Die Hüterin des Wissens

Wie man bei 170 Jahren Firmengeschichte den Überblick behält


Hanau. Eine riesige Waage mit einem funkelnden Goldbarren steht am Eingang des Konzern-Archivs von Evonik in Hanau. Was der wohl wert ist? „Der ist falsch“, stellt Dr. Andrea Hohmeyer sofort klar. Sie leitet das „Gedächtnis“ des Essener Chemie-Konzerns und verwaltet zusammen mit ihrem Team 170 Jahre geballtes Firmenwissen an den Standorten Hanau in Hessen und Marl in Nordrhein-Westfalen.

Besucher haben hier nur selten Zutritt und wenn, dann schielen sie meist nach Raritäten. Etwa alten Gemälden aus Vorstandsetagen, Prunktellern oder den Medaillen der Olympischen Spiele in München 1972. „Die stammen noch aus dem Bestand der Degussa“, erläutert die Historikerin, „die damals die Rohlinge für die Medaillen lieferte.“

7.300 laufende Meter Archiv-Material

Doch diese Dinge sind es nicht, die den Wert des Archivs ausmachen. Vielmehr sind es unzählige Akten und Broschüren, über 100.000 Fotos, Filme, Tondokumente, Plakate, Pläne und Werbematerial. Alles sauber aufgereiht und einsortiert in gut belüfteten Räumen mit deckenhohen Rollwagen, je fünf Tonnen schwer. Neben der Konzernentwicklung dokumentieren die Bestände die deutsche Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Und ergeben inklusive aller Vorgänger-Unternehmen (Degussa, Hüls, Röhm, Th. Goldschmidt und Stockhausen) die beeindruckende Länge von 7.300 laufenden Metern.

Während ältere Unterlagen im „Zwischenarchiv“ noch in bunten Hüllen lagern, ist das modernere Archivgut ausgedünnt und frei von Metall-Klammern in nüchternen graublauen Ordnern abgelegt. Für Laien eine undurchdringliche Wand an Information.

„Alles ist im Computer erfasst“, erklärt die Archivarin. „Durch die vergebenen Schlagworte ist das Auffinden von Dokumenten für uns nur ein Handgriff.“ Das ist besonders wichtig: „Der eigentliche Schatz ist die geordnete, wiederverwendbare Information“, verrät Hohmeyer. Daran arbeitet sie mit acht Mitarbeitern Tag für Tag.

Wichtiges von Unwichtigem trennen, das ist die Kunst

„Wir sichten Akten und vieles mehr, konzentrieren die Information, trennen Wichtiges von Unwichtigem“, so die Chefin. Kein leichter Job, gerade bei der immer größer werdenden Datenflut. „Diese Fakten aus der Vergangenheit tragen heute zur Wertschöpfung des Unternehmens bei“, weiß Hohmeyer.

Und wer nutzt das ganze archivierte Wissen? „Vorrangig die Öffentlichkeitsarbeit und natürlich die Juristen, wenn es um Rechtsstreitigkeiten geht. Aber auch andere Geschäftsbereiche“, berichtet Hohmeyer. Externe Besucher wie Studenten, Historiker und Familienforscher sind im Archiv ebenfalls willkommen – nach Absprache, versteht sich.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Chemie Forschung

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Fakten

Viele Firmen ermöglichen historische Einblicke

• Das Evonik-Archiv wurde von der Bundesrepublik Deutschland in das Verzeichnis „National wertvolle Archive“ aufgenommen.

• Auch die Unternehmen Bayer, BASF, Boehringer Ingelheim, BP,
Clariant, Freudenberg, Merck, Henkel, Roche oder Wacker bewahren Zeitdokumente.

• Übersicht aller Konzern-Archive: wirtschaftsarchivportal.de

Unternehmen in diesem Artikel

Evonik Industries AG

Map
Evonik Industries AG
Rodenbacher Chaussee 4
63457 Hanau

Zum Unternehmensfinder
Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang