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Umweltschutz

Wie Landstrom die Luft in den Häfen sauberer macht

Immer mehr Städte im Norden bauen Landstrom-Anschlüsse, um die Fracht- und Kreuzfahrtschiffe in ihren Häfen mit sauberer Energie zu versorgen. Nach Lübeck, Hamburg und Cuxhaven plant nun auch Kiel eine solche Anlage.

Projekt für saubere Luft: Die Landstromanlage "ShoreCONNECT" im Hafen von Cuxhaven, die Transportschiffe für den Bau von Offshore-Windparks mit elektrischer Energie beliefert. Foto: Michael Bahlo

Projekt für saubere Luft: Die Landstromanlage "ShoreCONNECT" im Hafen von Cuxhaven, die Transportschiffe für den Bau von Offshore-Windparks mit elektrischer Energie beliefert. Foto: Michael Bahlo

Anschluss: Der Strom für die Cuxhavener Landstromanlage "ShoreCONNECT" kommt aus dicken Erdkabeln. Foto: Michael Bahlo

Anschluss: Der Strom für die Cuxhavener Landstromanlage "ShoreCONNECT" kommt aus dicken Erdkabeln. Foto: Michael Bahlo

Kontrollbesuch: Ingenieurin Janete Machado mit ihrem Kollegen Wolfgang König an der Landstromanlage "ShoreCONNECT" von Niedersachsen Ports in Cuxhaven. Foto: Michael Bahlo

Kontrollbesuch: Ingenieurin Janete Machado mit ihrem Kollegen Wolfgang König an der Landstromanlage "ShoreCONNECT" von Niedersachsen Ports in Cuxhaven. Foto: Michael Bahlo

Hochspannung: Der Landstrom am Cruise Center Altona im Hamburger Hafen fließt durch armdicke Spezialkabel. Foto: Christian Charisius/dpa

Hochspannung: Der Landstrom am Cruise Center Altona im Hamburger Hafen fließt durch armdicke Spezialkabel. Foto: Christian Charisius/dpa

Maximal flexibel: Der Landstrom kommt über ein bewegliches Kabelsystem aufs Schiff. Foto: Christian Charisius/dpa

Maximal flexibel: Der Landstrom kommt über ein bewegliches Kabelsystem aufs Schiff. Foto: Christian Charisius/dpa

Pionier-Projekt: Die Hamburger Landstrom-Anlage am Kreuzfahrt-Terminal in Altona. Foto: Hafen Hamburg

Pionier-Projekt: Die Hamburger Landstrom-Anlage am Kreuzfahrt-Terminal in Altona. Foto: Hafen Hamburg

So funktioniert's: Das Prinzip der Landstrom-Versorgung von Siemens. Foto: Siemens

So funktioniert's: Das Prinzip der Landstrom-Versorgung von Siemens. Foto: Siemens

Das neue Werk des Windenergie-Spezialisten Siemens-Gamesa in Cuxhaven ist eine Fabrik der Superlative. Sie gilt als weltweit modernste Fertigungsstätte dieser Art und beliefert Offshore-Windparks mit Maschinenhäusern, die rund 350 Tonnen wiegen.

Auch die Schiffe, die die riesigen Generatorengehäuse zu ihrem Einsatzort auf See bringen, sind beeindruckend. Sie haben eine Länge von 141 Metern und einen Dieselmotor mit stattlichen 7.342 PS.

Es musste also eine Lösung her, um zu verhindern, dass diese Schiffe während der regelmäßigen Liegezeit im Hafen mit ihren Abgasen die Luft belasten. Denn üblicherweise ist es so, dass Schiffsbesatzungen ihre Motoren auch am Kai weiterlaufen lassen, um den nötigen Strom für die Zeit des Aufenthalts zu erzeugen.

Die Lösung des Problems kam von Siemens selbst. Das Unternehmen baute eine hochmoderne Landstrom-Anlage, die die Schiffe im Hafen so lange mit sauberer Energie versorgt, bis sie wieder ablegen.

