Industrie bietet Chancen für Quereinsteiger

Wie sich angelernte Mitarbeiter im Job entwickeln können, zeigt die Firma ebm-papst

Landshut. Sie hat Umwege genommen nach der Hauptschule, aber schließlich ist Bianca Kargl (31) doch angekommen: in der Industrie. Noch im alten Jahrtausend wollte die Niederbayerin Kfz-Mechanikerin werden – fand aber keine Lehrstelle. Stattdessen machte sie eine Ausbildung zur Schuhverkäuferin. Es folgten einige Jahre, in denen sie dies und das arbeitete. Bis ihr der Einstieg beim Ventilatorenspezialisten ebm-papst in Landshut glückte.

„Meine Mama ist hier schon seit mehr als 20 Jahren“, erzählt Kargl. „Die hat gesagt: ‚Probier es halt.‘ Und dann bin ich hängen geblieben. Weil mir die Arbeit Spaß macht, weil man gefordert wird.“

Potenzial der Belegschaft voll ausschöpfen

Zunächst als Zeitarbeiterin im Betrieb, ist Kargl seit 2010 fest angestellt in der Fertigung – und seit diesem Sommer sogar geprüfte Maschinen- und Anlagenführerin. Sie hat ein neunmonatiges Qualifikationsprogramm beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) durchlaufen und jetzt noch einen IHK-Abschluss in der Hand: „In der Theorie einen Dreier, aber in der Praxis 100 von 100 Punkten“, sagt sie lächelnd.

Bei ebm-papst sind solche Werdegänge gern gesehen. „Es ist doch toll, wenn man so eine ehrgeizige, engagierte Mitarbeiterin hat“, sagt Personalreferent Marco Pernstecher. „Wir haben im Fertigungsbereich relativ viele angelernte Kräfte. Und die Angebote des bbw unterstützen uns seit Jahren dabei, das Potenzial unserer Belegschaft voll auszuschöpfen.“

Immer wieder dazulernen: Das beugt dem Fachkräftemangel vor, sichert die hohe Qualität der Produkte und hält Mitarbeiter in Deutschland trotz der vergleichsweise hohen Arbeitskosten international wettbewerbsfähig.

Sprichwörtlich „einfache Arbeiten“ gibt es ja immer seltener, schon Un- und Angelernte müssen immer komplexere Aufgaben bewältigen. „Vor zehn Jahren gab es hier in der Fertigung noch viele Einzelplätze mit einfachen Tätigkeiten“, erklärt Pernstecher den Wandel im Landshuter Werk. „Heute sind das angetriebene Linien, auf denen man fünf, sechs Arbeitsplätze beherrschen muss. Da wird viel mehr erwartet, auch bei der Qualität.“

Diese steigenden Erwartungen hat Bianca Kargl immer wieder erfüllt: Erst stand sie an einer Montagestrecke, dann in der Stanzerei und heute an einer Maschine, in der Lüfterräder entstehen – das Herz der fertigen Lüfter. Seit ihrem Qualifizierungsprogramm versteht sie besser, was in der Maschine vorgeht, wenn Ring, Deckel, Nabe und Schaufeln zusammengesetzt werden.

„Ich bin handwerklich nicht doof“, sagt die Frau, die zu Hause oft an ihrem Golf schraubt. Die Auffrischung in Mathematik und Physik aber habe ihr geholfen: „Stelle ich den Druck zu hoch ein, wird mein Radl statt so nur so“, sagt sie und führt die Finger von vielleicht sechs Zentimetern auf drei Millimeter zusammen.

Gerne würde sie als Maschineneinrichterin arbeiten – was jetzt ja möglich wäre. Und danach? „Ich weiß nicht, ob ich den Techniker noch machen würde. Das wäre mir dann doch wieder zu hoch. Sag ich zumindest jetzt.“ Aber man ahnt, dass sie sich diesen nächsten Schritt mit der Zeit zutrauen könnte.

Vielleicht hat ja zunächst der zweite Kargl-Quereinsteiger Interesse an einer Weiterbildung: Weil er als Kaufmann keine Stelle gefunden hat, arbeitet Biancas Bruder als Materialbereitsteller bei ebm-papst. Entwicklungschancen inklusive.


Hintergrund:

Weniger arbeiten, mehr kassieren

  • Auch für geringqualifizierte Kräfte gilt: mehr Geld trotz geringerer Arbeitszeit. Verglichen mit der 35-Stunden-Woche in Bayerns Metall- und Elektroindustrie müssen die Beschäftigten vieler anderer Branchen länger arbeiten – verdienen aber schon in der untersten Lohngruppe weniger.
  • In Bayerns Einzelhandel zum Beispiel liegt die tarifliche Wochenarbeitszeit bei 37,5 Stunden. Für Gebäudereiniger sind es 39 Stunden, auf dem Bau 40.

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Der Standort D verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Davor warnt eindringlich Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Warum ihm steigende Arbeitskosten große Sorgen machen, lesen Sie hier.

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ebm-papst Landshut GmbH
Hofmark-Aich-Straße 25
84030 Landshut

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