Aromastoffe

Wie Parfümeure von Henkel Wäsche und WC-Steine veredeln

Krefeld. Der Geruch sauberer Handtücher ist herrlich. Stefan Urlichs, Chemielaborant im Henkel Fragrance Center in Krefeld, schnuppert ausgiebig am weißen Frottee – gewaschen mit einem neuen Weichspüler. Hier im Teststudio beurteilen Fachleute die neuen Kreationen des Hauses.

Seit 60 Jahren entwickelt das Center die Duftnoten für Waschmittel und andere Henkel-Produkte wie Haarfarbe, Klebestifte oder Toilettensteine. Allein im letzten Jahr wurden 450 verschiedene Düfte produziert.

Bis zu 10.000 Tonnen Parfümöle können hier pro Jahr hergestellt werden: „Nicht nur die Qualität des Produkts, auch der Duft muss den Verbraucher überzeugen“, weiß Leiterin Anneliese Wilsch-Irrgang.

Es gibt nur 50 Spezialisten bundesweit, die mit ihrer Nase 1.000 Düfte unterscheiden

Duft prägt den Wiedererkennungswert. So riecht das bekannte Waschmittel Persil eben seit Jahrzehnten nach Persil – mit behutsamen Änderungen. Natürlich gibt es auch in der „funktionellen Parfümerie“ Trends.

Fruchtige, exotische Noten sind gerade in. Im neuen Weichspüler riecht man Kokos und Orangenblüte. Die Kundschaft hat aber auch regionale Vorlieben. So verbinden wir zum Beispiel Frische mit Zitronenduft, nordische Länder fahren auf Fichte und Kiefer ab. Im Süden dagegen muss ein sauberes Haus nach Chlor riechen.

„Das ist in unserem Gedächtnis gespeichert“, erklärt Parfümeurin Isabelle Levert. „Ich habe ja von meiner Mutter putzen gelernt und sie von meiner Oma.“ Die Französin ist eine der fünf Parfümeure des Fragrance Centers. In ganz Deutschland gibt es nur 50 dieser erlesenen Spezialisten, deren Nasen über 1.000 Ingredienzen unterscheiden können. Levert wollte nicht für Chanel oder Dior arbeiten, sondern näher am Verbraucher sein.

Funktionelle Düfte zu komponieren, ist kniffelig: „Ein Weichspüler muss gut riechen, wenn man die Flasche aufmacht“, sagt sie. „Aber auch, wenn man die Wäsche rausholt oder wenn die getrockneten Sachen wochenlang im Schrank liegen.“ Für länger anhaltenden Duft entwickeln und nutzen die Krefelder auch neue Verfahren. Beispielsweise koppeln sie Duft- an weniger flüchtige Ankermoleküle.

Eine andere Methode ist die Mikroverkapselung: Dazu emulgiert man das Parfüm in Wasser und gibt zwei Monomere, die sich vernetzen, in die Lösung.

Kreativer Beruf mit chemischem Know-how

Es bildet sich eine Polymerhülle um die einzelnen Öltröpfchen. Diese Hüllen überstehen den Waschgang, gehen erst beim Trocknen auf und geben den Duft frei. Der Duft eines Spülmittels dagegen darf nicht am Geschirr haften: „Man will ja nicht, dass der Wein nach Zitrone riecht“, erklärt Levert.

Parfümeur ist ein kreativer Beruf mit Chemie-Kenntnissen. 30 bis 100 meist synthetische Inhaltsstoffe hat eine Rezeptur. Levert weiß, wie sie riechen – und auch, wie sie in der Kombination zum Dufterlebnis werden.


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