Arbeitsmarkt

Wie prekär ist Deutschland?


Kritiker zerreden das Job-Wunder: Die Fakten auf einen Blick

Nürnberg. Es gibt wieder viel mehr Arbeitsplätze – das steht fest. Um 2,4 Millionen ist seit dem Tiefpunkt Anfang 2006 die Zahl derer gestiegen, für die der Arbeit­geber ganz regulär den normalen Beitrag zur gesetzlichen Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallkasse abführt.

Doch jetzt kocht eine Debatte hoch: Sind unsere Jobs etwa zunehmend „prekär“?

Formale Kriterien, die wenig taugen

Das behauptet etwa Berthold Huber, der Chef der Gewerkschaft IG Metall.

„Arbeit droht zur Ramsch-Ware zu verkommen“, sagt er. Auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig beklagt „Millionen atypische Beschäftigungsverhältnisse“, die zu „weniger Sicherheit und Wohlstand“ führen.

Worum geht es? Weil die Qualität von Jobs schwer zu bewerten ist, machen die Kritiker das Thema an formalen Kriterien fest. AKTIV stellt die Fakten zusammen:

Minijobs: Für 6,9 Millionen Menschen (Stand: Juni 2011) ein attraktives, weil vom Staat kaum belastetes Extra-Einkommen – der Anstieg um 550.000 seit 2006 kommt auf den Boom der regulären Jobs obendrauf. Problematisch: Für Hartz-IV-Empfänger setzen die Vorzüge des Minijobs den Anreiz, nicht mehr als 400 Euro selbst zu verdienen.

Teilzeit: 35 Prozent aller Beschäftigten hatten im zweiten Quartal 2011 keine volle Stelle – nach 33 Prozent 2006; der leichte Anstieg erklärt sich aus mehr berufstätigen Müttern. Nach einer Studie der Arbeitsverwaltung sind die regulär in Teilzeit beschäftigten Frauen mit dem Zuschnitt ihrer Stelle ziemlich zufrieden: Im Schnitt würden sie pro Woche am liebsten drei Stunden länger vereinbaren.

Befristung: 91 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatten 2010 einen unbefristeten Vertrag. Auch hier hat sich wenig geändert: 2006 waren es 92 Prozent. Zuvor hatte es die rot-grüne Bundesregierung ganz bewusst erleichtert, neue Leute zunächst für zwei Jahre einzustellen.

Zeitarbeit: Gehört zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, ist meist unbefristet. Ihr Anteil stieg seit 2006 von 2 auf 3 Prozent. Dieter Hundt, Chef des Arbeitgeber-Dachverbands BDA: „Es ist ein großer Fehler, sie als prekär zu diffamieren. Gerade Menschen ohne Ausbildung würden ohne sie oft keine Arbeit finden.“

 

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