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Wie Lehrer lernen, Kinder für Chemie zu begeistern

Kirchheim unter Teck. Lehrer drücken die Schulbank: Sie schnüffeln an Riechproben, die nach Pizzagewürz, Heu oder Seife duften. Die Pädagogen erfahren, wie unser Gehirn Gerüche mit Bildern verbindet. „Multisensorisches Memory“ heißt die Vorgehensweise: Zur Seife passt das Foto eines Badezimmers, zum Heu ein Hasenstall.

Das Ganze war Teil des Kongresses „Experimentieren in der Grundschule“ der Chemie-Verbände Baden-Württemberg, der kürzlich in Kircheim unter Teck stattfand. Anlass bot unter anderem der Bildungsplan 2016 des Kultusministeriums. Der schreibt vor, dass Schüler im Fach „Sachunterricht“ auf jeden Fall experimentieren.

Experimentierkästen kann man sich oft kostenlos ausleihen

Doch für welche Altersstufen sind welche Versuche geeignet? Wie macht man ein Experiment mit einer ganzen Klasse? Anregungen, Tipps und fachliche Unterstützung gab’s von Evelyn Jundt, Kursleiterin in der Experimenta in Heilbronn. Sie hatte Versuche zum Mitmachen im Gepäck.

So erfahren Kinder zum Beispiel spielerisch, was Oberflächenspannung ist. „Sie sehen den Wasserläufer übers Wasser flitzen. Dabei hilft dem Insekt die Oberflächenspannung. Und es nutzt seinen speziellen Körperbau, um sich fortzubewegen.“

Jetzt kommt noch die Seife ins Spiel: Sie verringert die Oberflächenspannung, das Insekt kann nicht mehr übers Wasser laufen. „Wir wollen Lehrer unterstützen, Kinder für Naturwissenschaften zu begeistern“, sagt Jundt. Die Lern- und Erlebniswelt stellt Grundschulen deshalb Experimentierkästen für Workhops zur Verfügung.

Anschließend drehte sich alles um Plastik: Wo begegnet Kindern im Alltag Kunststoff? Expertin dafür ist Tanja Rühl vom Verband der europäischen Kunststofferzeuger PlasticsEurope. Ihr Lieblingsversuch heißt Fahrradhelm. „Ich habe hier ein rohes Ei und lasse es fallen“, sagt sie. Und das macht sie wirklich! Platsch – die Schalen zerbrechen am Boden. Jetzt holt sie ein weiteres Ei hervor, schnallt ihm aber einen kleinen „Helm“ aus dem Schaumstoff Polystyrol um. Und lässt es wieder fallen. Nichts passiert: So gut verpackt bleibt das Ei ganz. „Man kann es sogar aus vier Meter Höhe fallen lassen, es bleibt heil!“, sagt Rühl vergnügt.

Lehrer wie Kinder ahnen es schon: Das Ei ist der eigene Kopf, die Hülle der Fahrradhelm. „Das hinterlässt einen bleibenden Eindruck“, so die Expertin. „Man sieht, wie wichtig ein schützender Fahrradhelm und damit Kunststoff ist.“

Dieses und viele andere Experimente (sogar Kunststoff aufschäumen) stecken in „Kunos cooler Kunststoffkiste“, die Grundschulen sich übrigens kostenlos ausleihen können.


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