Feines aus farbigem Filz

Wie sich der Filterschlauch-Produzent F.O.S. mit seinem Näh-Know-how neue Märkte erschließt

Ahlen. Was haben ein Filterschlauch für Industriestäube und eine Filz-Handtasche gemeinsam? „Ein ganze Menge“, sagt Ilona Maasjosthusmann: „Sie werden durch die gleichen Nähte zusammengehalten“, sagt die 45-Jährige und zieht einen grauen Filzstoff unter der Nadel ihrer Nähmaschine durch. Mehrere Hundert Stiche und kurze Zeit später steht eine runde Filztasche von der Größe eines Einkaufsbeutels auf ihrem Arbeitstisch. Es fehlen nur noch die Tragehenkel.

Die gelernte Bekleidungsfertigerin arbeitet im Nähsaal von F.O.S. Umwelt- und Filtertechnik in Ahlen (Westfalen) – einem 60-Mann-Betrieb, der eigentlich Filterschläuche für Entstaubungsanlagen fertigt, reinigt und recycelt. Damit machte der Mittelständler im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6 Millionen Euro.

Bisher haben Maasjosthusmann und ihre 20 Kolleginnen eben diese drei bis acht Meter langen weißen Schläuche aus Polyester, Glasfaser oder Polypropylen mit robusten Nähten versehen. Mittlerweile aber liegen immer öfter farbige Filzstoffe aus 100 Prozent Merino-Wolle unter ihren Nähmaschinen – wie zum Beispiel die geräumige Filztasche.

Das haben sie Firmen-Chef Christian Reining zu verdanken, der 2002 als ehemaliger Angestellter den Betrieb aus der Insolvenz holte und auf den Chefsessel wechselte: „Wir wollten uns weiterentwickeln und dafür das nutzen, was wir schon können. Das Know-how aus der Filterschlauchherstellung gepaart mit hochwertiger Handarbeit“, erklärt Reining sein ungewöhnliches Engagement.

Dabei sei man auf Produkte aus Filz gestoßen. Ihr Vorteil: Ebenso wie die Filterschläuche werden sie in Kleinstserien und mit viel Handarbeit hergestellt. Reining: „Da kennen wir uns aus. Wir können eben auch Taschen. Die Technik ist die Gleiche.“ Zusammen mit der Textil-Designerin Anne Schult hat er deshalb eine ganz neue Produktpalette aus Filz erstellt.

Unter der Marke „FineFilz“ soll es in Zukunft nicht nur Taschen geben, sondern auch Kissen, Glasuntersetzer oder Tischsets. Hinzu kommen Büroausstattungsartikel wie Mauspads, Laptop-Taschen, Schreibtischunterlagen, Schirmständer oder Papierkörbe, oftmals kombiniert mit Leder oder Edelstahl und auf Kundenanfrage bestickt mit Logos, Namen oder Emblemen. „Wir gestalten ganz individuell, was Farben, Material oder Design angeht“, erklärt Schult. Damit möchten sie zum Beispiel große Inneneinrichter, die Hotels oder Kongresszentren ausstatten, für ihre Produkte begeistern.

Ilona Maasjosthusmann und ihre Kolleginnen werden also bald noch viel mehr farbigen Filzstoff unter ihrer Nadel haben. „Das wäre schön“, sagt sie. Denn im Gegensatz zu den langen Filterschläuchen „sieht man hier das fertige Produkt. Man weiß sofort, wofür es benutzt werden kann“, sagt sie – und hängt sich die Filztasche, an der jetzt auch die Henkel baumeln, über die Schulter.


Hintergrund

Foto: Moll
Foto: Moll

Luft filtern per Schlauch

  • Der Staub aus der Müllverbrennung, der Metall- oder Zementverarbeitung sammelt sich in Filterschläuchen (Probe links).
  • Dieser Staub wird bei laufendem Betrieb über ein spezielles Verfahren aus den Filtern gepustet, (Probe rechts). Die Reinigung kostet 80 Prozent weniger als der Einbau neuer Schläuche.

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