Härter als Diamanten

Wie sich die Deutschen Gasrußwerke in Dortmund im Wettbewerb behaupten

Dortmund. Die Luft flimmert vor Hitze. Sechs Reaktoren produzieren rund um die Uhr Ruß: bei Temperaturen knapp unter 2.000 Grad. „Mit dem dreckigen Ausstoß alter Dieselmotoren und Kohleöfen hat unser Produkt wenig gemein“, sagt Harald Baumgart, Geschäftsführer der Deutschen Gasrußwerke (DGW) in Dortmund. „Carbon Black ist der Stoff, aus dem Diamanten sind.“

Wie die Edelsteine besteht das schwarze Pulver aus purem Kohlenstoff und ist sehr gefragt: Das Unternehmen verkauft jährlich über 100.000 Tonnen davon.

Carbon Black wird dem Kautschuk für Autoreifen beigemischt und beeinflusst die Abrieb- und Rutschfestigkeit oder die Elastizität bestimmter Reifenteile. Baumgart: „Die Kunst besteht darin, verschiedene Sorten mit verschiedenen Eigenschaften herstellen zu können. Es kommt darauf an, wie man den Prozess steuert.“

Mit einem anderen Verfahren erzeugen die DGW feinste Rußpartikel, die als Pigmente Tinten, Wimperntusche, Lacke und Textilien schwarz machen. Hart wie Diamant ist dieses Geschäft inzwischen auch. Seit 2010 haben die Importe aus Russland und China zugenommen. Bei den Dortmundern schrumpfte die Auslastung: Ein Umstrukturierungsprogramm soll nun die Kosten senken sowie Mengen und Erlöse erhöhen.

Dabei muss auch ein Teil der 170 Köpfe zählenden Belegschaft gehen. Und doch sei die Stimmung im Betrieb gut – da sind sich Geschäftsführer Baumgart und Betriebsratsvorsitzender Joachim Henke einig. Wie das? Dank relativ großzügiger Abfindungen und Übergangsregelungen fanden sich genügend Freiwillige, die ausscheiden. Und im Betrieb erhält der Einzelne nun mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Beispiel Werkstatt: Beim Schichtbeginn sammeln sich die Mitarbeiter der Instandhaltung um den Teamkoordinator Peter Pella. Er kündigt an, was heute im Werk ansteht. Die Aufgaben teilen die Fachkräfte unter sich auf. „Wichtig ist, dass jeder weiß, wo die Kollegen sind. So können wir uns untereinander kurzschließen“, sagt Marco Hoffmann. Sein Kollege Dietmar Gluch merkt an: „Früher, als der Meister die Arbeiten zugewiesen hatte, war das nicht so einfach mit der Absprache.“

Geschäftsführer Baumgart: „Weil die Mitarbeiter trotz der Umstrukturierung nicht frustriert sind, helfen sie mit ihren Ideen, die Kosten weiter zu senken.“ Quer durch alle Abteilungen und Hierarchieebenen gibt es spezielle Teams. So hat etwa das Energieteam bessere Gaslieferverträge ausgehandelt. Und das Produktionsteam konnte durch eine optimierte Fahrweise der Reaktoren die Ausbeute um 1 Prozent erhöhen. Das spart am Ende 1 Million Euro Rohstoffkosten.

Bares Geld wert ist auch die Abwärme. Bei der Rußproduktion fallen so viel brennbare Restgase und Dampf ab, dass die DGW zwei eigene Kraftwerke betreiben. Mit Strom und Wärme versorgen sie sich selbst sowie Firmen und zwei Wohnviertel in der Umgebung. Auch der letzte Rest Dampf soll nicht verpuffen: Das Unternehmen sucht Betriebe, die größere Mengen trocknen und sich auf dem Gelände ansiedeln wollen.


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