Die Effekte sind erheblich, wie Siemens-Ingenieur Thomas Kopel mit einer Beispielrechnung zeigt: „Wenn die Schiffe pro Woche einmal für 24 Stunden in Cuxhaven liegen, ergäbe sich bei laufenden Dieselgeneratoren ein CO2-Ausstoß von bis zu 359 Tonnen pro Jahr. Bei der Versorgung per Landstrom wäre die Menge deutlich kleiner, abhängig natürlich von der Art der Strom-erzeugung.“ Mit dem EU-Mix zum Beispiel wären es rund 170 Tonnen CO2, also weniger als die Hälfte.

Der Landstrom-Anschluss in Cuxhaven hat eine Leistung von 630 Kilowatt

Es geht aber nicht nur um Kohlendioxid, sondern auch um die Belastung durch Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide, die beim Einsatz von Schiffstreibstoffen anfallen. Das gilt vor allem für große Kreuzfahrtschiffe wie die „Queen Mary II“, die einen höheren Strombedarf hat als eine Stadt mit 150.000 Einwohnern. Dazu kommt, dass moderne Abgasreinigungssysteme im internationalen Schiffsverkehr immer noch die Ausnahme sind.

Deshalb stand von Anfang an fest, dass mit dem Siemens-Werk in Cuxhaven auch ein Landstrom-Anschluss gebaut wird. Eigentümerin der Anlage ist die Gesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts), die die landeseigenen Häfen betreibt. Der Strom selbst kommt von EWE.

Die Konstruktion hat eine Leistung von 630 Kilowatt (kW) und besteht aus mehreren Komponenten. NPorts-Ingenieurin Janete Machado: „Wir haben ein Kabelzuführsystem mit einer beweglichen Übergabeeinrichtung zum Schiff und eine Umformstation. Denn der elektrische Strom aus dem Netz kommt mit 20.000 Volt und 50 Hertz an, für die Schiffe brauchen wir aber 440 Volt und 60 Hertz.“

Hamburg baute Europas erste Anlage für Kreuzfahrtschiffe

Die Cuxhavener Anlage ist nicht der erste Landstromanschluss in Deutschland. Es gibt bereits seit zehn Jahren eine Installation in Lübeck, die ebenfalls von Siemens gebaut und vom Papierkonzern Stora Enso in Auftrag gegeben wurde. Sie versorgt die Frachtschiffe mit Energie, die für das schwedisch-finnische Unternehmen unterwegs sind.

Und auch im Hamburger Hafen setzt man auf die umweltfreundliche Energieversorgung von Schiffen. Hier wurde im Sommer 2016 der erste europäische Landstromanschluss für Kreuzfahrtschiffe eingeweiht.

Er befindet sich am Kreuzfahrtterminal Altona und wurde ebenfalls mit Siemens-Technik errichtet. Die Baukosten lagen nach offiziellen Angaben bei rund 10 Millionen Euro. Eine zweite Anlage soll in den kommenden Jahren in der Hafencity entstehen, um die Belastung der Luft durch die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe im Hafen weiter zu reduzieren.

Kiels Oberbürgermeister fordert mehr Engagement

Aus dem gleichen Grund befasst man sich nun auch in Kiel mit Landstrom. Vertreter von Land, Stadt, Hafen und Aida Cruises unterzeichneten im April 2018 eine entsprechende Absichtserklärung, der bald Taten folgen sollen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther: „Damit sind wir einen großen Schritt weitergekommen, den Kreuzfahrttourismus zukunftsfähiger und umweltfreundlicher zu gestalten.“ Er will zudem auf Bundesebene dafür werben, dass Landstrom-Anlagen teilweise von der EEG-Umlage befreit werden.

Bereits 2019 sollen Aida-Schiffe den Anschluss nutzen können. Für Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist das aber erst der Anfang: „Für die Akzeptanz der Kreuzfahrtschiffe in Kiel ist es wichtig, dass sich auch andere Reedereien noch stärker den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit widmen.“

Die Kosten für die Anlage werden auf 9 bis 10 Millionen Euro beziffert. Die Landesregierung hat zugesagt, das Projekt finanziell zu fördern.


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