Innovative Metall- und Elektro-Industrie

Wie sich der Familienbetrieb Bauer & Böcker immer wieder neu erfindet

Remscheid. Jeder, der schon mal Zündkerzen am Mofa oder Auto gewechselt hat, kennt das Teil. Rohrsteckschlüssel hat die Remscheider Firma Bauer & Böcker mehr als 80 Jahre lang produziert. Doch jetzt ist Schluss. Die letzten Schlüssel werden in den kommenden Wochen ausgeliefert.

Noch stehen die Schlüssel sauber gestapelt in ein paar Kisten in der kleinen Werkhalle. Der Produktionsstopp ist der Geschäftsführerin und Enkelin des Firmengründers Inga Bauer (44) schwergefallen: „Sie werden kaum noch eingesetzt und sind in Deutschland nicht mehr zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen.“

Heute handelt das Unternehmen mit Werkzeugen und Rohmagneten, produziert Magnetsysteme und bietet Laserbeschriftungen als Dienstleistung etwa für die Solinger Messer-Industrie an. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr eine im Haus entwickelte Serie flexibler LED-Arbeitsleuchten und -Taschenlampen. Die Firma mit 14 Mitarbeitern (darunter 8 Frauen) machte im vergangenen Jahr 2 Millionen Euro Umsatz.

Ein Gemischtwarenladen? Ja! Aber der hier hat Hand und Fuß. Weil alles zusammenpasst

Der kleine Betrieb ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich deutsche Unternehmen immer wieder neu erfinden – und dabei Altes loslassen. Inga Bauer, die den Betrieb gemeinsam mit ihrer Mutter Christa (76) führt: „Wir sind seit Generationen eine Unternehmerfamilie. Ich habe schon als kleines Kind in der Packstube Werkzeug abgezählt für den Versand.“

Was auf den ersten Blick wie ein „Gemischtwarenladen“ wirkt, hat durchaus Hand und Fuß: Während Gründer Robert Böcker mit Rohrsteckschlüsseln sein Geld verdiente, fertigte sein Schwiegersohn Karl Bauer (74) ab 1982 Magnetsysteme mit Metall-ummanteltem Kern sowie Gewinde oder Gewindestangen. So gewann die Firma ein umfassendes Know-how für Haftmagnete. Die werden zum Beispiel mit Fließbändern verschraubt, um so Metallteile hängend zu transportieren. Und bevor Inga Bauer dann selbst vor elf Jahren die Geschäftsführung übernahm, entschied sie sich für die Lasertechnik.

Jetzt also die neuen Leuchten mit Schwanenhals, in die all das mit den Jahren erworbene Wissen einfließt. So hat der Magnetfuß zum Befestigen an Maschinen eine einzigartige Gummiummantelung – und mit Laserstrahl werden Gravuren aufgebracht und Kunststoffscheiben für die Lampen perfekt geschnitten.

Der Unternehmergeist ist auch auf die Mitarbeiter übergesprungen. So entstand die Idee für die Arbeitsleuchten im Kollegenkreis. Produktentwickler Maik Schön (31) erinnert sich: „Wir suchten eine helle Lampe, die wir überall an der Maschine anbringen konnten, um auch in den letzten Winkel hineinzuleuchten. Da es so was noch nicht gab, haben wir die erste einfach aus Alu-Resten selbst gedreht.“ Der Prototyp kam beim Handel gut an. Und die Chefin habe bloß gesagt: „Maik, dann legt mal los!“


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