Kosmetik

Wie sich der Arznei-Hersteller Li-iL mit exotischen Badezusätzen erfolgreich neu ausgerichtet hat


Dresden. Kakao im Badewasser? Oder Vanille, Mango, Mandarine? Wer hätte an solche Produkte gedacht, als im Jahr 1910 die Firma Li-iL als Arzneimittel-Hersteller gegründet wurde!

Ursprünglich produzierte man natürliche Arzneien auf Basis von Lithium, und zwar „ilatum“ (von außen nach innen wirkend) – daher das Kürzel Li-iL. Inzwischen ist das vielfältiger, und mehr als die Hälfte des Umsatzes stammt von natürlichen Kosmetika.

Unter dem Namen „Dresdner Essenzen“ fertigt der Mittelständler in Sachsens Hauptstadt Duschgels, Hautpflegeprodukte, Saunaaufgüsse und andere Kosmetika. Und eben Badezusätze: flüssige und feste, schäumende und sprudelnde, zur Entspannung und Pflege, für ­Erwachsene und Kinder.

Mitte der 1990er-Jahre hätte beinahe eine Gesundheitsreform der Firma den Garaus gemacht

„In den letzten sechs Jahren“, berichtet Geschäftsführer Stephan Freitag, „hat sich unser Umsatz auf 7 Millionen Euro verdoppelt.“ Ebenso stark wuchs die Belegschaft – auf aktuell gut 70 Beschäftigte. „Zudem haben wir die Fabrik komplett modernisiert.“

Je nach Inhaltsstoff pflegen die Bäder zum Beispiel die Haut oder haben eine aromatherapeutische, gesundheitsfördernde Wirkung. Außer solchen Kosmetika fertigen die Dresdner auch Arzneibäder, die ausschließlich über Apotheken vertrieben werden. Und weitere Arzneien, etwa Einreibungen gegen Muskelprobleme und Erkältungen. „So lindert Eukalyptusöl rheumatische Beschwerden oder Husten und Heiserkeit“, erklärt der Geschäftsführer.

All diese Produkte enthalten Pflanzenauszüge. „Wer sich ein ­Kakao-Vanille-Bad gönnt, hat Extrakte dieser Pflanzen in der Wanne“, ergänzt Christiane Grasse, die Leiterin Produktentwicklung Kosmetik. Sie und ihr fünfköpfiges Team sorgen dafür, dass stets neue Düfte und Anwendungen auf den Markt kommen. „Die Kundschaft ist sehr anspruchsvoll und erwartet ständig Neuheiten.“

Ihre Kollegin Yvonne Radacz kümmert sich um Innovationen bei Arzneien. Gemeinsam mit der Uni Dresden ist sie gerade einem vielversprechenden Mittel gegen Hautprobleme auf der Spur.

Die Erweiterung auf natürliche Kosmetik ist eine Folge der Pharma-Politik. Was zwei Weltkriege und die Verstaatlichung 1972 nicht schafften, hätte Mitte der 1990er-Jahre beinahe eine Gesundheitsreform bewirkt – der Firma den Garaus zu machen.

Geschäftsführer Freitag erinnert sich: „Viele unserer Arzneien wurden von den Krankenkassen auf einmal nicht mehr erstattet.“ Doch wer Pharma kann, kann auch Qualitätskosmetik – und schrittweise eroberte sich die Firma den Markt im In- und Ausland. Im Jahr 2012 lieferte sie insgesamt mehr als zwölf Millionen Packungen aus.

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