Studium, Meisterbrief & Co.

Wie M+E-Firmen die Karriere ihrer Mitarbeiter fördern

Jetzt oft im Austausch mit Kollegen: Gießerei-Ingenieur Matthias Hüttner von der Luitpoldhütte. Foto: Karmann

München/Amberg. Hätte es seinen Ausbildungsleiter nicht gegeben, Matthias Hüttner (27) wäre wohl nie auf diese Idee gekommen: nach dem Abschluss als Gießereimechaniker noch einmal studieren. „Er hat mich damals auf Weiterbildungsmöglichkeiten hingewiesen und ermutigt“, erzählt der Ingenieur der Luitpoldhütte in Amberg. Heute sagt er: „Das Studium war die bisher beste Entscheidung in meinem Berufsleben.“

400 Euro im Monat und ein zinsloser Kredit

Hüttner zog alles durch: Erst das Fach-Abi, dann den Abschluss an der Hochschule im baden-württembergischen Aalen. Ein näheres Angebot mit Schwerpunkt Gießereitechnik gab es nicht. „Ohne Hilfe der Luitpoldhütte wäre das finanziell nicht gegangen“, sagt der gebürtige Amberger. In den Ferien arbeitete er in der Gießerei. Zudem zahlte die ihm während des Studiums 400 Euro im Monat und gab einen zinslosen Kredit für die Gebühren. Hüttner verpflichtete sich dafür, nach seinem Abschluss mindestens drei Jahre im Betrieb zu bleiben – „ein fairer Deal“, wie er sagt.

Die Luitpoldhütte legt sich für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter ins Zeug, wie viele Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (M+E). Denn ohne das Wissen ihrer Mitarbeiter können sie im Wettbewerb nicht bestehen.

Zudem wird es aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland immer schwieriger, die passenden Fachkräfte zu rekrutieren. Oft ist es daher die beste Lösung, eigene Mitarbeiter weiterzubilden. Indem man ihnen Entwicklungschancen bietet, bindet man sie zudem an den Betrieb.

Fast jedes bayerische M+E-Unternehmen bietet Möglichkeiten zur Weiterbildung an – so eine aktuelle Umfrage der Arbeitgeberverbände bayme und vbm. Und im Durchschnitt machten 44 Prozent aller Mitarbeiter im vergangenen Jahr davon Gebrauch.

Die Angebote reichen von mehrtägigen Schulungen im Betrieb bis zu externen Lehrgängen und dem Besuch einer Hochschule. Weiterbildung spielt besonders in Großunternehmen eine Rolle. Aber auch in kleineren und mittleren Betrieben liegt die Weiterbildungsquote bei 40 Prozent oder sogar darüber. Die Firmen gaben laut bayme und vbm für die Qualifizierung ihrer Leute im vergangenen Jahr 370 Millionen Euro aus – pro Kopf 1.100 Euro.

In der Luitpoldhütte etwa bekommen Meister zwei Drittel ihrer Ausbildungskosten erstattet – ein deutlich vierstelliger Betrag. Zudem will man in Zukunft die interne Weiterbildung stark ausbauen. „Das bringt die Mitarbeiter nicht nur fachlich und persönlich weiter, sondern hält uns alle im Kopf beweglich und bringt frischen Wind ins Unternehmen“, sagt die Arbeitsdirektorin der Luitpoldhütte, Christiane Berger.

Dem Projekt-Ingenieur Hüttner hat sein Studium darüber hinaus auch neue Aufgaben beschert – und mehr Verantwortung. Er arbeitet nun sehr eigenständig, muss etwa abteilungsübergreifend Prozesse optimieren – oder auch mal nach Fehlern suchen, falls Kunden etwas reklamieren. „Jedes Problem ist anders, die Arbeit fordert mich und ist immer abwechslungsreich“, berichtet er. „Es ist toll, mit wie vielen interessanten Fragen ich mich nun beschäftigen darf.“


Techniker-Abschluss

Eigenständiges Arbeiten gefragt: Nadja Drischljuk entwirft bei Brose Teile für Autositze. Foto: Werk
Eigenständiges Arbeiten gefragt: Nadja Drischljuk entwirft bei Brose Teile für Autositze. Foto: Werk

Nadja Drischljuk (26) freut sich nach ihrem Abschluss auf eigene Projekte

Coburg. „Was ich in meiner Ausbildung gelernt habe, hat mir irgendwann nicht mehr ausgereicht“, sagt Nadja Drischljuk (26). Die technische Produktdesignerin beim Automobil-Zulieferer Brose in Coburg wollte mehr wissen, mehr können, mehr Verantwortung. Als klar war, dass ihr Arbeitgeber sie unterstützt, war der Entschluss zur Weiterbildung schnell gefasst.

In den vergangenen drei Jahren hat sich Drischljuk über ein Fernstudium berufsbegleitend zur Technikerin qualifiziert. Die Abschlussprüfungen sind geschrieben, Noten stehen noch aus – aber die junge Frau ist zuversichtlich, freut sich schon auf neue Projekte und ein eigenständigeres Arbeiten. „Ich habe nun Wissen, das mir bislang gefehlt hat“, sagt sie.

