Schulungen für Spezialisten

Wie sich bayerische Metall- und Elektro-Unternehmen für die Zukunft wappnen

Bayerns Betriebe denken heute schon an morgen. Wie werden wir produzieren? Was müssen die Mitarbeiter können? Wie bereitet man sie darauf vor? Um Firmen dabei zu helfen, haben die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeit­geberverbände bayme und vbm Schulungen für Nachhaltigkeit, Demografie und Weiterbildungsmanagement  ins Leben gerufen. Wir stellen drei Teilnehmer vor.


Tipps aus der Produktion: Marco Ditterich (rechts) erkundigt sich bei Kollegen, was sie beschäftigt. Foto: Scheffler

Aufs Alter achten

Marco Ditterich kümmert sich um Aspekte des demografischen Wandels

Marktheidenfeld. Wer jahrelang schwere Markisen in Lkws verlädt, macht seinem Rücken keine große Freude. Und im Sekundentakt die Ösen von Jalousien eindrehen: Das fordert auf Dauer Handgelenk, Ellenbogen und Schulter. Marco Ditterich (38) weiß, welcher Belastung seine Kollegen in der Produktion und im Versand langfristig ausgesetzt sind.

Für den Personalreferenten von Warema, einem Hersteller von Sonnenschutzsystemen im unterfränkischen Marktheidenfeld, ist deshalb klar: „Wir unternehmen alles, um einen körperlichen Schaden für unsere Beschäftigten zu vermeiden. Sie sollen schließlich gesund bleiben und bis 67 noch arbeiten können.“

Ditterich kümmert sich für Warema federführend um den demografischen Wandel, also das Altern der Belegschaft. Wie halte ich Mitarbeiter fit? Wie schaffe ich eine ausgewogene Altersstruktur in Abteilungen? Wie kann ich auch Ältere noch weiterbilden?

Auf diese Fragen sucht der Warema-Mann Antworten. „Wir sehen Handlungsbedarf, um langfristig kein Demografie-Problem im Betrieb zu bekommen“, sagt Ditterich und vermutet: „Das Thema wird uns mit Sicherheit nicht mehr loslassen.“

Das Unternehmen mit mehr als 3.400 Beschäftigten beteiligt sich deshalb an dem Pilotprojekt „Demografie-Management“ der Verbände bayme und vbm und sucht nach neuen Ideen, um mit einer alternden Belegschaft klarzukommen. Außerdem ermöglicht es Ditterich derzeit eine Weiterbildung zum Demografie-Manager.

Vor allem die Gesundheit zählt

In Workshops lernt er theoretische Grundlagen – und diskutiert mit Kollegen aus anderen Betrieben auch deren Probleme und Lösungsvorschläge. „Dieser Austausch ist unheimlich wichtig“, sagt Ditterich. Im Tagesgeschäft bleibe dafür keine Zeit. Der Personaler achtet nun zum Beispiel viel genauer auf die Altersstruktur in den Abteilungen – nicht bloß auf den Durchschnitt.

Warum? „Nur 55-Jährige im Betrieb zu haben, ist heute kein Problem“, sagt er. „In zehn Jahren allerdings schon.“

Eine Strategie von Warema lautet deshalb: den Ausbildungsbedarf im Blick haben und langfristig planen. Auch Job-Rotationen kommen in Betracht. Sie können helfen, die Altersstruktur in einzelnen Teams zu entzerren.

Wichtigstes Feld für Ditterich bleibt jedoch die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Im Pilotprojekt wird beispielsweise nicht nur der Einsatz von Hebehilfen im Markisen-Lager getestet. Auch ein regelmäßiges zehnminütiges Bewegungstraining wird ab Januar 2013 angeboten.

Hat den Überblick: Stephan von Galkowski verbessert die Abläufe in der Drahtzieherei. Foto: Karmann

Umwelt schützen

Stephan von Galkowski spart Zeit und Energie im Werk

Weißenburg. „Jeder kann was für die Umwelt tun“, sagt Stephan von Galkowski (30). „Privat und im Job.“ Der Prozessmanager der Gutmann Aluminium Draht GmbH in Weißenburg (Mittelfranken) hat eine Weiterbildung zum Nachhaltigkeitsberater gemacht. Die Verbände bayme und vbm bieten den berufsbegleitenden Lehrgang seit diesem Jahr an.

