahrzeug einzubauen, wurden sie nun in Baugruppen vormontiert. „Plötzlich ging alles viel schneller“, berichtet er.

„Was an Technik fehlte, mussten wir mit Fleiß ausgleichen“

Zum Beispiel wurde jetzt das komplette Armaturenbrett – mit Schalttafel, Lüftungsdüsen und Heizungsgehäuse – auf einmal eingebaut. „Eine enorme Erleichterung für die Monteure.“ Die Präzision von heute war damals allerdings nicht möglich. „Was an Technik fehlte, mussten wir mit Fleiß ausgleichen“, erzählt das Audi-Urgestein.

Ende dieses Jahres geht Habla in Rente. Derzeit arbeitet er noch an seinem letzten Projekt. Der Manager leitet das Vorserien-Center, das vor knapp fünf Jahren eröffnet wurde. Dort baut Audi Prototypen und Vorserien sämtlicher Modelle. Entwicklung und Produktion sind eng verzahnt. „So stemmen wir bis zu sechs Neuanläufe im Jahr“, sagt Habla. „Das hätten wir früher nie geschafft.“

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Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich hätte meine Ausbildung auch in einer Fabrik für Spinnereimaschinen machen können. Doch Autos haben mich mehr interessiert. Die Ausbildungswerkstätten von Audi hatten einen guten Ruf.

Was reizt Sie am meisten?

Immer wieder neue Aufgaben zu übernehmen. Wenn man Herausforderungen sucht, wird die Arbeit nie langweilig.

Worauf kommt es an?

An jeder Stelle sollte man sein Bestes geben: sich engagieren, Wissen teilen, Chancen nutzen.

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