Der Weg dahin war anstrengend: viele Stunden lernend vorm Computer, Samstagsunterricht und einige Blockseminare während der Woche. „Die Zeit verging sehr schnell“, erzählt Drischljuk. „Es war ja schließlich freiwillig. Da ist man motiviert und bleibt dran.“

Brose übernahm zudem die Hälfte der Kosten von rund 4.500 Euro für die externe Weiterbildung. Und das Unternehmen gewährte einen Tag Bildungsurlaub pro Semester, insgesamt sechs Tage.

Ruhe kehrt bei Drischljuk nun trotzdem nicht ein. Für sie geht es nämlich weiter mit Weiterbildung – und zwar im Brose-Förderprogramm „Fit for Business“. Interne Seminare sollen die Persönlichkeit voranbringen. Themen sind unter anderem Teambildung, der Umgang mit Konfliktsituationen und Präsentationstechniken. „Davon profitiere ich im Beruf immer wieder“, sagt Drischljuk.

Meisterprüfung

Kennt sich auch in der Theorie aus: Andreas Beil von Mahlo. Foto: Weigel
Kennt sich auch in der Theorie aus: Andreas Beil von Mahlo. Foto: Weigel

Für Andreas Beil (24) bringt die Weiterbildung den Karriereschritt

Saal. Große Brüder sind oft ein Vorbild – und nicht immer das schlechteste. „Meiner hat in seinem Beruf den Meister gemacht, das wollte ich auch erreichen“, erzählt Andreas Beil (24) von Mahlo, einem Hersteller von Mess-, Regel- und Automatisierungssystemen für die Textil-Industrie in Saal bei Regensburg.

Zwei Jahre nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Mechatroniker suchte Beil deshalb den Weg zu seinen Vorgesetzten. Er erkundigte sich nach einer Möglichkeit zur Weiterbildung und bekam ein Angebot: Für den Leiter der Ausbildung und des Werkzeugbaus suchte Mahlo einen Nachfolger. Die Voraussetzung war der Meisterbrief – und Beil schlug zu.

Von da an ging es berufsbegleitend jeden Samstag sieben Stunden zur Schule, fast drei Jahre lang. „Die Theorie war kein Problem“, berichtet Beil. Er unterrichtete bereits die Auszubildenden von Mahlo und war ohnehin in vielen Themen drin. „Trotzdem musste ich vor den Prüfungen natürlich Urlaub nehmen, um zu lernen“, sagt er.

Zu diesem Zweck wie auch für Blockseminare gab es einige Tage Sonderurlaub. Die waren neben der finanziellen Hilfe von Mahlo auch Gold wert. „Ich musste für den Meisterbrief viel Zeit investieren“, sagt Beil. „Aber ich wusste immer, dass ich unterstützt werde.“ Der Aufwand hat sich am Ende gelohnt – vor allem wegen des anstehenden Karriereschritts.

Interview

Dieter Brüggemann. Foto: Privat
Dieter Brüggemann. Foto: Privat

„Fähigkeiten veralten heute viel schneller“

Weshalb Firmen in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren, erklärt Dieter Brüggemann, Professor und Weiterbildungsbeauftragter an der Uni Bayreuth.

Warum ist Weiterbildung für Beschäftigte und Unternehmen in der heutigen Zeit so wichtig?
Mitarbeiter müssen ihre Qualifikationen kontinuierlich auf den neuesten Stand bringen. Denn die Produktzyklen werden immer kürzer. Aktuelles Wissen und Fähigkeiten veralten heute viel schneller als früher. Ein Arbeitsleben lang reichen sie auf keinen Fall.

Erkennen das mittlerweile alle?
Ich glaube schon. Gerade hier in Oberfranken, einer eher ländlichen Region, wollen weder Mitarbeiter noch Firmen den Anschluss verlieren. Weiterbildung ist daher ein großes Thema.

Warum gerade dort?
Die Unternehmen bekommen Probleme, Fachkräfte zu finden. Laut Prognosen verliert die Region in den kommenden 20 Jahren 10 Prozent ihrer Bevölkerung. Und es sind nicht die Alten, die weggehen. Auf der anderen Seite gibt es viele gesunde mittelständische Betriebe, gerade in der Industrie. Die haben einen großen Bedarf an qualifizierten Leuten. Auch deswegen investieren die Firmen in ihre Mitarbeiter.

Gibt es dazu genügend Möglichkeiten?
In der Region müssen sie noch weiter verbessert werden. Weiterbildung findet oft am Wochenende oder abends statt – da will niemand lange anreisen. Deshalb wollen auch wir unser Angebot an der Uni Bayreuth deutlich ausweiten und auf die Bedürfnisse der heimischen Firmen ausrichten.

Welche sind das?
Wir fragen sie gerade ab. Angebote aus den Bereichen Kfz-, Werkstoff-, Energie- und Elektrotechnik werden bestimmt darunter sein.

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