Der Maschinenbau-Ingenieur sorgt dafür, dass Mitarbeiter und Maschinen optimal eingesetzt werden. Materialfluss, Rüstzeiten der Anlagen, reibungsloser Ablauf der Produktion: Hier schaut von Galkowski genau hin. In seinem jüngsten Projekt plant er die Lagerplätze.

Tonnenschwere Drahtrollen, das Ausgangsmaterial für Ziehdrähte, müssen zur rechten Zeit an den Maschinen sein. „Wir ordnen neu und vermeiden so künftig überflüssige Fahrten“, erklärt er. Zudem erhöht sich die Auslastung der Anlagen. „Auch das ist Nachhaltigkeit.“

Vor zehn Jahren führte die fränkische Firma ein Umweltmanagement ein. „Wir sind schon recht weit“, schätzt von Galkowski.

Stromfresser werden entlarvt

Neue Motoren mit höherem Wirkungsgrad treiben die Ziehmaschinen an. Eine Zentrifuge sorgt dafür, dass die Schmieröle länger halten, die Destille bereitet Reiniger auf. So können die Mittel nochmals verwendet werden. Für eine neue Halle entwickelt die Firma gerade ein Energiesparkonzept.

Messuhren entlarven schon jetzt Stromfresser im Betrieb. Die Mitarbeiter dürfen die Uhren für daheim ausleihen – damit das Energiesparen nicht am Werktor endet.

Auch die Produkte führen zu mehr Nachhaltigkeit: Aluminium hat nur ein Drittel des Gewichts von Stahl. Schrauben, Bolzen und Filter aus Alu werden im Leichtbau eingesetzt.

Von Galkowskis privater Umwelt-Beitrag sieht so aus: Er geht öfters zu Fuß, isst weniger Fleisch und hat zu Hause Stromspar-Schalter eingebaut.

Die Vermittlerin: Rebecca Sommermeyer (links) empfiehlt regelmäßige Schulungen. Foto: Schulz

Wissen steuern

Rebecca Sommermeyer setzt auf Austausch in der Weiterbildung

Eichstätt. Einsam am Schreibtisch für eine Prüfung lernen: Das machen die Auszubildenden im Eichstätter Osram-Werk nicht. Sie erarbeiten sich ihren Prüfungsstoff, indem sie ihn anderen Mitarbeitern vorstellen. „So bleibt das Wissen für alle frisch“, sagt Rebecca Sommermeyer (26).

Sie setzt als Weiterbildungsverantwortliche auf kurze, dafür häufigere Schulungen. Wie aus solchen Ideen ein Gesamtkonzept der Weiterbildung wird, hat sie selbst in einer Fortbildung gelernt: An sechs Tagen übers Jahr verteilt hat sie Module einer Trainingsreihe belegt. Referenten aus dem „Servicecenter Aus- und Weiterbildung“ der Verbände bayme und vbm sowie externe Fachleute erläutern, wie sich Schulungsbedarf ermitteln lässt, wie Kurse geplant und Trainer ausgewählt werden.

Zudem gibt es Vorschläge, wie die Qualität von Kursinhalten geprüft und ihre Anwendung im Betrieb belegt werden kann. „Der Austausch mit Kollegen zeigt einem, wie weit die eigene Abteilung schon ist“, bilanziert Sommermeyer. „Und hilft, sich weiterzuentwickeln.“ Der Weiterbildungskatalog von Osram in Eichstätt umfasst bereits 110 Schulungen.

Vereinbarungen nach dem Seminar

Aus ihrer eigenen Fortbildung weiß Sommermeyer, dass Zeit- und Zielvereinbarungen wichtig sind. Daher plant sie einen „Transfer­bogen“: Damit legen Mitarbeiter und Chef nach einer Schulung nächste Schritte fest.

Sommermeyer: „So bekommen die vermittelten Inhalte für beide Seiten mehr Gewicht.“

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