Betriebliches Vorschlagswesen bei der Komet Group, Audi, Bosch und Continental

Wie Mitarbeiter Firmen der Metall- und Elektro-Industrie in Baden-Württemberg voranbringen

Zwei Azubis tüfteln bei der Komet Group, Spezialist für Präzisionswerkzeuge in Besigheim, an einem neuen System. Das spart der Firma künftig einen Bearbeitungsschritt. Wie sich solche Ideen auszahlen, lesen Sie hier.

So geht’s schneller: Kai Denndörfer (links) und Sven Schaaf spannen das Werkstück jetzt anders ein, sodass ein Maschinenwechsel entfällt. Foto: Eppler

So geht’s schneller: Kai Denndörfer (links) und Sven Schaaf spannen das Werkstück jetzt anders ein, sodass ein Maschinenwechsel entfällt. Foto: Eppler

So ist’s besser: Tobias Lang (links) und Tobias Steeb messen nun immer per Computer. Foto: Werk

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So hält’s länger: Stipo Galesic hatte eine Idee, wie teure Spannhebel solcher Schleifmaschinen geschont werden. Foto: Eppler

So hält’s länger: Stipo Galesic hatte eine Idee, wie teure Spannhebel solcher Schleifmaschinen geschont werden. Foto: Eppler

„Im Monat kommen bei uns 50 bis 100 Vorschläge zusammen.“ Stefanie Baur, Ideenmanagerin. Foto: Eppler

„Im Monat kommen bei uns 50 bis 100 Vorschläge zusammen.“ Stefanie Baur, Ideenmanagerin. Foto: Eppler

Besigheim. Verschmitzt gucken sich Kai Denndörfer und Sven Schaaf an. Mit etwas Tüftelei haben die Azubis kurzerhand die Fertigung von Spezialschrauben ziemlich vereinfacht. Zwei Tage lang brüteten sie über Entwürfen. Für „Spannbacken“: Die sollten das Werkstück so einspannen, dass ein Maschinenwechsel überflüssig wird.

Als Belohnung winken Prämien

Jetzt zeigt Schaaf stolz in eine Maschine: „Das sind sie.“ Die Spannbacken halten das Werkstück, das zuerst gefräst und dann gebohrt wird. „Dafür musste man vorher immer die Maschine wechseln“, erklärt Denndörfer und reibt sich die Hände. „Jetzt geht’s schneller!“

Die angehenden Werkzeugmechaniker sind im vierten Lehrjahr bei der Komet Group in Besigheim, das Unternehmen ist Spezialist für Präzisionswerkzeuge. Hier dreht sich alles um Ideen. Schon auf der Schranke an der Pforte steht: „Jede Idee zählt!“ In der Produktion gibt’s Ideenterminals, wo man Geistesblitze loswerden kann. Und Komet hat sogar eine Ideenfabrik: Hier rauchen die Köpfe von internen und externen Leuten bei Schulungen.

800 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz. Stefanie Baur leitet das Ideenmanagement. „Im Monat kommen bei uns 50 bis 100 Vorschläge zusammen“, sagt sie. Einer davon habe sogar mal eine Einsparung von knapp 100.000 Euro ermöglicht. Umgesetzte Ideen werden prämiert.

Auch Anlagenmechaniker Stipo Galesic bekam bei Komet jüngst eine Prämie. Ihm war eingefallen, wie man die Lebensdauer teurer Spannhebel von Schleifmaschinen verlängern kann. Deren Bohrung leiert irgendwann aus. „Wenn man eine Buchse in die Bohrung einsetzt“, schildert Galesic, „dann leiert nur die Buchse aus!“

Ende Juli hat er den Vorschlag eingereicht, einen Monat später war er umgesetzt. Ideen werden direkt von den Vorgesetzten beurteilt, das geht ruck, zuck. Auch anderswo sind Mitarbeiter Gold wert. Audi etwa sparte mit den Ideen der 58.000 Mitarbeiter beider deutscher Werke letztes Jahr 84 Millionen Euro.

Am Standort Neckarsulm führte allein schon eine Idee zu einer jährlichen Einsparung von 50.000 Euro: Sie stammt von Tobias Steeb, Uwe Leutz und Tobias Lang aus der Fahrzeugvorbereitung – hier werden die Neuwagen zur Auslieferung vorbereitet. Die drei Kollegen schlugen vor: Statt den Luftdruck der Reifen einzeln per Handreifenfüller anzupassen, könnte man das doch schneller mit einem Reifencomputer erledigen. So wird’s jetzt gemacht!

124 Millionen Euro in einem Jahr gespart

Beim Continental-Konzern (rund 215.000 Mitarbeiter) sparte das Ideenmanagement letztes Jahr sogar 124 Millionen Euro. Jeder reichte im Schnitt zwei Ideen ein, etwa in Villingen-Schwenningen, wo Teile für Nutzfahrzeuge entstehen. Matthias Nehrhoff koordiniert bei Continental das Ideenmanagement. „Zuletzt wurden bei uns 86 Prozent aller Ideen umgesetzt“, sagt er. Seit Juni sind alle Mitarbeiter weltweit mit einem neuen, onlinegestützten Ideenmanagement-System vernetzt – und können sich auch die Ideen anderer angucken. Nehrhoff glaubt, dass die Zahl der Vorschläge weiter steigt: „Sogar eine Verdoppelung könnte drin sein.“

Bei Bosch (rund 375.000 Mitarbeiter) leisten ebenfalls selbst kleine Ideen große Beiträge zur Wettbewerbsfähigkeit. Bei Bosch Packaging Technology in Crailsheim spart zum Beispiel diese hier etwa 20.000 Euro: Große Aufträge wurden stets in maßgenauen Kisten versendet. Dann sagten Beschäftigte, standardisierte Kisten wären günstiger. Pressesprecherin Christin Poenisch findet’s klasse, wie die Kollegen mitdenken: „Wer könnte das Arbeitsumfeld besser optimieren als die Mitarbeiter selbst?“


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